Dieser Freiburger fotografiert Hunde - beruflich

Miriam Jaeneke

Seine Fotomodelle scheren sich einen Dreck um seine Anweisungen: Christian Hanner fotografiert in seinem Studio in der Wiehre Hunde, manchmal auch Katzen oder ein Chamäleon. Wie er dazu kam:



Schon wenn man am Schaufenster des Fotografen in der Freiburger Wiehre vorbeigeht, sieht man, was Sache ist: Schlappohren, wedelnder Schwanz, treuherziger Blick: Zahlreiche Hundefotos hängen als Blickfang für Passanten im Fenster. Steht man dann in dem rund 30 Quadratmeter großen Studio, blicken einem noch mehr Hunde von den Wänden entgegen. Dackel, Labradore, Mischlinge, alles ist dabei. Gemütlich will es der Freiburger Christian Hanner (Foto unten), daher steht auch ein kleines Aquarium im Raum, und in einer Ecke ein – natürlich fotogener – roter Ledersessel.

An den Wänden hat Hanner vor allem eines der vierbeinigen Models wiederholt in Pose gebracht, sitzend, im Porträt, in Lederjacke: Amor, seinen inzwischen fünfjährigen Boxer. "Mit ihm fing alles an", erzählt der 35-Jährige, während er auf seine heutige Kundschaft wartet. Als achtwöchigen Welpen bekam er Amor, sofort war der Neuzugang Hanners beliebtestes Motiv.

Bereits als Teenager hat er angefangen zu knipsen und sich alles Nötige selbst beigebracht. Mit seinem Biologiestudium kamen weitere Motive ins Spiel: Käfer, Schmetterlinge, Spinnen, alles in freier Wildbahn. Hanner hat einen Schrebergarten in Günterstal, "da kommen so einige Tiere vorbei". Draußen fotografiert er vor allem in den frühen Morgen- oder Abendstunden mit goldenem Sonnenlicht, dann haben die Insekten ihre natürliche Ruhezeit und lassen sich besser bannen. "Trotzdem muss man sehr sorgsam arbeiten" – um die Tiere nicht aufzuschrecken.

Insekten zu fotografieren ist sein Hobby, erzählt Hanner. Geld verdient er zum einen als Kellner im Freiburger Restaurant "Schlappen". "Das ist ein schöner Job", sagt er, und außerdem ist es eine regelmäßige Einnahmequelle. Zum anderen macht Hanner Shootings auf Anfrage: Selten sind es Hochzeits- oder Passbilder – "ich lehne keinen Auftrag ab" –, mehrmals pro Woche kommen Hunde mit ihren Herrchen oder Frauchen ins Studio. Rund eine Stunde dauert ein Shooting und kostet um die 100 Euro, je nachdem, wie viele Fotos Hanner nachbearbeitet und den Kunden mitgibt.



Heute haben sich Carolin und Lena Schwarz angekündigt. Die beiden 20 und 23 Jahre alten Schwestern bringen den 14-jährigen und damit hochbetagten Gismo mit, einen Labrador-Mischling. Was für einen Hund er in wenigen Augenblicken vor der Linse haben wird, weiß Hanner nicht, bis die Kundschaft kommt: "Früher habe ich immer versucht, möglichst viel im Vorhinein zu erfahren. Inzwischen lasse ich mich überraschen."

Carolin und Lena Schwarz haben, neben Gismo, ein rotes Nickituch dabei und ganz viele Leckerli. Der Grund wird schnell klar: Nachdem Gismo jede Ecke des Studios erschnüffelt und Hanner die schwarze Leinwand auf dem Boden ausgerollt hat, soll sich der Mischling zum Lichttest zwischen die beiden Leuchten setzen. Nur: Das mit dem Sitzen ist leichter von den beiden Schwestern gesagt als von ihrem Hund getan: "Gismo hört quasi nichts mehr, er weiß einfach nicht, was wir von ihm wollen", erklärt Carolin Schwarz. Tatsächlich schaut Gismo irritiert, fängt schließlich an zu bellen. "Das macht auch die ungewohnte Situation", sagt Hanner.

Schließlich haben die Schwestern die Idee, Gismo mit einem dicht über dem Boden gehaltenen Leckerli zum Platz machen zu bringen und dann das Leckerli vor seiner Schnauze hochzuführen, bis Gismo sitzt. Der Trick funktioniert – so lange, bis die beiden Besitzerinnen mit ihrem Leckerlivorrat auf Distanz gehen, um dem Fotografen die Sicht freizugeben. Meistens kommt Gismo nach Kurzem schauen, ob nicht noch etwas abzustauben ist.

Hunde sind unberechenbar

Hanner muss schnell sein, und das ist er: Von seinen 85 geschossenen Fotos sind nur zwei zum sofort Aussortieren, weil er im falschen Moment ausgelöst hat. Für ein Shooting mit einem so unberechenbaren Shooting-Star ein echt gutes Ergebnis. Den Smalltalk mit den Besitzern vergleicht Hanner mit dem Besuch beim Friseur: Man redet nebenbei und stets über die Sache: "Bei welchem Tierarzt seid ihr?" Oder: "Wodurch seid ihr auf mich aufmerksam geworden?" Im Fall von Carolin und Lena Schwarz war es Werbung auf Facebook, der Anlass der Geburtstag des Vaters.

Erst knapp zwei Jahre betreibt Christian Hanner das Dogstudio, bereits jetzt gibt ihm der Zustrom Recht. Zu 95 Prozent, schätzt er, fotografiert er Hunde, ansonsten Katzen oder auch mal einen 1,5 Meter langen Leguan. "Ich bin Purist. Ein gutes Foto muss meiner Meinung nach ausdrucksstark und natürlich sein", erklärt er. Ist Gismos Körper leicht nach rechts gedreht, gibt Hanner die Anweisung, den Blick des Hundes nach links zu lenken.

Manchmal legt er selbst Hand an, schiebt den liegenden Gismo schräger ins Bild oder legt seinen Schwanz um ihn, um einen kompakteren Bildeindruck zu erzeugen. Mal fotografiert er stehend von oben auf Gismo herunter, mal liegt er Gismo Aug‘ in Aug‘ gegenüber. Schließlich macht er Kopfporträts von einem liegenden und sichtlich ermatteten Gismo. Am Ende sind Carolin und Lena hochzufrieden und werden sich bei der Bildauswahl rasch einig. "Schön sind die Fotos geworden, so haben wir eine tolle Erinnerung…" – … wenn Gismo nicht mehr da ist, lautet der unausgesprochene zweite Teil des Satzes. Noch ist Gismo aber da und gibt schließlich mit Bellen lautstark zu verstehen, dass er die Session für beendet hält.

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Fotos: Christian Hanner

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