Spendenaktion

Die XXL-Halfpipe in Freiburg-Landwasser ist in einem traurigen Zustand

Anja Bochtler

Die Halfpipe am Nordufer des Freiburger Moosweihers ist spektakulär, aber alt und marode. Der Förderverein braucht noch rund 10.000 Euro für die Sanierung.

Dass Matthias Wattinger (33) auf der Halfpipe am Moosweiher für die BZ-Fotos nochmal richtig losgelegt hat, war eine Ausnahme: Er hat dabei gut aufgepasst, denn er kennt die Gefahrenquellen genau. Das Holz unter der Skatefläche ist morsch, die Schrauben der einzelnen Platten sind locker und rutschen heraus. Deshalb birgt die Halfpipe viele Risiken und ist nicht mehr benutzbar. Der Förderverein Halfpipe, dessen Vorsitzender Matthias Wattinger ist, will sie sanieren. Das kostet rund 25.000 Euro – derzeit fehlen noch 10.000 Euro.

Es ist sehr ruhig geworden um die Halfpipe. Meist liege sie verlassen da, sagt Matthias Wattinger. Bei den Kindern und Jugendlichen, die sich hier früher ausprobiert haben, habe es sich herumgesprochen, dass sie nicht mehr genutzt werden sollte, und auch im Internet weist der Förderverein darauf hin.

Das Holz unter den Stahlplatten ist inzwischen völlig morsch

Schon als Matthias Wattinger die Anlage vor drei Jahren kennengelernt hat, sei sie problematisch gewesen, erinnert er sich: Auch damals habe sich ab und zu eine Schraube gelockert. Inzwischen seien die gesamten Übergänge an den Stahlplatten, aus denen die Skatefläche besteht, wacklig. Das Holz unter den Platten sei immer wieder notdürftig geflickt worden, doch mittlerweile sei es völlig morsch. Das zeigt er im Untergrund der Anlage, der durch eine Seitentür zugänglich ist. Der schlechte Zustand der Halfpipe ist keineswegs erstaunlich: Sie ist sehr alt. 1997 war alles losgegangen, mit einem privaten Betreiber in einer Skatehalle. Als er bald danach aufgab, taten sich Eltern und Jugendliche im Förderverein Halfpipe zusammen und übernahmen die Halfpipe. Die Stadtverwaltung stellte das Gelände am Nordufer des Moosweihers zur Verfügung.

Anlage hatte schnell ein großes Einzugsgebiet

Im Lauf der Jahre und Jahrzehnte habe sich die Anlage weit über Landwasser hinaus einen Namen gemacht, sagt Matthias Wattinger: Die Skater kamen nicht nur aus dem Stadtteil und der Umgebung, sondern – speziell bei Wettbewerben wie dem Hot La-Wa-Contest – unter anderem auch aus dem Elsass, der Schweiz oder anderen Städten Baden-Württembergs. Lange Zeit galt sie auch wegen ihrer vertikalen Flächen als etwas Besonderes: Sie ermöglichten, was bei den Skatern "Vertskating" genannt wird. Genau das ist nun besonders gefährlich geworden, denn an den steilen Stellen sind die Schrauben noch lockerer als an den Platten im Flachen, deren Holz-Untergrund in den vergangenen Jahren eher ausgebessert wurde. Matthias Wattinger und die anderen Mitglieder des Fördervereins – insgesamt 70, etwa zehn sind aktiv – bedauern den trostlosen Zustand der Halfpipe sehr. Matthias Wattinger bezeichnet sich als "leidenschaftlichen Skater". Schon als Zwei- oder Dreijähriger habe er begonnen, die Größeren nachzuahmen, erzählt er. Als er vor drei Jahren zum Verein stieß, sei er "mit offenen Armen empfangen" worden. Er ist Schweizer und kam in die Region, weil er eine Mainzerin geheiratet hat, die in Freiburg studiert. Zurzeit ist er Hausmann und für die zwei Kinder des Paars zuständig, die Familie lebt in Gottenheim.

Inzwischen gab es bereits einige größere Spenden

Zusammen mit den anderen vom Förderverein engagiert er sich seit Monaten für eine grundlegende Sanierung der Halfpipe. Dabei wollen etliche Mitglieder auch selbst mitanpacken – sie hoffen, dass die Sanierung im September stattfinden kann, wenn sie Zeit haben, zu helfen. Die Kosten, unter anderem für neues Holz, neue Fahrbeläge und einen Spezialisten, der die Vereinsmitglieder beim Arbeiten anleitet, liegen bei rund 25 000 Euro, sagt Matthias Wattinger. Immerhin 15 000 Euro sind an Spenden zusammengekommen. Zwischendrin hatte sich die AfD-Fraktion eingeschaltet, die im Gemeinderat eine Förderung anregen wollte. Das sei dem Förderverein unangenehm gewesen, sagt Matthias Wattinger: "Wir haben uns distanziert, indem wir einen "No racism"-Aufruf (gegen Rassismus) gepostet haben." Der Oberbürgermeister Martin Horn habe versprochen, sich um andere Unterstützungswege zu kümmern. Unter anderem hätten daraufhin die Fensterbau GmbH Bernd Veeser 4500 Euro und der Immobilienkonzern Vonovia 3000 Euro gespendet. Doch nun rückt der September näher, bald soll die Sanierung starten – und es fehlen noch 10 000 Euro.

Inzwischen fallen dem Verein keine neuen Ansprechpartner für Spenden mehr ein. Klar sei: "Wir müssen die Skateanlage erhalten", sagt Matthias Wattinger. Auch unabhängig von ihrer überregionalen Bedeutung sei sie wichtig für Landwasser, wo es wenig Angebote für Kinder und Jugendliche gebe. Die Skater böten eine internationale Gemeinschaft: "Die Hintergründe, das Alter und die Nationalität spielen bei uns keine Rolle."

Der Förderverein Halfpipe sammelt Spenden für die Sanierung. Infos unter: mehr.bz/halfpipe-spenden21