Kultur

Anwohner befürchten Lärm durch neues Kulturzentrum im Sedanquartier

Fabian Vögtle

Ein Gitarrenhändler plant im Sedanquartier eine Konzertstätte und sammelt Geld für deren Betrieb. Das Bürgerforum Sedanquartier und Lokalverein Innenstadt stehen dem Projekt kritisch gegenüber.

Konzerte, Lesungen, Tanz, Kunst und Workshops. In einem Hinterhof-Gebäude an der Belfortstraße will Robert Dale Kirch neben seinem Gitarrenladen "Unicorn Music" ein Kulturzentrum aufbauen. Bis März braucht er dafür knapp 20.000 Euro. Bürgerforum Sedanquartier und Lokalverein Innenstadt stehen dem Projekt kritisch gegenüber. Denn sie befürchten Lärm für die Nachbarschaft


Das bestehende Angebot soll ausgebaut werden

Rund 20 Leute sind am Samstagabend in den alten Lagerräumen des Outdoorladens Adventure Company. Plakate, Pflanzen, Sofas und ein Perserteppich lockern die graue Atmosphäre auf. Haruka Kotato und Giulian de Almeida stehen heute auf der kleinen Bühne. Das "Duo Lantana" ist nicht die erste Gruppe, die hier zu Gast ist. Im vergangenen Jahr fanden 50 Jamsessions, gut 30 Konzerte sowie Kunstausstellungen und Lesungen statt. Geht es nach Kirch, der seit einem Jahr dort Gitarren verkauft und repariert, soll an diesem Ort noch mehr passieren.

"Wir haben dringenden Bedarf an nicht-kommerziellen Orten für Kultur." Robert Dale Kirch
Der gebürtige US-Amerikaner, den alle nur "Rhino Rainbow" nennen, möchte das von der Belfortstraße über einen Innenhof erreichbare Gebäude in ein Kulturzentrum verwandeln. Bisher mietet er nur einen Bereich für sein Geschäft, künftig sollen auch die anderen Flächen mit rund 200 Quadratmetern dazukommen. Um den Eigentümern die Kaution zu zahlen und schließlich in das Vorhaben zu investieren, braucht Kirch eine Finanzspritze. Um diese wirbt er bei Veranstaltungen wie letzten Samstag und über Crowdfunding im Internet. Ein Teil der rund 17 000 Euro, die zum Start nötig sind, will er so zusammenbekommen. "Wir haben dringenden Bedarf an nicht-kommerziellen Orten für Kultur", sagt Kirch. Neben isolierten Proberäumen will er einen Tanz- und Theatersaal schaffen; und er plant Workshops für Geflüchtete und quartierbezogene Förderprojekte.

Die Nachbarn wollen, dass die Hinterhöfe Ruhezonen bleiben

Das alles klinge erst mal vielversprechend, findet Hanne Beyermann-Grubert vom Bürgerforum Sedanquartier und Im Grün. "Doch wir hören jetzt schon einiges", sagt sie. Man habe im letzten Jahr mehrfach gebeten, etwas leiser zu sein, erzählt Beyermann, die selbst auch Nachbarin ist. An der Ecke Wilhelmstraße/Belfortstraße sei schon mächtig was los. Zumindest die Hinterhöfe sollten daher Ruhezonen bleiben, fordert sie. Sollte eine Genehmigung vorliegen, wolle man sich mit dem Projekt auseinandersetzen. Bisher habe es darüber jedoch noch keinen direkten Kontakt mit Kirch gegeben.

"Wir sind da schon an der Obergrenze." Gerhard Heinzer, Lokalverein Innenstadt
Auch der Lokalverein Innenstadt kennt dessen genaue Pläne nicht und ist offen für ein Gespräch. Man begrüße Initiativen im Stadtteil, allerdings dürfe die Anwohnerschaft das nicht zusätzlich belasten, sagt der stellvertretende Vorsitzende Gerhard Heiner und betont: "Wir sind da schon an der Obergrenze."

Die Stadt sehe grundsätzlich eine Bereicherung in solchen Vorhaben, teilt Rathaussprecherin Martina Schickle mit. Allerdings müssten Störungen so gering wie möglich bleiben. Ein paar kleine Konzerte im Jahr seien kein Problem. Sollte dort jedoch mehr entstehen, bräuchte es eine genehmigungspflichtige Nutzungsänderung, so Schickle. Dabei wäre auch der Schallschutz zu klären. Bisher seien jedoch keine Bauanträge eingereicht.