Das "Essbare Rieselfeld": Urban Gardening in Freiburg

Inka Rupp

"Essbares Rieselfeld" – das klingt nach Häusern aus Lebkuchen und Willi Wonka. Gemeint ist jedoch etwas völlig anderes: Inmitten des Stadtteils liegt ein Obst- und Gemüsegarten, in dem jeder kostenlos pflanzen und ernten kann. Ein Fleckchen Selbstversorgertum fernab der Supermärkte:



Die Idee

Eine englische Kleinstadt mit dem unheimlichen Namen Todmorden. Hier entstand im Jahr 2008 die Bewegung „Incredible Edible“, was so viel bedeutet wie „unglaublich essbar.“ Den Bürgern Todmordens ist es gelungen, ihre Stadt gänzlich durch Urban Gardening, das heißt das Anbauen von Obst- und Gemüse in der Stadt, zu versorgen. Die Idee verbreitete sich rasch und erreichte schließlich auch Freiburg. Klaus Kempff und Geneviève Zuber gründeten 2013 die Initiative „Essbares Rieselfeld“ und legten so den Grundstein für einen blühenden Obst- und Gemüsegarten nach dem Selbstbedienungsprinzip.

Das Projekt

Momentan besteht die Gruppe um das „Essbare Rieselfeld“ aus 20-30 Personen: Kinder kommen mit ihrer Klasse auf das Gelände, Familien legen Beete an, Rieselfelder kurdischer und französischer Abstammung helfen mit. „Wir sind eine heterogene Gruppe“, meint Klaus Kempff (80) mit einem Lächeln. So verschieden wie die Teilnehmer sind auch die Motive, im Garten mitzuhelfen: „Alle gehen mit verschiedenen Vorstellungen an das Projekt heran“, erzählt Klaus, „Die einen wollen Kindern zeigen wie Salat wächst, die anderen sehen das Projekt politisch, es gibt die Anarchisten und die Gartenplaner.“

Angesichts dieser Vielfalt an Motiven, kann es schon mal zu Meinungsverschiedenheiten zwischen den Gärtnern kommen, aber im Großen und Ganzen kommt man sich nicht in die Quere. Klaus beschreibt die Atmosphäre im Rieselfelder Garten als „locker und unverbindlich“: Jeder hat sein eigenes Beet und kann dort anpflanzen, was er möchte. Es gibt keinen festen Wochentag, an dem die Gärtner sich treffen – jeder kommt, wenn er Lust und Zeit hat.

Ziel des Projekts ist unter anderem, wieder ein Bewusstsein für den natürlichen Kreislauf der Natur zu bekommen. „Tomaten kann man den ganzen Winter über kaufen – so ein Quatsch“, sagt Klaus entrüstet und spricht sich für eine Gartenkultur jenseits von Profitorientierung und Massenware aus.
Wichtig ist, dass das Gemüse und Obst aus dem Gemeinschaftsgarten nicht verkauft wird, sondern allen Vorbeikommenden frei zur Verfügung steht. Dabei sollte jeder darauf achten, noch etwas für andere übrigzulassen.

Der Garten

Das Gelände des „Essbaren Rieselfelds“ ist 200qm groß und liegt neben dem Kepler-Gymnasium. Im Garten gibt es Beete auf denen Erdbeeren, Johannisbeeren, Salat, Kartoffeln, Mangold, Kohlrabi, Lauch und Karotten wachsen. Die Stadt hat Obstbäume gespendet, es gibt eine Kräuterspirale, Hochbeete, einen Kompost und seit kurzem auch eine selbstgezimmerte Sitzecke. Wasser beziehen die Gärtner vom nahen Bach und der Kompost wird mit Essensabfällen aus der Küche des Gemeindehauses befüllt.

Wie kann man mitmachen?

Beim „Essbaren Rieselfeld“ ist jeder willkommen und im Garten ist noch genügend Platz für weitere Beete. „Man braucht keine besonderen gärtnerischen Vorkenntnisse, es geht darum, auszuprobieren und Erfahrungen zu sammeln“, erklärt Klaus. Wer Lust hat, mitzumachen, kann mit Klaus Kempff oder einem der anderen Mitglieder des „Essbaren Rieselfelds“ Kontakt aufnehmen.
Kein Rieselfelder? Urban-Gardening-Projekte gibt es in ganz Freiburg. Auf der Seite Transition Town Freiburg findet ihr eine Übersicht der Gemeinschaftsgärten in den verschiedenen Stadtvierteln.  

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