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Brezeln zum Geburtstag: Beim SC Freiburg werden nun auch Glückwünsche vermarktet

Eyüp Ertan

Der SC Freiburg hat seinem Spieler Luca Itter am Dienstag auf Twitter gratuliert – mit Werbeeinlage. Bei der durchkommerzialisierten Bundesliga kein Wunder, aber manche Fans stört’s trotzdem.

Wie SC-Profi Luca Itter seinen 22. Geburtstag verbracht hat, ist nicht näher überliefert. Der Linksfuß, der seit seinem Wechsel nach Freiburg im Sommer 2019 laut der Website transfermarkt.de gut eine halbe Stunde Bundesligaluft schnuppern durfte, feierte am Dienstag, 5. Januar, Geburtstag – und wurde dafür von seinem Arbeitgeber, dem Sportclub Freiburg, auf dessen Social-Media-Kanälen mit Glückwünschen bedacht.


So weit so normal, denn: Wie auch bei anderen Vereinen ist es auch beim Sportclub gängige Praxis, den Spielern via Social-Media zu gratulieren. Pikant bei der vereinseigenen Gratulation zu Itters Geburtstag war in diesem Fall aber, dass der Sportclub seinen Beitrag (nur) auf Twitter sponsern ließ – von einem Brezel-Stick-Hersteller. Dementsprechend zugepflastert war das Bild Itters, entsprechende Kommentare ließen nicht lange auf sich warten, ein Kommentator machte aus den Brezeln Bierflaschen und dergleichen.



Manch ein Fan musste (wieder einmal) feststellen, dass die Standhaftigkeit seiner romantischen Fanliebe zum etwas anderen Verein des durchkommerzialisierten Produkts Fußball-Bundesliga auf die Probe gestellt wurde. Denn, so der Tenor der Twitter-Kommentare: Nun werde gar der einzige Berührungspunkt zwischen Verein und Fans durchkommerzialisiert, der Sportclub sei eben "auch nur der Alnatura unter den Profivereinen".

Der Sportclub muss sich auch vermarkten

Der Ärger der Fans ist ein Stück weit nachvollziehbar, insbesondere deshalb, weil in Freiburg die Bundesliga-Uhren in vielerlei Hinsicht eben doch anders ticken als vielleicht in Leipzig, Dortmund oder München. Echte Liebe bedeutet in Freiburg, dass Trainer Christian Streich sein neunjähriges Jubiläum feiert, während andere Bundesligisten im Schnitt vier Trainer pro Saison verpulvern. Manch ein Freiburger Profi fühlt sich derart wohl im Breisgau, dass er in Freiburg sesshaft wird, andere Spieler sind noch tiefer in der Region verwurzelt und kommen gar aus dem Schwarzwald.



Aber: Am Ende des Tages bleibt der Sportclub neben all der Tradition und der Romantik auch nur ein Fußballverein, der schaut, wie er sich am besten vermarkten kann. An vielen Stellen wird das mehr oder weniger deutlich, beispielsweise an der Stadionwerbung, den Werbebanden, die an jedem Spieltag bei den Spielerinterviews hinter den Kickern zu sehen sind, oder aber bei jeglichen Pressekonferenzen – gut neun Werbepartner bekommt man in Freiburg bei jeder PK unter.

Und bei all dem Bohei um Kommerz und Brezel-Sticks geht doch auch ein wenig unter, wie es dem Geburtstagskind selbst gehen muss. Schließlich wurde ja sein Konterfei mit Brezeln zugepflastert.