Echo FM Festival: Einfach animalisch

Gina Kutkat

Die Konkurrenz des gleichzeitig stattfindenden und kostenlosen Jugendkulturfestivals in Basel war einfach zu groß: Am vergangenen Samstag hieß es für die Bands beim Echo FM Festival in der Jazz und Rock Schule, getreu dem Motto "The Show must go on", einfach mal so tun, als ob sie vor 300 Leuten spielten. Gina war dabei.



Der Abend im Rückwärtsgang: RRRRums! Zum  x-ten Mal schlägt sich Martin, Sänger der schwedischen Live-Entdeckung des Spätsommers, The Animal Five, sein Mikrofon gegen den Kopf. Kurz zuvor hatte er seinem besten Freund und Gitarristen seiner Band eins mit einer kleinen rosa Gitarre übergezogen.

The Animal Five, fünf männliche Charaktere, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: Sänger Martin und Gitarrist Andreas nehmen ohne Frage die Führungspositionen der Truppe ein, ohne ein Fünkchen Führungspotential zu besitzen. Alles ist wild, durcheinander und ohne Konzept. Hier springt eine kleine, blonde Schwedin auf die Bühne, um für einen Song auf ihrer winzigen rosa Gitarre zu klampfen. Dort torkelt Martin gegen den Verstärker und schubst ihn von der Bühne. Er mokiert sich über Deutsche, ihr Trinkverhalten und ihre Vorstellungen eines guten Konzerts. Sein Fazit: "You are fucking weird!"

Als Zuschauer befindet man sich im dauerhaften Wechselzustand zwischen Angst, Aufregung, Ungläubigkeit und großer Freude. Denn es macht Spaß, dem durchgeknallten Typ auf der Bühne zuzuschauen, solange er in seinem Terrain bleibt. Tut er nicht! Martin steigt ins Publikum, trinkt aus den Bierflaschen der Zuschauer, zieht sie näher an die Bühne heran und macht Witze auf ihre Kosten. "Can somebody please get me a drink?"

Der Auftritt war seltsam, unterhaltend und faszinierend, aber war er auch gut? Eigentlich sollte es doch um die Musik gehen -  aber die Show, die The Animal Five weder nüchtern noch clean darboten, stellte vieles in den Schatten. In Erinnerung bleibt als bester Lied-Titel des Abends: "I Love Myself For Hating You". Martin von Inghardt war offensiv, direkt und so frei von Berührungsängsten, dass sich selbst der extrovertierte Teil des Publikums verklemmt vorkam.



Der Auftakt des Echo FM Festivals glich der Ruhe vor dem Sturm. Vorallem die Opener des Abends, Fed Up 74 aus Freiburg, hatte einen harten Job. Sie musste vor Soundtechnikern, den anderen Musikern, Freunden und Bekannten spielen. Zwar trafen nach und nach die ersten Zuschauer ein, die ließen sich jedoch gut an zwei Händen abzählen.

Was bei anderen Bands eventuell zu Frustration geführt hätte, haben Fed Up 74 in positive Energie für ihre Punk-Pop-Show umgewandelt. Sie fegten mit bekannter Power durch ihr Set, sodass ihr imaginäres Publikum ins Schwitzen geriet. JoP, HimSelf, Robert und Cupido präsentierten die Songs ihrer neuen EP "What To Do?" und bewiesen mit ihrem Gig ihre Professionalität.



The Lo Fat Orchestra, ein Drittel kommt aus Schaffhausen, zwei Drittel aus Villingen-Schwenningen, spielten Songs ihrer neuen EP "Canned Candies". Chriss an der Orgel, Stan am Bass und Dan am Schlagzeug bezauberten zum einen durch ihr Schweizer-Deutsch, zum anderen durch ihre Musik, die ihre eigene Schublade braucht. Irgendwo zwischen Indie, Pop und Trash sind ihre Lieder über das "Trailer Girl" und "White Trash" einzuordnen.

Später dann: Dorfdisko aus Köln, deren Sänger zuviel wollte: Es ging ihm vorallem darum, von oben bis unten "indie" zu sein. Sei es sein abgewetztes T-Shirt, die strähnigen Haare, sein dauerhaft stampfendes Tanzbein oder seine Bühnenansagen: Es war zuviel, als dass man es ihm wirklich abgekauft hätte.'



Nun gut, gegen die Musik war jedoch nichts einzuwenden. Sie lud zum Tanzen ein und bat mit "Kurz vor Malmö" eine exzellente Überleitung zum Auftritt von The Animal Five aus: genau, Malmö.

Wie der ausging - siehe oben!

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