Eishockey

EHC-Goalie Ben Meisner erklärt sein Karriere-Ende

Matthias Konzok

Mitten in den Playoffs des EHC Freiburg hat Ben Meisner sein Karriereende verkündet. Der Eishockey-Zweitligist reaktiviert daher einen Aufstiegshelden – und vermeldet seinen ersten Zugang.

Der Fokus beim EHC Freiburg war ganz auf den Mittwochabend ausgerichtet. Um 19.30 Uhr tritt der DEL-2-Club zum zweiten Playoff-Halbfinale bei den Bietigheim Steelers an, nach der 2:6-Auftaktniederlage am Montag hat sich der Druck auf die Breisgauer in der Best-of-Five-Serie bereits erhöht. Am Mittag platzte dann aber der Tweet von Ben Meisner herein, in dem der 30-Jährige erklärte, dass er vom professionellen Eishockeysport zurücktrete. Es sei ein bittersüßer Tag für ihn, schrieb Meisner, "aber ich bin gespannt, was mir das reale Leben bieten wird". Das wichtigste sei, dass "Eishockey mir die Möglichkeit gegeben hat, Leben zu retten". Meisner geht offen mit seiner depressiven Erkrankung um und setzt sich dafür ein, Betroffenen zu helfen.



Blieb zunächst offen, ob Meisner die Playoffs mit den Wölfen noch beenden wird, ist inzwischen klar, dass er nicht mehr auf die Eisfläche zurückkehrt. "Ben Meisner hat den EHC Freiburg heute informiert, dass er seine professionelle Eishockey-Karriere beendet hat", teilte der Zweitligist drei Stunden nach Meisners Tweet mit. Daher werde es auch Änderungen im Freiburger Aufgebot für die Partie in Bietigheim geben: Christoph Mathis wird als Backup von Enrico Salvarani fungieren.

Aufstiegsheld Mathis feiert nach zwei Jahren sein Comeback

Anfang März hatte der EHC neben Ex-Profi Mathis (33) auch Nachwuchstorhüter Maurice Hempel (17) als Standby-Goalies lizenziert. Der dritte Torhüter Luis Benzing beendete die Saison beim Kooperationspartner Schwenninger Wild Wings in der DEL. Nun steht Mathis tatsächlich vor seinem Comeback, obgleich in der Rolle des Ersatzmannes. Von 2006 bis 2016 zählte das Freiburger Eigengewächs fest zur ersten Mannschaft, stieg zwischen 2012 und 2015 mit dem EHC von der vierten bis in die zweite Liga auf und sicherte seinem Verein 2016 in den Playdowns gegen den ESV Kaufbeuren den Klassenerhalt. Nach drei Spielzeiten bei den Oberligisten Hannover Scorpions und Füchse Duisburg war Mathis seit 2019 nicht mehr aktiv gewesen.

Meisner avancierte zum Publikumsliebling und Torhüter des Jahres

Meisner war vor zwei Jahren vom Ligakonkurrenten Tölzer Löwen nach Freiburg gewechselt. Als sicherer Rückhalt und mit seinen Paraden avancierte der Deutsch-Kanadier schnell zum Publikumsliebling und wurde 2019/20 als bester Torhüter der DEL 2 ausgezeichnet. Markant ist Meisners offensiver Spielstil, mit dem er regelmäßig außerhalb seines Torraums in das Spiel eingreift – was mitunter auch nervenaufreibende Situationen hervorrufen kann. In der laufenden Saison war der Linksfänger weiterhin als Nummer eins gesetzt, verpasste lediglich einige Partien verletzungsbedingt. In den letzten drei Playoff-Spielen hatte jedoch Enrico Salvarani den Vorzug vor Meisner erhalten.

Nach Meisners Tweet war bereits davon auszugehen, dass er sein Karriereende per sofort vollzogen hat. In den laufenden Playoffs sind personelle Neuigkeiten eher unüblich, allenfalls werden Vertragsverlängerungen – deren vier verkündeten die Wölfe bisher – bekannt gegeben. Hingegen werden Abgänge und Neuverpflichtungen in der Regel erst nach dem letzten Spiel der Saison vermeldet.

Lennart Otten ist der erste Neuzugang für die kommende Runde

Dass dies zuweilen aber nur Theorie ist und in der Praxis anders gehandhabt wird, zeigt die EHC-Mitteilung am Mittwochnachmittag. Mit Lennart Otten präsentierte der Club seinen ersten Neuzugang für die kommende Runde. Der 20-jährige Stürmer wechselt aus der DNL-Mannschaft der Düsseldorfer EG zum Zweitligisten. "Freiburg ist für mich genau der richtige Ort, um den ersten Schritt im Profi-Eishockey zu gehen", wird der gebürtige Neusser in der Vereinsmitteilung zitiert.

Der ehemalige U-16-Nationalspieler war vor der Saison aus einer dreijährigen Eishockeypause zur DEG zurückgekehrt. Zum Zeitpunkt des Saisonabbruchs in der DNL führte Otten die Topscorerliste an, wobei der Linksschütze einer der ältesten Akteure in der U-20-Nachwuchsklasse war. Während seiner Eishockeypause war Otten im Skaterhockey erfolgreich, wurde Junioren-Europameister und feierte mit den Crash Eagles Kaarst – an der Seite seines älteren Bruders und unter seinem Vater als Trainer – den Gewinn der deutschen Meisterschaft.

In Freiburg wird Otten nun den Sprung ins Profi-Eishockey wagen und beim EHC für die kommende Saison mit einem Fördervertrag ausgestattet. Laut DEL-2-Regularien muss jeder Verein mindestens zwei solcher U-21-Förderspieler unter Vertrag stehen haben. In dieser Saison sind dies bei den Wölfen die Stürmer Gregory Saakyan und Oleg Tschwanow.