Babyshambles in Lörrach: "Was ist los, Baden-Baden?"

Lena Prisner & Miroslav Dakov

Guter Indie-Rock, ein verspulter Pete Doherty und eine ehrliche Performance: Die britischen Babyshambles traten am Freitagabend auf dem Stimmen-Festival in Lörrach auf. Warum der Abend keine Party, aber ein bisschen surreal war:



Die Babyshambles betreten die Bühne, das ist nicht selbstverständlich. Nicht gerade selten kommt es vor, dass ihre Konzerte kurzfristig abgesagt werden, meist weil Leadsänger Pete Doherty unter dem Einfluss chemischer Substanzen steht. Heute hat er es auf die Bühne geschafft.

Die erste Hälfte des Abends fühlt sich an wie ein rhythmischer Sonntag in der Hängematte: Das Publikum sieht Pete Doherty beim gekonnten Umhertaumeln zu, die Musik ist gut, der Text etwas genuschelt. Mit Songs wie „8 Dead Boys“, „Nothing Comes To Nothing“ und „Delivery“ spielt die Band sowohl aus ihrem Repertoire als auch aus dem aktuellen Album „Sequel to the Prequel“.

Die Fans wippen mit, ganz vorn wird es auch mal etwas wilder, vereinzelt sind Kreischer zu hören. Viel Austausch zwischen Musikern und Fans findet nicht statt – zwar versucht der Brite mehrfach, seine Deutschkenntnisse zum Besten zu geben, tritt damit aber auch ins Fettnäpfchen: „Was ist los, Baden-Baden?“, ruft er in die Menge.



Irgendwie muss man ihn einfach sympathisch finden, diesen Traumtänzer, wie er das Mikrofon im Takt auf seinen Hintern schlägt, seinen halb vollen Becher in die Menge wirft, sich scheinbar eher zufällig als gewollt zum Mikro hin- und wieder wegbewegt, manchmal mitten im Satz. Gerade noch hat er seine Gitarre optimistisch über die Bühne geschmissen – gut, dass der Technikgehilfe am Rand schnelle Reflexe hat – da steht er plötzlich mit hängendem Kopf da, regt sich nicht, sagt: „Weckt mich“. Er ist in seiner eigenen Welt, genießt die Musik, spielt für niemanden außer sich selbst. Auch der Rest der Band ist gut gelaunt: Schlagzeuger Adam Falkner schüttelt seine Mähne, Gitarrist Mic Whitnall qualmt eine Zigarette nach der anderen.

Gegen Ende geht’s noch mal rund: Pete legt dem Bassist Drew McConnell einen weißen BH um den Hals und fackelt eine rote Rose ab. Erklärt er der Liebe den Krieg? Das Mikro nutzt er jetzt als Lasso, fegt einen Becher von der Bühne. „You did very well in the World Cup“, lobt er das Publikum, und das Finale des heutigen Abends ist “Fuck Forever”.

Eine Zugabe gibt es nach rund 80 Minuten nicht, das Ende ist abrupt. Aber auch das kennt man von den Babyshambles. Bei all den Musikern, die die Bühne zum Selbstinszenieren und Sympathienfischen nutzen, ist man ein Konzert wie dieses kaum mehr gewohnt. Die Babyshambles machten heute keine Party, sondern nur Musik – mit einem Schuss Blödsinn.

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Foto-Galerie: Miroslav Dakov

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