Besuch beim Herrn der Spiele

Maik Frantsche

Stephan Schmidt (Foto links) besitzt etwa 800 Brett- Karten- und Würfelspiele. Einmal im Jahr, am ersten Dezemberwochenende, lädt er seine Freunde zu einem großen Spielefest nach Freiburg-St. Georgen ein, von Freitagabend bis Sonntag. Maik war dabei.



Würfeln bis Sonnenaufgang

Seit 15 Jahren findet jedes erste Dezemberwochenende das „Spielefest“ in einer gemütlichen Vier-Zimmerwohnung in St. Georgen statt. Gespielt wird an insgesamt sechs Tischen, wenn es eng wird notfalls auch im Kinderzimmer auf dem Boden. Stephan Schmidt lädt zusammen mit seiner Frau etliche Freunde, Bekannte, Verwandte und Nachbarn ein, so dass sich ihre Wohnung schnell mit Stimmenwirrwarr füllt. Überall wuselt es.

Ein großer Unterschied zu gewöhnlichen Spieleabenden ist seine Dauer: Startschuss ist Freitagabend – Ende, wenn der letzte Gast am Sonntag die Wohnung verlässt. Die zweite Besonderheit ist die gigantische Spieleauswahl bei Schmidts zuhause. Spielt man üblicherweise Partyspiele wie Tabu, Ligretto oder Abendfüller wie Risiko und Siedler, so wählt man hier zwischen ungefähr 500 und 600 verschiedenen Brettspielen und trifft sich in immer wieder neu zusammengewürfelten Spielgruppen. Langeweile entsteht höchstens "beim Lesen umständlicher Spielanleitungen“, so Schmidt.

Kartons ohne Ende

„Gespielt wird prinzipiell alles, wann und mit wem man gerade Lust hat“, erklärt er. Sobald man die Wohnung der Schmidts betritt, steht man im lang gezogenen Flur vor dem prall gefüllten Regal voller bunter Kartons. „Die sind nur ein kleiner Auszug“. Laut Schmidt’s Liste sind es momentan zirka 870 Spiele, wenn man allerdings alle Ergänzungen und Erweiterungen abzieht, kommt man auf etwa 750 bis 800 verschiedene Brett-, Karten- und Würfelspiele.

Ein Großteil seiner Spiele ist im schmalen Flur und in einem geräumigen Schrank im Keller untergebracht. Viele Schachteln mussten aus Platzgründen bereits nach Lörrach auf den Speicher seiner Eltern evakuiert werden.

Ein paar seiner Gäste bringen zu allem Überfluss auch noch eigene Spiele zum Fest mit. Viele von ihnen sind Mitglieder des Freiburger Spielekreises. Jeden Donnerstag treffen sie sich um 20 Uhr im Sportpark der Freiburger Turnerschaft an der Schwarzwaldstraße. Neue Mitspieler sind dort herzlich willkommen.



Vom Wert eines Spiels

Als Student begann Schmidt, Spiele bewusst zu kaufen, obschon er sich selbst nicht als „Spielesammler“ sieht. Irgendwann wurde das Interesse an Gesellschaftsspielen größer. Für einen Großteil seiner Spiele hat er nicht den regulären Preis gezahlt. Eher zufällig entdeckt er immer wieder Spiele in Geschäften, die aus irgendwelchen Gründen (Auslaufmodel, Sonderaktion, Spezialangebot) günstiger sind. Dann schlägt er zu. Auch bei Ebay.

Bei vielen seiner Spiele erinnert sich Schmidt sogar noch, wann und wo er sie erstanden hat. Seine wertvollsten Spiele? "Die, die am meisten Spaß machen und die, die man immer wieder spielen kann, ohne, dass Langeweile entsteht. Je beliebter ein Spiel, desto wertvoller. Klar werden die Erstauflagen teurer gehandelt und nur wenige Spiele, abgesehen von den alten und neuen Klassikern, erhalten eine echte Neuauflage.“

Wie hoch der materielle Wert eines Spiels ist, erkennt man bei Ebay. „Ältere Spiele wie Ave Cäsar und Big Boss haben damals um die 30 Mark gekostet.  Diese Woche wurde Big Boss zwischen 100 und 150 Euro gehandelt.“



Aufstieg kleiner Verlage

Gab es vor 20 Jahren fünf bis sechs größere Traditionsverlage, schaffen es heute immer mehr Kleinverlage, gute und hochwertige Produkte auf den Markt zu bringen. „Im Vergleich zu früher gibt es viel weniger Flops, weil man damals viel zu schnell Spiele in den Handel geschossen hat, bei denen zum Beispiel das Spielmaterial überhaupt nicht funktioniert hatte. Vermutlich gab es eine gute Idee, die man aber leider oft viel zu schnell umgesetzt hat, ohne die Idee reifen zu lassen. Ich glaube, dass die Spielentwicklung eines guten Produktes länger dauert und dass sich nun auch kleine Verlage diese Zeit nehmen können. Und das ist gut so.“

Alles außer Computergames

Stephan Schmidt hat kein Lieblingsspiel. „Mal spiele ich gerne ein Würfelspiel, mal ist mir eher nach zweistündigem Gehirnjogging und Strategie. Meine Klassiker sind Big Boss (ein abstraktes Aktien- und Expansionsspiel), Columbus (ein Legespiel quer über den Atlantik) und Airlines (eine Simulation, die Nordamerika mit einem Flugliniennetz überzieht).

Mit Computerspielen kennt sich Schmidt gar nicht aus. „Ich denke, es ist eine andere Situation, wenn man mit Freunden und Bekannten entspannt an einem Tisch sitzt und auch länger über seinen Spielzügen grübelt, als vor einer Maschine, um sich in Reaktion und Geschicklichkeit zu üben. Beides mag seine Vor- und Nachteile haben. Mir macht’s in geselliger Runde mehr Spaß."

Galerie

Tipp: Wartet einen Augenblick, bis die Galerie komplett geladen ist. Ihr könnt euch dann ganz bequem jeweils das nächste Foto anzeigen lassen, indem ihr auf eurer Tastatur die Taste "N" (für "next") drückt.