fudder-Interview

Bike Bridge will Treffen mit einem mobilen Café ermöglichen

Anika Maldacker

Wie schafft es ein Verein wie Bike Bridge aus Freiburg, der auf Begegnung und Austausch setzt, durch die Pandemie? Mit neuen Konzepten und Hygieneregeln. Clara Speidel berichtet vom neusten Projekt Bike Café.

Was steckt hinter der Idee des Bike Café?

Clara Speidel: Mit dem Projekt wollen wir in erster Linie einen Begegnungsort schaffen. Wir möchten Menschen zusammenbringen und vernetzen, die sich gegenseitig unterstützen und voneinander lernen möchten: gemeinsam Sport machen, Sprachen lernen, Geschichten erzählen und viel mehr. Alle Teilnehmer*innen sind bei unseren Events dazu eingeladen aktiv mitzugestalten & ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten einzubringen. Dafür fahren wir mit einem Fahrrad mit Anhänger in Freiburger Stadtteile um dort bei Kaffee und Kuchen Gespräche zu ermöglichen. Für unsere Hauptzielgruppe, Frauen mit Flucht- und Migrationsgeschichte, wird es auch Fortbildungen und Workshops geben, zum Beispiel Baristaschulungen, um ihnen den Berufseinstieg zu erleichtern. Die Veranstaltungen werden zusammen mit den Frauen konzipiert und organisiert. Den Fahrradanhänger baut übrigens die gemeinnützige Schreinerwerkstatt [p3].

Wie soll das Bike Café ganz konkret genutzt werden?

Nadima und ich betreuen das Projekt bisher im Tandem. Wir suchen Frauen, die Lust haben, mitzumachen und im Team aktiv zu werden. Den Wagen leihen wir, bis unserer fertig ist, von P3 oder dem Verein Zusammen leben und befördern ihn mit dem Fahrrad in die Stadt. Das kann überall sein. Beim Treffen soll alles kostenlos sein. Im Vordergrund soll stehen, dass wir miteinander genießen und voneinander lernen können. Einen Teil haben wir schon finanziert, für den Rest haben wir eine Crowdfunding-Kampagne gestartet und nehmen auch am Contest der Hertie-Stiftung teil. Dabei geht es darum, dass 45 Projekte jeweils 10.000 Euro über eine Crowdfunding-Kampagne sammeln. Die 20 Projekte, die am Ende die meisten Unterstützer*innen haben – nicht die höchste Spendensumme – bekommen noch eine finanzielle Unterstützung der Hertie-Stiftung. Darüber würden wir uns riesig freuen.
Bike Bridge

Den Verein Bike Bridge gibt es seit 2016 in Freiburg. Die Idee dahinter ist, Frauen mit Flucht- und Migrationserfahrung Radfahren beizubringen und dabei deren Integration und Selbstständigkeit zu fördern. Inzwischen gibt es das Projekt auch in anderen Städten Deutschlands.
Bike Bridge: Website
Bike Café: Crowdfunding

Ihr habt im vergangenen Jahr ein neues Projekt gestartet, bei dem Ehrenamtliche ältere Menschen, die eingeschränkt mobil sind, mit Rikschas spazierenfahren. Wie läuft das Projekt?

Das ist sehr gut angelaufen, auch wenn wir nicht im vergangenen Frühjahr mit den ersten Fahrten angefahren haben, sondern coronadingt erst im August. Wir haben ein Hygienekonzept entwickelt und die Sitzbereiche für die Senior*innen mit Folie geschützt. Die Fahrer*innen tragen Maske beim Ein- und Aussteigen. Das funktioniert alles gewissermaßen kontaktlos. Die Fahrer*innen werden teils getestet. Die Zielgruppe ist zwar gefährdert, aber in der Regeln inzwischen vollständig geimpft. Man merkt allerdings, dass es gerade für sie wichtiger denn je ist, mal raus zu kommen. Als Fahrer*in kann jeder mitmachen. Bisher machen rund 25 ganz verschiedene Leute mit, von der jungen Studentin bis zum Rentner, der gerne Rad fährt. Gestern habe ich bei einer der Fahrten mitgemacht und das Interesse im Pflegeheim war riesig. Wir sind dann zu den alten Wohnhäusern der Senior*innen gefahren und sie haben von damals erzählt. Das war spannend.

Wie oft wird das Rikscha-Angebot bisher genutzt?

Die Anfragen kommen meistens von Pflegeheimen, aber wir freuen uns auch über Anfragen von Privatleuten. Die freuen sich auch über einen Tapetenwechsel. In der Regeln machen wir bei den Pflegeheimen einmal pro Woche zwei oder drei Fahrten hintereinander. Die Fahrten sind kostenlos und es gibt Eis- oder Kaffee-Gutscheine für die Beteiligten, damit auch ein Kennenlernen möglich ist. Wichtig ist aber: Wir sind kein Taxidienst.

Wie hat Corona eure Arbeit im Allgemeinen verändert?

Es ist natürlich schwieriger geworden, beispielsweise unser Fahrradangebot für Frauen. Derzeit haben wir wieder viele Anfragen von Frauen, die Radfahren lernen wollen oder als Trainerin dabei sein wollen. Im Herbst hatten wir Fahrradangebote in Kleingruppen. Da haben wir gemerkt, wie wichtig es ist, sich auszutauschen, denn die Frauen hatten auch viele andere Themen, über die sie sprechen wollten. Der Bedarf nach Begegnung war groß.