Demonstration

1500 Teilnehmer zeigen Flagge am Freiburger Christopher Street Day

Simone Höhl

Mit Regenbogenfahnen und Mundschutz fordert die queere Gemeinschaft bei Freiburgs CSD mehr Rechte. Die Parade fällt wegen Corona aus, aber es gibt eine Kundgebung: 1500 sind gekommen.

"Abwehrkräfte stärken ... gegen Nazis, Covid-19 und andere gefährliche Bedrohungen", ruft einer der Organisatoren von der Bühne vor dem Stadttheater: Unter diesem Motto und unter Corona-Auflagen findet der Christopher Street Day 2020 in Freiburg statt – nicht wie sonst mit einem Party-Zug durch die Innenstadt. Stattdessen gibt es am Samstagnachmittag auf dem Platz er Alten Synagoge eine Kundgebung, um ein Zeichen zu setzen gegen erstarkende rechte Strömungen. "Das ist eine Bedrohung für unsere Community", sagt der Sprecher.


Vor allem aber wollen die Menschen auf dem Platz die Rechte Schwuler, Lesben, Bisexueller und Transgender-Personen stärken. "Wir sind hier, damit sich kein Mensch mehr für seine Liebe verstecken muss", sagt der Sprecher und fragt: "Was gibt’s denn schöneres als die Liebe?" "Noch mehr Liebe", ruft einer im Publikum.

Regenbogen auf Fahnen, Strümpfen und Hosenträgern

Nach zögerlichem Anfang ist der Platz gut gefüllt. Es herrscht Maskenpflicht und ein Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen Menschen, die nicht zusammen wohnen. Etliche sitzen enger, manche umarmen sich zur Begrüßung, wenn auch mit Maske. Kaum jemand schiebt sie während der Veranstaltung nach unten. "Die Auflagen zum Infektionsschutz wurden weitgehend eingehalten", meldet die Polizei nach Ende der Versammlung um 18 Uhr. Sie sei friedlich verlaufen.

Überall sind Ordnerinnen und Ordner des ausrichtenden Freiburger CSD-Vereins zu sehen. Die Polizei hat die Lage im Blick. Sie schätzt gegen 15 Uhr etwa 1500 Teilnehmer. Gefühlt gibt es genauso viele Regenbogenfahnen, Regenbogenstrümpfe, Regenbogenkrönchen und einen Regenbogenmundschutz.

"Ich finde es wichtig, dass es irgendwann normal wird, einen geschminkten Mann zu sehen und zwei Frauen, die Händchen halten."Fabrice, 26
Freiburg sei zwar sehr tolerant, sagt der Träger des bunten Mundschutzes, der 26-jährige Fabrice aus Freiburg-Haslach. Aber queere Kultur sei schwer zu finden. "Ich finde es wichtig, dass man die Leute sieht, dass es irgendwann normal wird, einen geschminkten Mann zu sehen und zwei Frauen, die Händchen halten."

Das fordern auch die Redner auf dem Bühnen-Laster vor dem Stadttheater. Es gibt eine ganze Reihe von Forderungen, unter anderem ein Ende der Unterdrückung von lesbisch, schwulen, bisexuellen, transsexuellen, transgender, intersexuellen und queeren Menschen; ein Ende von Konversionstherapie; ein Ende eines "diplomatischen Kuschelkurses mit homo- und transfeindlichen Regimen" und eine Konsequente Trennung von Kirche und Staat.

Stadt Freiburg zeigt sich solidarisch

Klare Botschaften zu senden, national wie international, sei nötig, sagt SPD-Stadträtin Julia Söhne als Vertreterin der Stadt Freiburg: "Solange schwul noch immer das am meisten benutzte Schimpfwort auf dem Schulhof ist, werden wir das weiterhin tun."

Es gibt Auftritte von Drag-Queens, weitere Reden und rund um den Platz Infostände, zum Beispiel von der Rosa Hilfe. Ein junger Mann auf High-Heels und mit pinkfarbenen Rastas wirbt für das Projekt "Mit Sicherheit verliebt" zur Prävention sexuell übertragbarer Infektionen, andere sammeln Unterschriften für die "Verkehrswende für Freiburg". Unabhängig davon läuft zeitgleich in der Freiburger Innenstadt eine Fahrrad-Demo, die nach Angaben der Polizei etwa 370 Teilnehmer hat.

Der CSD gedenkt an den Aufstand von Homosexuellen und anderen sexuellen Minderheiten gegen Polizeiwillkür in der New Yorker Christopher Street im Juni 1969. Am ersten Jahrestag gab es einen demonstrativen Straßenumzug. Die Demonstration wurde eine internationale Tradition.