Freiburg

Das Carl-Schurz-Haus produziert einen eigenen Podcast

David Pister

Der transatlantische Podcast – so stellt das Carl-Schurz-Haus in Freiburg seinen Podcast "Carl and Company" vor. Moderator René Freudenthal lädt amerikanische und deutsche Gäste ein, um über Gesellschaft, Literatur im Spannungsfeld USA und Deutschland zu sprechen.

"Wie alles, begann es mit Corona", sagt René Freudenthal lachend. Die Pandemie habe dem Carl-Schurz-Haus zu Schaffen gemacht. Zusätzlich zu Veranstaltungsverboten, kämpft das Deutsch-Amerikanische Institut in Freiburg – teilweise noch immer – mit Reisebeschränkungen. Naturgemäß kommen die meisten kulturvermittelnden Gäste des Instituts aus Amerika. Im Klartext: "Wir müssen die irgendwie über den Teich holen."

Da dies zeitweise schlicht unmöglich war, schaffte die Online-Veranstaltungsreihe "Transatlantic Tuesdays" Abhilfe. Regelmäßig ausgerichtete Diskussionsrunden zu transatlantischen Themen. Inspiriert durch Gäste wie Tom Holland, einem englischen Historiker, der einen Podcast produziert, kommt René Freudenthal – absoluter Podcastjunkie – auf die Idee, selbst einen Podcast zu gestalten.

Zwei Gespräche, zwei Sprachen

Die Idee zu "Carl & Company" entsteht: ein Podcast für alle, die großes Interesse für das Land der unbegrenzten Möglichkeiten auszeichnet. Die Folgen des intellektuellen, bewusstseinserweiternden Podcasts sind zweigeteilt: Moderator René Freudenthal führt zwei Gespräche zu einem möglichst aktuellen Thema. Das erste auf Englisch mit einer fachkundigen Person aus Amerika, die literarisch, künstlerisch oder anderweitig bewandert ist und das zweite Gespräch auf Deutsch mit einer sachverständigen Person vor Ort.

Thematisch bedient der Podcast ein Nischenpublikum, lässt sich allerdings schwer einordnen: irgendwo zwischen erkenntnisreich, transzendent und unterhaltsam. Kulturelle und politische Querverweise mischen sich mit den persönlichen Erfahrungen der Gäste. Teilweise entstehen ungeahnte Perspektiven auf die USA.

Kritische Sicht auf amerikanische Außenpolitik

Wie in der ersten Folge: Zu Gast ist Suzy Hansen – Pulitzerpreisfinalistin, Reporterin des New York Time Magazin und Außenkorrespondentin in Istanbul. Ihr Debüt "Notes on a Foreign Country" diskutiert die Auswirkungen amerikanischer Macht aus der Außenperspektive. "Suzy Hansen war schon immer ein Wunschgast. Ihr Buch hat mich geprägt und meine Arbeit bereichert", sagt der 35-jährige Moderator. Das Gespräch eröffnet eine kritische, aber reflektierte Sichtweise auf amerikanische Außenpolitik, unter Einbezug aktueller Themen, wie dem Abzug der US-Truppen aus Afghanistan. Suzy Hansen war in vielen Ländern, wie Afghanistan, der Türkei und Irak vor Ort, um sich dort selbst ein Bild vom Einfluss der USA zu machen. Diese politisch-persönlichen Verflechtungen machen die besondere Dynamik des Podcasts aus.

"Podcasts gibt es wie Sand am Meer. Wir wollen einen Podcast produzieren, der einen ganz bestimmten Sektor bedient." Die größte Herausforderung war laut dem 35-Jährigen nicht die Moderation oder Thematik, sondern die Technik verbunden mit der Gage der Gäste. "Die Gäste bekommen ein Honorar. Das erhöht den Druck, etwas auf der Speicherkarte zu haben. Man fragt sich: Kommt das, was ich gerade produziert habe auch heile durch die verschiedenen Schritte bis zur Veröffentlichung?" In diesem Fall ist die Sorge unberechtigt: Klar verständlich, eingeleitet und ausgeblendet mit melodischem Gitarrenzupfen, landen die Folgen auf Spotify, Apple Podcasts, Google Podcasts sowie vielen weiteren Podcast-Plattformen.

Es gibt schon zwei Folgen

Zwei Folgen des kostenfreien Podcasts sind bisher veröffentlicht. Das Publikum bestehe aus jungen Menschen beiderlei Geschlechts und älteren Personen, besonders Frauen, die überwiegend in Freiburg wohnen. Die deutsche Perspektive wurde bisher von Hanna Langreder und Uta-Beate Schroeder vertreten – zwei Kolleginnen aus dem Carl-Schurz-Haus. Hanna Langreder wirkt weiter an der Produktion der Folgen mit. Uta-Beate Schroeder wurde für die zweite Folge mit Autor Christopher Castellani ausgesucht, da sie einst – wie er – im italienischen Viertel in Boston lebte.

Ausgelöst durch allgemeine Reiselust, befasst sich die zweite Folge mit Italien, dem ultimativen Sehnsuchtsort. Dabei gehen die Diskussionsteilnehmenden nicht nur auf das Italien ein, das man von Postkarten kennt, sondern dekonstruieren das romantische Italien und stellen ein raues, ehrliches Bild des Landes her. Kulturdifferenzen zwischen Italien, der USA und Deutschland werden herausgearbeitet und einige Literaturtipps von, über und aus Italien preisgegeben.

Die nächste Folge behandelt die Ära Merkel

Die nächste Folge wird am 30. September veröffentlicht. Es fällt also – nicht durch Zufall – auf den Tag, der gemeinhin als "International Podcastday" bekannt ist. Thema, passend zum Ende einer Ära: 16 Jahre Merkel aus amerikanischer Perspektive. Das Gegenstück zu Deborah Cole, Korrespondentin für die Nachrichtenagentur AFP ist – Achtung exklusiver Spoiler! – die Freiburger CDU-Vorsitzende Carolin Jenkner. Linksliberale Amerikanerin trifft auf Parteivertreterin aus Deutschland, fast schade, dass sich die Beiden nicht persönlich treffen. Trotzdem verspricht es eine spannende Folge zu werden.

Absoluter Wunschgast von René Freudenthal ist Joan Didion, die große amerikanische Essayistin. "Das wäre ein absoluter Traum. Allerdings weiß ich nicht, ob ich es überleben würde". Joan Didion sei inzwischen bekannt für ihre furchteinflößenden, entsetzlichen Interviews, die den Interviewern das Mark in den Knochen gefrieren lässt. Da bleibt wohl nichts mehr übrig, als viel Glück bei der Erfüllung dieses Traums zu wünschen. Es ist gut vorstellbar, dass René Freudenthal auch diese Hürde meistern und nach beendetem Gespräch, seine muntere Abschiedsformel "Bis dahin, Goodbye" ins Mikrofon sprechen wird.