Dos Hermanos & Urban Junior in der KTS: Dreschen bis der Drumstick bricht

Carolin Buchheim

Viel war gestern abend nicht los: Nach dem Fußball-Konsum hatten sich gestern nur zwei Dutzend Leute auf den Weg duch den regnerischen Abend in die KTS gemacht, um Dos Hermanos und Urban Junior zuzuhören. Wer den Popo vom Sofa nicht hochgekriegt hat, darf sich ärgern: Tolles, seltsames Konzert verpasst.



Dos Hermanos hatten eine gar wundersame Kollektion an Instrumenten zum draufschlagen mit dabei: Metalleimer, etwas, das wie der Kadaver einer Schreibmaschine aussah und auf die Bass-Drum gelegte Hi-Hats.

Der auf all diesem Zeug bis ans Splittern der Drumsticks gedroschene Beat war stets stoisch und manchmal falsch, manchmal Calypso und manchmal Festzelt. Dazu wurden Texte gesungen, genuschelt oder gemegaphont, und dank der Attitüde von Senor G.Rag und José aka the black rider war das Endergebnis dadaistisch und unterhaltsam.
Besondern schön, natürlich, die den Songs rhythmisch vorgetragenen Texte aus Walter Rufers "Der Himmel ist blau. Ich auch.", einer Sammlung von Gedichten, die an tug.antville.org erinnert.



Urban Junior, ein auf irrtierende Weise amerikanisch aussehender junger Mann aus Zürich, der eine faszinierende Merchandise-Kollektion zum Verkauf feilbot, zog nicht nur eine Totenkopfmaske, sondern auch ganz andere Saiten auf. Als Zuschauer musste man sehr schnell feststellen, dass die Möglichkeiten einer One-Man-Band weitaus größer sind, als das einen die üblichen Einkaufsstraßen-Trommel-auf-dem-Rücken-Gitarre-in-der-Hand-und-Mundharmonika- vor-dem-Gesicht-Musiker glauben lassen.

Vor orangefarbenem Sternchenvorhang ließ er den Mini-Synthesizer wummern bis die Ohren weh taten, trat auf die Base-Drum, ließ die Gitarrenriffs smooth gleiten und schrie seine viel zu schlauen Texte ins Megaphon. Music for the asses! Musik für Euch! Erschreckend toll war das auf Zuruf gespielte Cover von Survivors "Eye of the Tiger". Das Genre des Screamo-Blues muss extra für diese Ein-Mann-Band erfunden werden.

Insgesamt ein toller, leider wie so oft viel zu später und langer Konzert-Abend in der KTS mit zwei Bands, die man alsbald gerne wieder erleben möchte.

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