Kultur

Diese Theatergruppe hat aus ihrem Stück einen Kurzfilm gemacht

Maya Schulz

Viele Theaterprojekte mussten zu Beginn des Jahres auf Eis gelegt werden. So auch die Proben der Theatergruppe der Richard-Fehrenbach Gewerbeschule. Die Schüler haben den Kurzfilm "Mord im Sanatorium" gedreht, der am Samstag veröffentlicht wird.

Durch die Covid-19-Pandemie sind die Pläne der Theatergruppe der Richard-Fehrenbach Gewerbeschule im Frühjahr über den Haufen geworfen worden. Normalerweise befindet sich die Gruppe zu der Zeit in einer intensiven Probephase, doch dieses Jahr war alles anders. Treffen und damit auch Proben im Schulgebäude waren nicht mehr erlaubt. Aber the show must go on, darum hat das Team eine Alternatividee umgesetzt: das Kurzfilmprojekt "Mord im Sanatorium". Fudder hat einen Blick hinter die Kulissen geworfen und Autor, leitenden Produzenten und Cutter David Klingele (22) gefragt, wie viel Herzblut in das Blockbuster-Projekt geflossen ist.

David, wie kam es zur Kurzfilm-Idee?

Normalerweise führen wir einmal im Jahr ein Theaterstück auf, das wir in den Monaten zuvor vorbereiten. Die Theater-AG bietet einen kreativen Ausgleich zum eher mathematisch-technisch orientierten Schulprofil und macht so viel Spaß, dass ich noch immer gerne mitwirke, auch wenn ich bereits seit zwei Jahren nicht mehr auf die Schule gehe. Die Aufführung dieses Jahr einfach ausfallen zu lassen, war uns allen zu schade. Und so begannen wir im Mai mit dem Schreiben des Drehbuchs und Vorbereiten des Drehs.

Was gab es beim Dreh zu beachten?

Zuerst mussten wir einen Drehort finden und eine Drehgenehmigung dafür bekommen, was langwieriger sein kann, als man es sich vorstellt. Unser Drehort, die alte Villa, ist etwa 10 Kilometer von Freiburg entfernt. Dort reisten wir mit Crew und Ausstattung an und hatten nach einem Tag Arbeit schon alles im Kasten. Um die Corona-Maßnahmen einzuhalten boten sich Außenaufnahmen an. Ungewohnt für uns als Theaterschauspielerinnen und -schauspieler war es zum Beispiel Wind und Wetter zu bedenken, was auf der heimischen Theaterbühne keine Rolle spielt. Wir mussten entsprechende Mikrophone organisieren, damit alle Darstellerinnen und Darsteller auf den Aufnahmen gut zu hören sind.



Optisch gibt der Film einiges her, wie der Trailer verrät. Wie sieht es mit dem Inhalt aus?

Der Kurzfilm ist eine Inszenierung des Klassikers "Die Physiker" von Friedrich Dürrenmatt. Die drei Szenen, die unser Kurzfilm umfasst, können als Prequel für das Theaterstück betrachtet werden.
Die Erzählung dreht sich um den Physiker Möbius, der eine Formel zur Zerstörung der Welt gefunden hat. Um die Welt vor seiner Erfindung zu schützen, weist er sich selbst in eine Psychiatrie ein. Zwei Agenten, die ihm die Formel entwenden wollen, tun es ihm nach. Als Inspektor Voß in das Sanatorium gerufen wird, um mehrere mysteriöse Mordfälle aufzuklären, ahnt er bereits, dass es dieser Fall in sich hat.

Wie aufwendig war die Produktion?

Es stecken schon viele Stunden Post-Produktion und Schnittzeit in dem Film. So entstanden aus etwa sechs Stunden Drehzeit und rund 18 Stunden Schnittzeit sieben Minuten und 20 Sekunden purer Blockbustergenuss. Crew, Kostüme, Maske und Materialien für die Kulisse mussten an den Drehort transportiert werden. Durch geschickte Kontakte konnten wir uns weitere Technik und nützliche Requisiten, wie zum Beispiel einen Sarg und ein Bestattungsfahrzeug, ausleihen.

Zurück auf die Bühne oder ab nach Hollywood?

Das Kurzfilmprojekt hat eine neue Möglichkeit geboten, unser Hobby trotz der Einschränkungen kreativ auszuleben. Sich mit den Besonderheiten der Filmproduktion und der Schauspielerei vor einer Kamera auseinandersetzen war eine spannende Abwechslung und hat uns allen sehr viel Spaß gemacht. Es war toll Technik zu verwenden, die bisher auf der Bühne keine Rolle gespielt hat: So kam im Kurzfilm sogar eine Drohne zum Einsatz. Da Treffen und Proben inzwischen wieder erlaubt sind, werden wir uns aber bald wieder als Theatergruppe treffen, um wieder gemeinsam zu spielen. An den Plänen zur Inszenierung des Stückes "Die Physiker", für das der Film eine Art Einleitung darstellt, feilen wir bereits…
  • Was: Veröffentlichung des Kurzfilms "Mord im Sanatorium" der Theater AG der RFGS
  • Wann: Samstag, 12. September, 18 Uhr