Rundgang

5 Fakten zur "buochmeisterinne"-Ausstellung im Museum für Stadtgeschichte

Lisa Discher

Sie liebten Bücher und sie lebten im Mittelalter: buochmeisterinne. So heißt eine Ausstellung, die seit kurzem und noch bis Juni im Freiburger Museum für Stadtgeschichte zu sehen ist. fudder hat sie besucht.

Das Museum für Stadtgeschichte am Münsterplatz hat nach langer Corona-Pause wieder geöffnet. Seit dem 16. März und vorraussichtlich bis 13. Juni läuft dort die Ausstellung "buochmeisterinne", sie findet im Rahmen der 900-Jahr-Feier statt. In einer Stunde hat man die Möglichkeit im Rundgang das alte Wentzinger Haus zu beschreiten und dabei alles über die gebildeten Frauen des Freiburger Mittelalters herauszufinden. fudder hat für euch 5 interessante Facts über die Ausstellung gesammelt.

1. buochmeisterinne - Weg mit den Klischees

Frauen im Mittelalter waren nur zum Kochen, Putzen und Kinderbekommen da? Das stimmt so nicht ganz: Die so genannten buochmeisterinne waren gebildete Schwestern in Klöstern. Sie zeichneten sich durch "gūote liebi zū den bücheren" aus und waren das mittelalterliche Pendant zur heutigen Bibliothekarin.

2. Unis waren für Frauen tabu

Das Kloster stellte für die Nonnen einen Wissensraum dar, den es sonst nirgends in vergleichbarer Weise gab. Da junge Frauen, genauer gesagt die damaligen Dominikanerinnen, nicht an Domschulen oder Universitäten studieren durften, bildeten sie sich in den Klöstern selbst. Als Erstlesebuch mussten oft so genannte Psalter herhalten – was genau das ist, wollen wir euch mal noch nicht vorwegnehmen.

3. Größe spielt (k)eine Rolle

Die Musikbücher der mittelalterlichen Schwestern waren teilweise so groß, dass man sie nicht so einfach hat unter den Arm packen können – sie würden nicht einmal einzeln in eins der Schließfächer in der UB passen. Aber das ist nicht das einzig faszinierende an den Werken, die man in der Ausstellung bestaunen kann: Keine zwei Zentimeter von dem entfernt, was eine buochmeisterin vor hunderten von Jahren mit einer Feder in ein Buch geschrieben hat, stellt man fest, dass da mehr als nur mittelalterliches Geschnörkel zu sehen ist. Nur eine dünne Glasscheibe trennt die Besucher und Besucherinnen von den antiken Büchern, die so aufwendig gestaltet wurden, dass man sich fast nicht satt sehen kann.

4. Geheime Schrankwand

Wenn man genau hinsieht, findet man auf dem Rundgang durch das Museum vielleicht das Geheimfach des alten Bewohners, Johann Christian Wentzinger, das in der Wand versteckt lag und irgendwann entdeckt und freigelegt wurde.

5. Feuer in der Wiehre, die nicht immer Wiehre hieß und Frauenfreundschaften

Peter Kalchthaler ist der Leiter des Museums für Stadtgeschichte. Er sagt, dass die Ausstellung etwas Besonderes sei, vor allem weil die Germanisten und Germanistinnen der Uni Freiburg, diese maßgeblich mitkonzipiert hätten. "Es wird gezeigt, was für eine intellektuelle und bücher-affine Atmosphäre doch entgegen der heutigen Meinung in den mittelalterlichen Freiburger Dominikanerinnenklöstern herrschte", sagt er. Die Leihgaben kämen aus Zürich, Colmar und aus der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe, vor allem aber aus Freiburg. Was er am spannendsten an der Ausstellung fände? "Am spannendsten ist sicher die Geschichte mit dem Netzwerk. 1410 hat's in Adelshausen, also das Hauptkloster in der heutigen Wiehre, gebrannt." Adelshausen sei der alte Name der Wiehre.

Dem Brand im Kloster, das im Umkreis der heutigen Anna-Kirche (St. Cyriak und Perpetua) lag, fielen fast alle Bücher zum Opfer. "Dann haben befreundete Dominikanerinnen, vom Bodensee bis ins Elsass, Geld und Bücher nach Freiburg geschickt. Und da sieht man was das für ein Freundschaftsnetzwerk zwischen den Frauen war – schon damals im Mittelalter", sagt Kalchthaler. In manchen Ausgaben Freiburger mittelalterlicher Werke, fände man noch Eintragungen von Freundinnen der Dominikanerinnen, die ihnen damals geholfen haben.

Infos:

Die Ausstellung ist noch bis zum 13. Juni, Dienstag bis Sonntags von 10 bis 17 Uhr, zu sehen. Tickets (3 Euro normaler Eintritt und 2 Euro ermäßigt) gibt es über das Buchungsportal Reservix und müssen vorbestellt werden. Hier geht’s zu den Tickets.