Schulbesuche

5 Fragen an das Wissenshunger-Team, das gesunde Ernährung vermittelt

Maya Schulz

Wie viel Zucker ist in der Cola? Dies und vieles mehr vermitteln Studierende in der AG Wissenshunger an Freiburger Schulen. Damit wollen sie gesunde Ernährung mehr ins Bewusstsein der Schülerinnen und Schüler rücken.

Seit 2018 gibt es die AG Wissenshunger, ein ehrenamtliches Projekt, bei dem sich Studierende für die Gesundheitsförderung von Kindern und Jugendlichen einsetzen, an vielen Hochschulen deutschlandweit. Durch Schulbesuche und Vorträge bringen die Studierenden ganzen Schulklassen gesunde Ernährung nahe und bemühen sich, die Freude am Kochen zu wecken. Die beiden Medizinstudentinnen Janne Frömmichen (23) und Marlies Böck (22) engagieren sich für die Lokalgruppe Freiburg und haben Fudder im Interview verraten, warum Wissenshunger so wichtig ist.

Wer seid ihr?

Die Wissenshunger-Gruppe in Freiburg besteht im Moment aus etwa 15 Studierenden aus allen Semestern. Die meisten von uns studieren Medizin, es sind aber auch Studierende aus anderen naturwissenschaftlichen Studiengängen dabei. Grundsätzlich gilt: Alle, die Lust haben, sind willkommen. Finanziert wird das Projekt von der offenen Fachschaft Medizin, abgesehen davon haben wir aber keinen Sponsor und sind ein unabhängiges Projekt.

Sollte Ernährung ein Schulfach sein?

Das wäre toll! Auch in unserer Schulzeit ist das Thema Ernährung im Unterricht wenig behandelt worden. Und auch, wenn die Gesellschaft sich zunehmend darüber bewusst wird, wie wichtig eine ausgewogene Ernährung ist, gibt es immer noch viele Kinder und Jugendliche, die wenig darüber wissen. 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland sind übergewichtig, was langfristig Gefäßkrankheiten oder Diabetes begünstigt. Diese Zahlen haben sich durch die Pandemie sogar noch verschlechtert, wie Studien aus dem ersten Lockdown zeigen. Besonders in Zeiten von Homeschooling, in denen der Schulsport ausfällt, Sportvereine geschlossen sind und Schulmensen leer bleiben, ist es wichtig, dass die Kinder darüber aufgeklärt sind, welche Lebensmittel eher gut und welche auf Dauer eher schlecht sind, sodass sie sich bewusster ernähren können. Das wollen wir den Schüler*innen zeigen, wobei unser Hauptfokus darauf liegt, überhaupt Interesse an gesunder Ernährung, Spaß am Kochen und Freude an ganz bewusstem Essen zu wecken.

Wie geht ihr vor?

Wir arbeiten nach dem Prinzip der Peer-Education, das heißt, dass wir nicht in die Schulklassen gehen und belehrend mit erhobenem Zeigefinger auf Nutella-Brote zeigen, sondern dass wir, weil wir nicht so viel älter sind, vielmehr die Möglichkeit haben, den Schülerinnen und Schülern auf Augenhöhe zu begegnen. Ziel unserer Schulbesuche, bisher meistens in der Klassenstufe 5 bis 7, ist es, den Kindern wichtige Ernährungsgrundlagen spielerisch zu vermitteln. Hierfür machen wir gerne den Cola-Kochversuch, um zu zeigen, wie viel Zucker in Softdrinks enthalten ist. Wir erarbeiten gemeinsam Lebensmittelpyramiden und bereiten gesunde Brote zu, die wir anschließend alle zusammen essen. Das gemeinsame Essen ist uns besonders wichtig, denn es ist (leider) nicht selbstverständlich und spielt dennoch eine sehr wichtige Rolle für das ganz bewusste Erlebnis von Essen und letztendlich auch für die Wertschätzung der Lebensmittel. In erster Linie wollen wir zeigen, dass es einfach ist, sich gesund zu ernähren und mit der Freude an gesundem Kochen ernährungsbedingten Krankheiten präventiv entgegenwirken. Dabei geht es uns aber nicht darum, eine bestimmte Ernährungsform zu propagieren, sondern um das bewusste Essen.

Wie fällt das Feedback aus?

Bisher waren viele Lehrerinnen und Lehrer sehr begeistert und haben direkt gefragt, wann wir wiederkommen. Die Unterstützung der Lehrkräfte ist für unsere Arbeit enorm wichtig, weil sie uns sowohl Unterrichtszeit als auch die Räumlichkeiten zur Verfügung stellen. Bei den Schülerinnen und Schülern sorgt vor allem der Cola-Kochversuch für Erstaunen. Das gemeinsame Essenzubereiten macht beiden Seiten viel Spaß und für uns ist es besonders schön, praktisch anwenden zu können, worüber wir täglich in der Bib lesen und was wir am Schreibtisch vorbereiten.

Wie arbeitet ihr in Zeiten der Corona-Pandemie?

Aktuell sind leider keine Schulbesuche möglich. Wir versuchen aber trotzdem, das Projekt auch jetzt so gut es geht voranzubringen. Gerade arbeiten wir an einer Online-Version für unseren Schulbesuch. Ein digitales Konzept kann auch eine größere Reichweite für unser Projekt bedeuten. Natürlich ist ein gesamter Vormittag zu lang, daher erarbeiten wir gerade eher kleinere Lerneinheiten, die weniger erschöpfend sind. Vor kurzem haben wir in einer Gemeinschaftsschule in Gundelfingen eine "Brotgesichter-Challenge" gemacht, um die Kinder dazu zu motivieren, dass sie Zuhause mit Gemüse und Brot experimentieren und uns Fotos von ihren Kunstwerken zusenden. Die Kinder haben sich so viel Mühe gegeben, da waren wir echt begeistert.
Die AG Wissenshunger freut sich sehr über Anfragen von Lehrerinnen und Lehrern oder Studierenden, die Lust haben, bei dem Projekt mitzuwirken. Hierfür einfach kontaktieren über: wissenshunger@ofamed.de

Auf Instagram veröffentlicht Wissenshunger regelmäßig Rezepte, Ernährungstipps, Fun Facts und auch saisonale Informationen zu Lebensmitteln: Wissenshunger auf Instagram