Schrottplatz oder neue Heimat?

Die Freiburger VAG gibt alte Straßenbahnen ab – nur in gute Hände

Simone Höhl

Wenn die Freiburger Verkehrs-AG demnächst vier alte Straßenbahnen ausrangiert, muss man die dann wirklich verschrotten? Nein: Die VAG würde sie auch abgegeben – günstig zum Schrottpreis.

Die Frage kam im Aufsichtsrat des städtischen Unternehmens auf, als es um das Ende des Hochflurzeitalters ging: Die neuen Straßenbahnen des Typs Urbos werden nun eine nach der anderen geliefert; im Frühjahr soll die erste mit Passagieren fahren. Die modernen Trams ersetzen die ältesten Modelle, in die Fahrgäste der VAG noch einsteigen können – wobei die Betonung auf "steigen" liegt: Der Tramtyp GT8K (das Kürzel steht für Gelenktriebwagen mit acht Achsen) aus den frühen 80er Jahren hat steile Treppen an allen Ein- und Ausstiegen und kein Niederflurabteil – ein Problem für alle Fahrgäste mit Kinderwagen, Rollstuhl und Rollator.

Die VAG hatte angekündigt, einen GT8K als eiserne Reserve zu behalten und vier zu verschrotten. Im Aufsichtsrat entspann sich eine Debatte. Früher hat die VAG schon mal Straßenbahnen an ein anderes Verkehrsunternehmen verkauft.

Die Fahrzeuge dürfen nicht mehr fahren

Das ginge diesmal nicht: "Wenn wir die vier Fahrzeuge abgeben, dürfen sie nicht mehr fahren", erklärte VAG-Sprecher Andreas Hildebrandt am Montag auf BZ-Anfrage. Denn für die neuen Urbosse gibt es Fördergeld, und die Richtlinien dazu schreiben fest: "Alle Fahrzeuge, die nicht mehr dem Stand der Technik entsprechen, müssen aus dem Verkehr gezogen werden", so Hildebrandt. Doch Straßenbahnen werden auch für andere Zwecke verwendet. Auf dem Prager Wenzelsplatz zum Beispiel wird eine historische Straßenbahn als Café genutzt.

Wenn man eine alte Tram der VAG haben will, was müsste man mitbringen – einen Tieflader? Und wie viel Geld? Oder ist das Unternehmen froh, wenn es sich die Verschrottung sparen kann? "Die Fragen stellen sich uns natürlich auch, wir sind dabei, das zu prüfen", sagte der Sprecher der VAG. Die vermutet, dass der Schrottwert nicht sehr hoch ist. Und sie hatte schon vor der Aufsichtsratssitzung eine Anfrage von einem Interessenten.
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Es gibt übrigens schon eine GT8K-Bahn, die die VAG zum Verschrotten ausgemustert hat, die dann aber eine neue Verwendung fand. Die Tram mit der Ganter-Werbung steht vor der Halle von Elektro Glockner im neuen Gewerbegebiet von Bad Krozingen – besser gesagt: der vordere Teil.

Eine Tanz-Stange ist noch drin

"Das war halt schad’, dass die verschrottet werden soll, und wir haben eine Bauhütte gebraucht", erklärt Christian Glockner. Da hat sein Bruder die Tram vom Schrott gekauft, ein Einverständnis der VAG habe es gegeben. Die Bauwagen-Straßenbahn hat für Sympathien und Witze gesorgt, jetzt würden bald Schienen nach Bad Krozingen verlegt. Sie blieb stehen, auch nachdem die Elektrofirma ihr neues Außenlager fertiggebaut hatte.

Ein Kühlschrank steht drin, und man kann auch mal eine Party feiern: "Eine Stange gibt’s noch", scherzt Christian Glockner. Der Bad Krozinger weiß noch, wie der Kauf vonstattenging: Die Tram wurde gewogen und der Schrottpreis gegengerechnet – soweit er sich erinnert, waren es um die 1500 Euro.