Konflikt

Anwohner in Freiburgs Innenstadt wehren sich gegen Gastronomie

Manuel Fritsch

Im Konflikt um Gastronomiebetriebe in der Freiburger City streiten Anwohner und Betreiber auch um Konzessionen und Genehmigungen.

Der Konflikt zwischen Anwohnern und Gastronomie in der Innenstadt wird nicht nur in Gesprächen ausgetragen. Auch rechtlich wird versucht, Interessen durchzusetzen. Das musste Gianluigi Palma erfahren, der an der Marienstraße vor eineinhalb Jahren ein Café eröffnete. Wie Rathaussprecherin Martina Schickle bestätigt, hatte der Lokalverein Innenstadt sich erkundigt, ob das Café eine Genehmigung habe. Da es sich um ein Tagescafé ohne Alkoholausschank handelt, bedürfe es zwar gar keiner Gaststättenerlaubnis, die Klärung des Sachverhalts verursachte Palma dennoch Kosten, die er am Ende selbst tragen musste. Christian Himmelsbach vom Lokalverein erklärt der BZ, er habe sicherstellen wollen, dass der Cafébetrieb an der Stelle eine Ausnahme bleibe. Er fürchte, dass sich der Gastrobetrieb dort einschleichen und später irgendwann ausweiten könnte. "Wenn man hier nicht von Anfang an klar vereinbart, dass das Café eine Ausnahme ist, dann ist der Standort verloren", sagt er.


Das Café Krokodil in der Gerberau und die "Trotte" sowie der "Möchtegernspanier" in der Fischerau hatten als Corona-Hilfe Außensitzflächen beantragt. Erst waren diese genehmigt worden, nach Anwohnerbeschwerden wurde die Genehmigung aber zurückgenommen. Eine Prüfung habe ergeben, "dass die Außenfläche aus verkehrlichen Gründen zurückzunehmen war", sagt Martina Schickle. Himmelsbach erzählt, dass Kunden und Lieferanten seiner Wäscherei sich über die Stühle beschwert hätten, sie seien sogar angepöbelt worden. Anwohner von Trotte und Möchtegernspanier führen der BZ gegenüber an, dass der Lärmpegel durch die Außenbestuhlung zu hoch gewesen sei. Von Verkehrsbehinderung in der Fischerau ist da keine Rede.

Gäste des "Au contraires" berichten, dass sie vor der Bar aggressiv von Anwohnern angegangen worden seien

Der Nachfolger des Altstadtcafés, die Café-Bar "Au contraire", hatte versucht, durch offensive Kommunikation Bedenken wegen einer möglichen Lärmbelastung im Vorfeld zu zerstreuen. "Wir haben uns auf alkoholreduzierte Cocktails konzentriert", sagt Mitbetreiberin Sarina Fahrer. "Und große Gruppen oder Junggesellenabschiede lassen wir gar nicht erst rein". Nach den ersten Monaten hätten sie von Anwohnern schon viel positive Rückmeldung bekommen. Auch Christian Himmelsbach ist zufrieden, wie dort zwischen Barbetreibern und Anwohnern vermittelt werden konnte. Ein Anwohner, mit dem die BZ gesprochen hat, meint jedoch, dass das Lärmproblem noch nicht gelöst sei. Und Gäste des "Au contraires" berichten der BZ, dass sie vor der Bar aggressiv von Anwohnern angegangen worden seien. Nach einer Prüfung durch das Baurechtsamt müssen die Betreiber nun einen Nachtrag zur Baugenehmigung stellen. Sie fürchten, dass dadurch ihre Konzession eingeschränkt werden könnte. Und auch rund um die "Trotte" bleibt es spannend. Diese, argumentieren Anwohner, befinde sich in einem besonders geschützten Wohngebiet. Dort sei kein Schankbetrieb zulässig. Die "Trotte" jedoch genießt Bestandsschutz, da an dieser Stelle schon lange Gastrobetriebe waren. "Es ist doch schade, wenn jungen Leuten, die dazu beitragen wollen, dass die Innenstadt lebenswert wird, nur Steine in den Weg gelegt werden", sagten die Betreiber. Das sagen die Anwohner zwar auch, sie bestehen aber gleichzeitig auf ihre Nachtruhe – und der stünden die jungen Leute im Weg.