Kulturwirtschaft

Die Firma Tecstage hat eine Übe-Bühne für die Veranstaltungstechnik-Azubis

Christian Engel

Wegen der Coronaflaute konnten die Auszubildenden des Freiburger Bühnenbauers Tecstage ihren Beruf nicht unter Livebedingungen erlernen. Dann hatte die Geschäftsführung eine Idee.

"Unsere vier Azubis haben während der Pandemie kaum praktische Erfahrung sammeln können – keine Bühne aufgebaut, kein Mischpult bedient, keine Lichtershow konzipiert", sagt Geschäftsführer Markus Müller. Deshalb gibt es nun die Freispielrampe. Im Mai bauten die drei Veranstaltungstechnikerinnen und -techniker zwei Wochen lang eine Bühne und eine Tribüne, die in normalen Zeiten 500 Menschen Platz böte, im Firmenhof vor der Warenannahme auf. Damit Zuschauer da auch wirklich zugelassen werden, telefonierte die Auszubildende Celine Feillais mit Ämtern, erstellte Hygienekonzepte, regelte Ausschankgenehmigungen. Was sie normalerweise in großem Stil macht, machte sie jetzt im kleinen, dafür aber im umso komplizierteren. Denn im Corona-Mai war noch längst nicht klar, was wann geht. Also dachte die 22-Jährige stets Plan B, C und D mit.

Mit Abstand hätten nun 258 Besucher auf der Tribüne Platz, vergangenen Samstag sitzen 80 Besucher dort, paarweise, mit Abstand. Die Stühle der Paare (aus maximal zwei Haushalten) stehen festgenietet einen halben Meter auseinander, der Abstand von den anderen Sitzen liegt bei mindestens 1,5 Metern. Getränke, von der Brauerei Ganter gesponsert, stehen in Kühltaschen an jedem Tisch – bloß keinen Kontakt zwischen den Gästen. Bis auf ein wenig illegalen Tauschhandel ("Hast du mir ein Pils für ein Radler?") klappt das auch bestens.

Je später der Abend, desto besser die Stimmung

Als die Nacht hereinbricht, brechen alle Dämme: Bis dahin haben es die Konzertbesucher geschafft, brav auf ihren Stühlen sitzen zu bleiben und einfach nur mitzusingen. Jetzt aber, als leere Bierflaschen die Tische zieren und der betörende Duft der Nebelmaschine auch den letzten Besucher erreicht und erheitert hat, stehen sie an ihren Plätzen – und tanzen.

Endlich wieder ein Live-Konzert! Das denken sich nicht nur die Zuschauer auf der Tribüne, sondern auch die Bandmitglieder von Prof. Alban und die Heimleuchter. Dann legt die Partycoverband mit ihrem wilden Musikmix los: mal Fasnachtshits, mal Mambo, mal Rock ’n’ Roll, mal Kuschelpop.

"Endlich wieder ein Live-Konzert", denkt auch Geschäftsführer Markus Müller. Schließlich leben er und seine elf Mitarbeiter von Konzerten auf dem Zelt-Musik-Festival, von Galanächten des Sports, von Messeveranstaltungen. "Eine Million Euro Umsatz fehlt durch Corona", sagt Markus Müller. Wie das aktuelle Jahr weitergeht, fragt auch er sich.

Das von den Azubis organisierte Konzert, die aufgebaute Freispielrampe, der wummernde Bass, die Live-Musik von vergangenem Samstag – "all das", sagt Markus Müller, "hat uns einen richtigen Schub gegeben." Der 39-Jährige zahlt nach eigenen Aussagen bei diesem Projekt eher drauf, bestenfalls bekommt er die Kosten gedeckt. Viel wichtiger ist ihm, dass seine Azubis Erfahrungen sammeln. Das können sie noch ein paar Wochen in der eigenen Arena tun. Und irgendwann darf es für sie und uns gerne wieder rausgehen in die Welt.

Tecstage, Stübeweg 53a, weitere Konzerte: 16. Juli, Michael Oertel & Matt Woosey, 17. Juli Fireworks of Rock, 22. bis 25. Juli ZMF-Reihe. Alle Infos http://www.freispielrampe.de


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