Gardion

Dieses Freiburger Start-Up will dich im Internet vor Hackern und Datensammlern schützen

Felix Klingel

Das Freiburger Start-Up Gardion hat einen VPN entwickelt, mit dem man sicher und privat im Internet surfen können soll. fudder hat mit einem der Gründer gesprochen und das Angebot getestet.

Wer im Internet unterwegs ist, hinterlässt Spuren. Spuren, die für Firmen wie Facebook und Google bares Geld bedeuten. Denn das Surfverhalten sagt viel über die eigenen Wünsche und Bedürfnisse aus. Eine Google-Suche nach Tipps zum Abnehmen und Zack - das Internet ist voll von Werbung mit diversen Mittelchen zum Abnehmen.


Mit der IP-Adresse sind wir im Internet identifizierbar. Außerdem hinterlassen Seiten Cookies auf unseren Geräten. Kleine Dateien, die weitere Informationen über unser Verhalten im Internet enthalten. Wie lange war ich auf einer Webseite unterwegs? Und wo war ich vorher?

Gardion will mehr sein als nur ein VPN

Eine Möglichkeit, diese Verfolgung zu umgehen, sind VPN-Server. Mit diesen verschleiert man seine Identität im Internet. Keine neue Sache – Anbieter von VPNs gibt es wie Sand am Meer. Dennoch hat sich das Freiburger Start-Up Gardion dazu entschieden, einen eigenen VPN-Dienst zu entwickeln. Und der soll sich von den restlichen Anbietern durch einige Dinge unterscheiden.

Denn Gardion will mehr sein, als nur ein VPN. "Im Grunde ist es ein Filter, der das Internet nach deinen Vorgaben filtert", sagt Thomas Schlenkhoff. Viren, Trojaner und Überwachungssoftware sollen durch Gardion also blockiert werden. Wie stark der Filter eingreift, soll der Nutzer selbst entscheiden können.
Wie funktioniert ein VPN?

Ein VPN-Server schaltet sich zwischen dich und das Internet. Du verbindest dich also nicht mehr direkt mit anderen Servern im Internet, wenn du etwa eine Website aufrufst, sondern tust das über den VPN-Server. Daher wird der Website auch nicht dein Computer oder Handy und damit deine Identität angezeigt, sondern die des VPN-Servers. Mit dem VPN-Server selbst stehst du in einer privaten, verschlüsselten Verbindung. Daher stammt der Name Virtual Private Network (VPN). Die Verschlüsselung ist für Dritte kaum knackbar, darum kann das Surf-Verhalten praktisch nicht mehr nachvollzogen werden. Es gibt Dienste, die VPNs kostenlos anbieten, sowie solche, bei der ein Monatsbeitrag fällig wird. Die kostenlosen Varianten bieten allerdings oft nur eine eingeschränkte Geschwindigkeit.

"Im Grunde sichern wir mit Gardion unsere Nutzer so ab, wie das auch große Unternehmen in ihren Netzwerken tun", sagt Schlenkhoff. Tracker, Schadsoftware, Phishing-Seiten sollen erst gar nicht beim Nutzer ankommen, da sie vom Filter aussortiert werden. Einen weiteren Vorteil sieht Schlenkhoff am Standort in Deutschland: "Hier gibt es Rechtssicherheit und der Datenschutz ist gewährleistet". Bei anderen VPN-Anbietern sei oft nicht klar, wo die Server eigentlich stehen. Was dann eigentlich mit den eigenen Daten geschieht, die über den Server laufen, ist oft nicht bekannt.

Dafür sind andere VPNs etwas günstiger. Bei den gängigen Marktführern gibt es bei Abschluss eines Jahrevertrags einen VPN für etwa 4 bis 6 Euro im Monat. Gardion soll bei einem ähnlichen Vertragsmodell etwa 8 Euro pro Monat Kosten.
Wofür brauche ich einen VPN?

Gerade junge Menschen benutzen VPNs gerne, um Filme und Serien bei Streaminganbietern wie Netflix anzuschauen, die in ihrem Herkunftsland nicht verfügbar sind. Da der VPN in anderen Ländern stehen kann, kann man Netflix über die IP-Adresse des VPN vorgaukeln, man selbst käme aus den USA. Benutzer von Tauschbörsen nutzen VPNs außerdem, um ihre Identität zu verschleiern, etwa wenn sie urheberrechtliche geschützte Werke herunterladen. Andere wollen sich allgemein gegen Verfolgung und Datensammler im Internet wehren und immer möglichst anonym im Internet unterwegs sein.

So läuft Gardion im fudder-Test der Beta-Version:

Nach der Registrierung logge ich mich auf der Seite von Gardion ein. Die Seite ist schlank und übersichtlich gestaltet, dennoch braucht es kurz, bis die Funktionsweise klar ist. Auf der Website erstellt sich der Nutzer sogenannte Gruppen, in die er dann seine Geräte eintragen kann, die er mit Gardion schützen will. Also etwa den Laptop und das Handy.
Für diese Gruppe kann dann der Filtergrad eingestellt werden. Die Skala reicht von 1 ("Kein Filter") bis 9 ("Whitelist – nur Seiten aus Deutschland). Ich wähle Filter 5, der Tracking durch Datenhändler und Werbenetzwerke verhindern soll.

Ab Filter 6 lassen sich keine Google-Dienste mehr nutzen, ab Filter 7 nichts mehr von Facebook. Damit ist dann aber auch WhatsApp und Instagram tot.
Dafür verfolgt einen die Datenkrake nicht mehr – und die ist ja nicht nur auf Facebook selbst hinter einem her, sondern auch auf vielen anderen Seiten durch eingebettete Like-Daumen und Cookies. Trotzdem soll es erst mal Filter 5 tun, schließlich will ich nicht auf Dienste wie WhatsApp und Google Maps verzichten – und die bezahle ich quasi mit meinen Daten. Eine Zwickmühle.

Nun müssen das Handy und der Laptop sich noch über den Gardion-VPN mit dem Internet verbinden. Dazu bietet Gardion fürs Handy keine eigene Software an, sondern man ist auf einen VPN-Client von einem Drittanbieter angewiesen. Praktischerweise empfiehlt Gardion aber ein Programm und liefert eine detaillierte Anleitung dazu – die muss man allerdings ein wenig suchen und könnte etwas prominenter auf der Seite platziert sein.

Der Ablauf in drei Schritten

Programm installieren, Gardion-Protokoll in das Programm laden, Programm aktiv schalten – fertig. Die Installation auf Windows ist dagegen etwas kniffeliger, wird aber auch Schritt für Schritt erklärt. Auf dem Handy zeigt mir der Schriftzug "VPN" in der Statusleiste an, dass ich nun darüber mit dem Internet verbunden bin.

Sonst ändert sich erst einmal wenig. Da ich mit Stufe 5 nur Dinge geblockt habe, die im Hintergrund ablaufen, verändert sich das Internet für mich nicht. Das Internet läuft und ist durch den VPN auch nicht merklich langsamer. Nur einige Male gibt es Aussetzer und es geht gar nicht mehr. Das könnte aber auch an der aktuellen Beta-Version des VPNs liegen. Nach Thomas Schlenkhoff könnte das Surfen durch Gardion am Ende sogar etwas schneller werden: "Das Download-Volumen verringert sich durch den Filter deutlich".

Allerdings kommt eine Latenz dazu, also eine Verzögerung, die das Signal länger braucht, um zu mir zu gelangen, da es erst einmal über den Gardion-Server laufen muss. Und: Da Gardion gerade noch im Testphase ist, benutzen den VPN nur wenige Personen. Je mehr den Server verwenden, umso größer ist die Belastung für die Geschwindigkeit. "Es gibt aber keine Begrenzung der Bandbreite", so Schlenckhoff. Um englische Filme auf Streaming-Webseiten anzusehen, taugt Gardion momentan aber noch nicht, da der Server in Deutschland steht. Hier denken die Entwickler jedoch bereits über ein Angebot von Servern in anderen Ländern nach.
Der VPN Gardion befindet sich momentan noch in der Entwicklung und ist in der Beta-Phase. Die Fertigstellung ist für das Spätjahr 2020 geplant. Weitere Infos gibt es unter gardion.de.