Silvester 2020

1000 Zeichen Liebe: Sekt

Martha Martin-Humpert

Er prickelt, schmeckt gut und hilft uns durch das Lockdown-Silvester: fudder-Autorin Martha Martin-Humpert hat eine Hommage an den Sekt geschrieben. In dubio pro secco!

Ja, da draußen wartet Corona, der zweite Lockdown zwingt Deutschland in seine mehr oder weniger beschaulichen vier Wände zurück und das nächste Bier im Kreis von Freunden rückt in weite, weite Ferne. Bonjour Tristesse? Nein, denn wie die letzten Monate aufmerksam beobachtet, ist ein langhalsiger Begleiter in viele Haushalte eingezogen, der uns mit seiner spritzigen Art aus der Agonie des aktuellen Alltags erlöst: Sekt, Freund und Helfer der Heimgebliebenen.

Seine exquisite Aura und sein edles Aroma machen aus jedem noch so gelangweilten Daydrinking ein kleines Fest der Sinne. Schon das Korkenknallen ist eine kleine Allegorie für all die entladene Anspannung des Jahres. Dann der perlige Schaum, eine Erinnerung an die überquellende Lebensfreude früherer Tage. Ein tiefer Schluck und man spürt das sanfte Prickeln auf der Zunge, elektrisierend wie ein erster Kuss nach fünf zehrenden Long Distance Dates.

Die wohlige Wärme des Rausches

Zärtlich umschließt die Hand das elegante Glas, das wie ein geradezu puristisches Paradox zum Lockdown-Outfit aus fettigen Haaren und Jogginghosen steht. Der kleine Finger, stilecht weit abgespreitzt, weist dabei hoffnungsvoll auf den noch blassen Horizont einer besseren Zukunft, in der wir uns wieder nach Herzenslust umarmen können. Bis es soweit ist, hilft es in die wohlige Wärme des Rausches zu einzutauchen.

Also, auch in harten Zeiten nicht verzagen. Vieles mag ungewiss sein, aber eines ist sicher: In dubio pro secco!

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