Kunst

5 Highlights aus der Ausstellung Modern Love

Jennifer Fuchs

Wo stehen die Liebe und intime Beziehungen im Zeitalter von Internet, Social Media und Globalisierung? Die Ausstellung "Modern Love" im Museum für Neue Kunst versucht, Antworten zu geben. Mit Fotos, Installationen und Videos.

1. Installation von Laura Cemin: "persistence of memory" (2020)

Laura Cemin beschäftigt sich in ihren Arbeiten mit körperlichen Beziehungen, Nähe und Begegnungen. Ihre Installation "persistence of memory" besteht aus verschiedenen Objekten, die im alltäglichen Gebrauch Wärme schenken: eine Heizdecke, Handwärmer, ein Saunaanzug oder zwei "Paare" aus Wärmflaschen, die sich "gegenseitig umarmen". Dazu werden in einem kurzen Film skurrile Gebrauchsanleitungen gezeigt, wie die Produkte funktionieren sollen.

Eine junge Frau benutzt darin alle möglichen wärmenden Objekte und legt sich dann einsam damit ins Bett. Die Arbeit zeigt, wie wichtig für uns Menschen die echte, wärmende Nähe ist, gerade im Bezug auf Berührungen und Umarmungen. Dieses menschliche Bedürfnis kommt in unserem digitalen Zeitalter, gerade zu Corona-Zeiten, oft zu kurz.

2. Film von Melanie Bonajo: "Night Soil – Economy of Love" (2015)

In ihrer Videoarbeit porträtiert die Künstlerin Melanie Bonajo eine Bewegung von Sexarbeiterinnen in Brooklyn. Die sexuelle Befreiung der Frau und das Konzept der "freien Liebe" in der heutigen Zeit werden dabei stark aus feministischer Sicht thematisiert. Die drei Protagonistinnen des Films berichten aus ihren persönlichen Erfahrungen als Sexarbeiterinnen und nehmen sich selbst auch als Heilerinnen der weiblichen Sexualität wahr, die ihrer Meinung oft von Männern dominiert und unterdrückt wird.

Bonajo findet in dem dokumentarischen Kunstfilm eine sinnliche Bildsprache, die sich sehr ästhetisch und sensibel mit der Weiblichkeit befasst. Ein wichtiges Thema, das leider immer noch oft tabuisiert wird.

3. Analoge Fotoreihe von Mahmoud Khaled: "Do You Have Work Tomorrow?" (2013)

Mahmoud Khaled beschäftigt sich mit der arabischen Männlichkeit in Bezug auf Beziehungen, Politik und Geschichte. Seine analoge Fotoreihe von 32 Screenshots zeigt eine von ihm inszenierte Unterhaltung zwischen zwei homosexuellen Männern auf der Dating-App Grindr. Beim Lesen der Screenshots lässt sich schnell erkennen, dass die beiden Männer wohl aus einem Land kommen, wo Homosexualität immer noch als Tabu gilt. Dieser Online-Chat setzt somit einen sozialpolitischen Kontext. Gleichzeitig setzt sich die Fotoreihe aber auch mit dem virtuellen Dating auseinander.

4. Videoarbeit von Lauren Lee McCarthy: "Social Turkers" (2015)

Bei ihrem künstlerischen Selbstversuch "Social Turkers" traf sich Lauren Lee McCarthy mit 20 Menschen, die sie online auf der Datingseite OkCupid kennenlernte. Mit Hilfe ihres Smartphones streamte sie diese Verabredungen live zu bezahlten Personen, die ihr bei der Verabredung zusahen und ihr Anweisungen gaben, wie sie sich ihrem Date gegenüber verhalten solle. Die Vorschläge wurden McCarthy per SMS zugesendet und sie musste sie sofort ausführen. Die Künstlerin gab somit ihren freien Willen in die Hände von einer dritten Person, die über ihr Handeln und somit über den weiteren Verlauf der Verabredung entschieden hat.

5. Fotoserie von Maria Mavropoulou: "Family Portraits" (2017)

Maria Mavropoulou beschäftigt sich in ihrem Kunstprojekt "Family Portraits" mit der ständigen digitalen Nutzung von internetfähigen Geräten in unserem Alltag. Auf ihren Fotografien sind dunkle Wohnräume ohne Menschen zu erkennen. Auffallend in der Bildaufteilung sind die hell leuchtende Geräte wie Laptops, Smartphones und Tablets.

So erkennt man auf einem Foto zum Beispiel einen gedeckten Esstisch, wo sich neben den Tellern jeweils ein leuchtendes Smartphone oder Tablet befindet. Oder ein Doppelbett in einem dunklen Schlafzimmer, wo zwei Bildschirme von Laptops aufleuchten. Einerseits stehen diese technischen Geräte für moderne Kommunikation, Arbeit und Unterhaltung, andererseits nehmen sie auch unsere Aufmerksamkeit und Lebenszeit in Anspruch und "echte" Unterhaltungen mit unseren Mitmenschen bleiben oft auf der Strecke. Aus diesem Grund werfen die Fotografien die Frage auf, inwieweit internetfähige Geräte unser soziales Leben bestimmen dürfen.