fudder-Interview

Der Jazzchor Freiburg singt am Sonntag live aus dem Jazzhaus

Andreas Woitzik

Der Jazzchor ist eine Institution in der Freiburger Chorszene. 2020 wurde er 30 Jahre alt. Nicht mitbekommen? Ist auch schwer während Corona. Wir fragen David Brooke, Geschäftsführer des Jazzchors, was der Chor in diesen Zeiten macht. Spoiler: Ein Musikvideo.

David, vergangenes Jahr wurde der Jazzchor 30 Jahre alt. Geplant war ein großes Konzert zusammen mit den New York Voices, das wegen der Pandemie abgesagt werden musste, was habt Ihr stattdessen gemacht?

David: Der Jazzchor versucht so aktiv wie möglich zu bleiben. Wir haben unsere wöchentlichen Proben auf Zoom verlegt. Nach dem ersten Lockdown haben wir versucht, so schnell wie möglich wieder zusammenzukommen, in einer Art und Weise, wie es die Corona-Verordnungen erlaubten. Vergangenes Jahr konnten wir im September und Oktober noch vier Auftritte geben, einen sogar in Österreich.

Wie funktionierte so ein Konzert und wann funktionierte es nicht mehr?

Mit Abstand, wir haben dafür extra Konzepte entwickelt. Doch die Corona-Zahlen stiegen im Spätherbst leider immer weiter und bald war nicht mehr an Konzerte zu denken. Dann war es an der Zeit kreativ zu werden und nicht die Köpfe in den Sand zu stecken. Der Jazzchor hatte noch die ein oder andere Idee, zu deren Umsetzung im Proben- und Konzertalltag kaum Zeit blieb. Eines davon war ein Musikvideo, das wir schon länger drehen wollten.

"Jóga" vom Jazzchor Freiburg


Klingt nicht nach alltäglicher Arbeit für einen Chor. Woher hattet Ihr die Expertise dafür?

Vieles davon war selfmade, wir hatten noch Kontakt zu unserem ehemaligen Tontechniker von einer Chinatour, Matthias Klingner, der sich netterweise dazu bereit erklärt hatte, das Projekt mit uns anzugehen. Wir haben uns sehr viele Bälle hin und her gespielt. Ich übernahm die Projektleitung und das Drehbuch, Matthias kümmerte sich um die Technik, die Aufnahmen und den Schnitt im Anschluss.

Was ist das für ein Video?

Der Song stammt von der isländischen Sängerin Björk Guðmundsdóttir. Jeder einzelne Sänger steht für eine andere Emotion. Am Ende tritt der Chor gezeichnet von den Strapazen gestärkt aus der emotionalen Krise hervor. Mit etwas Pathos könnte man das natürlich auch auf den Jazzchor in Corona-Zeiten übertragen. Gedreht wurde im Jazzhaus, durch die Kelleratmosphäre eignet sich der Ort perfekt, um den unterbewussten Emotionen einen Ort zu geben.

Wie geht es jetzt mit dem Video und dem Jazzchor weiter?

Das Video haben wir für verschiedene Wettbewerbe in Berlin, London und in L.A. angemeldet. Wir hoffen, dass wir damit eine Nominierung erreichen. Für den Jazzchor ist der Winterschlaf vorbei. Nach einigen Verhandlungen wegen der Hygiene-Bestimmungen mit der Stadt können wir nun am 14. März ein Konzert live aus dem Jazzhaus streamen.
Dem Konzert blicken wir nach vier Monaten digitaler Proben mit einer Mischung aus Respekt und großer Vorfreude entgegen, wie es einer unserer Sänger auf den Punkt brachte. Selbstverständlich werden alle Beteiligten vorher getestet und müssen sich an ein strenges Hygiene-Konzept halten. Das Konzert läuft auf Spendenbasis, wir hoffen natürlich auf gute Resonanz.

Das hört sich so an, als wäre der Jazzchor bereit für die Post-Corona-Zeit. Was wurde aus Eurem Jubiläum?

Letztes Jahr wurden wir mit dem Jazzchor 30. Unser großes Konzert zusammen mit den New York Voices mussten wir leider absagen. Doch wir haben mit dem 3. Oktober 2021 einen Nachholtermin gefunden und hoffen auf eine niedrige Inzidenz, damit die Sehnsucht nach Konzerten, sowohl von Künstler- als auch von Zuhörerseite wieder etwas gestillt werden kann.
  • Jazzchor Freiburg: Web

Was: Konzert des Jazzchor Freiburg
Wann: Sonntag, 14. März, 20 Uhr
Wo: Live aus dem Jazzhaus Freiburg, digital über infreiburgzuhause.de