Beruf

10 Fragen an eine Flugbegleiterin

Melissa Kleindienst

Wie viele Sprachen muss man als Flugbegleiterin können? Wie ist der Job mit Familie vereinbar? fudder-Autorin Melissa Kleindienst hat zwei Jahre bei der Lufthansa gearbeitet und beantworte häufig gestellte Fragen.

1. Bekommt man den Aufenthalt bei einer Dienstreise bezahlt?

Ja. Das Hotel wird bezahlt und man bekommt zusätzliche Spesen zur Verpflegung die großzügig kalkuliert sind. Wenn man die Spesen nicht ausgibt, kann man den Rest behalten. Ich habe allerdings fast immer alles ausgegeben und habe das auch nie bereut. In Erlebnisse wie Fallschirmspringen oder Whale Watching zu investieren, lohnt sich meiner Meinung nach immer.

2. Muss man viele Sprachen sprechen?

Als Flugbegleiterin oder Flugbegleiter ist es förderlich, viele Sprachen sprechen zu können. Ich spreche nur Deutsch und Englisch – das sind die Sprachen, die man bei Lufthansa sprechen können muss. Das hat offensichtlich gereicht.

3. Hat man überhaupt Zeit sich bei den Dienstreisen was anzuschauen?

Fast immer! Auf der Kurzstrecke nicht immer, da gibt es auch Touren, bei denen man nur die Hotelwände von innen sieht. Aber in der Regel hat man genug Zeit für Sightseeing. Ich habe immer versucht, die Zeit zu nutzen, obwohl mir Schlaf manchmal bestimmt besser getan hätte. Die Chance, zweimal an einen Ort zu kommen, ist eigentlich relativ hoch, trotzdem weiß man es nie mit hundertprozentiger Sicherheit. Deswegen wollte ich kein Risiko eingehen und habe immer versucht, so viel wie möglich zu unternehmen.

4. Wie läuft die Ausbildung zur Flugbegleiterin ab?

Es ist keine anerkannte Berufsausbildung, sondern eine Schulung, die drei Monate lang geht. Die Schulung beginnt mit Emergency-Inhalten, erste Hilfe und CRM, später kommen noch Service-Schulungen hinzu. Den Emergency-Part habe ich als sehr nervenaufreibend in Erinnerung. Mit Schwimmweste in der Flugzeug-Attrappe zu stehen und Kommandos zu brüllen, hat sich immer sehr real angefühlt.

5. Fliegt man nur Kurz– oder auch Langstrecke?

Bei Lufthansa wird man zuerst auf die Langstrecke geschult und fliegt erst ab drei Monaten zusätzlich Kurzstrecke. Es gibt Flugbegleiterinnen und -begleiter, die lieber Langstrecke fliegen und welche die lieber Kurzstrecke fliegen. Ich war eindeutig Team Langstrecke – den Jetlag habe ich für die längeren Aufenthalte und einmaligen Erlebnisse gerne in Kauf genommen. Mein persönliches Worst-Case-Szenario auf der Kurzstrecke war immer die 5-Tage-Frühaufsteher-Tour. Fünf Tage hintereinander zwischen 3 und 4 Uhr morgens aufstehen um dann noch im Dunklen freundlich lächelnd im Flieger zu stehen – das war wirklich nicht meins.

6. Arbeitet man immer in den gleichen Teams?

Nein, die Crew wechselt nach jedem "Umlauf". Das bedeutet, dass man auf der Langstrecke mit den gleichen Kollegen zurück zur Heimatbase fliegt, mit denen man auch gekommen ist. Auf der Kurzstrecke ist man zwischen einem und fünf Tagen unterwegs, hier gibt es eine Stammcrew, die durch wechselnde Springer ergänzt wird. Das hat den Vorteil, dass man Kolleginnen und Kollegen, mit denen man sich nicht so gut versteht, nicht allzu lange arbeitet. Der Nachteil ist, dass man den Kontakt zu tollen Kolleginnen schnell wieder verliert.

7. Fliegt man immer dieselben Strecken?

Nein, im Prinzip fliegt man jeden Monat unterschiedliche Strecken an unterschiedlichen Tagen. Man hat die Möglichkeit, sich Wunsch-Ziele in den Plan zu legen, je beliebter diese sind, desto schwieriger ist es, sie zu bekommen, vor allem wenn man neu ist. Ich hatte Monate, in denen ich so begeistert von allem war, dass ich dachte ich werde diesen Job mein Leben lang machen. Dann gab es wieder andere Monate, in denen ich mich von einer Kurzstrecke zur nächsten gekämpft habe und mehr als einen Moment, in dem ich sofort die Kündigung unterschrieben hätte, wenn sie mir jemand hingehalten hätte.

8. Ist das dann nicht schwierig mit Familie und Freunden?

Jein. Prinzipiell kommt es immer darauf an, in welchem Modell man fliegt. Da gibt es bei Lufthansa viele. Ich bin in einem Saisonmodell geflogen, im Winter Halbzeit und im Sommer Vollzeit. In den Wintermonaten konnte ich mir meinen Plan manchmal so legen, dass ich 4 Wochen am Stück frei hatte und bin dann in den Urlaub gefahren. Im Sommer stand ich hingegen über Monate hinweg unter Strom. Wenn ich um 5 Uhr morgens aus Singapur kam, habe ich mich oft nur zwei Stündchen hingelegt und war danach den ganzen Tag unterwegs. Die meisten freien Tage, die ich hatte, waren eigentlich Ruhezeit, um mich von den Flügen zu erholen. Ich habe die Zeit immer genutzt, um Freunde zu sehen oder nachhause zu meiner Familie zu fahren.

9. Kann man vergünstigt fliegen?

Ja, man kann deutlich günstiger in den Urlaub fliegen und auch noch eine weitere Person vergünstigt mitnehmen. Flughafensteuern zahlt man allerdings ganz normal. Die Alternative, bei der man am meisten sparen kann, ist das sogenannte "Stand-By"-Fliegen, hier kommt man aber nur mit, wenn noch ein Platz im Flieger frei ist. Ich habe auch oft bei vollen Flügen gepokert, dass ein Passagier nicht erscheint und ich den Platz bekomme. Hat tatsächlich immer geklappt, allerdings habe ich das, was ich an Geld gespart habe, fast immer mit Nerven bezahlt. Es ist mehr als einmal vorgekommen, dass ich erst 20 Minuten vor Abflug erfahren habe, ob ich mitkomme oder nicht. Da saß ich dann schon schweißgebadet am Gate, denn oft war es so, dass der nächste Flieger erst zwei Tage später gegangen wäre.

10. Was ist das Schlimmste, das dir in dem Job je passiert ist?

Natürlich läuft in zwei Jahren nicht immer alles glatt. Schwierige Passagiere, technische Probleme und medizinische Notfälle gehören dazu. Das sind die Momente, in denen man als Flugbegleiterin oder -begleiter innerhalb von Sekunden den Schalter von Freundlichkeit auf Alarmbereitschaft umlegen muss. Es gibt für alle Situationen Abläufe, die man in der Schulung lernt, um sie im Ernstfall anwenden zu können. Kommt es zu einem echten Notfall, arbeitet man die Liste Schritt für Schritt ab, dass hilft enorm, um einen kühlen Kopf zu bewahren.
Trotz dieser Erfahrungen vertraue ich dem Fliegen mehr denn je, denn auch wenn ich in eine schwierige Situation kam, hatte ich nie das Gefühl, das Problem nicht lösen zu können oder damit allein zu sein.
Zu sehen, wie genau und präzise alles vor jedem Flug gecheckt wird und wie gut die Teamarbeit in Extremsituationen funktioniert, hat dazu geführt, dass ich dem Fliegen von Anfang an vertraut habe und es auch heute noch tue. Es ging keiner ein Risiko ein, auch wenn wir dann manchmal zwei Stunden Verspätung hatten, weil ein winziges Lämpchen geblinkt hat.