Freiburg-Wiehre

Warum ein Graffiti-Künstler ein Haus in der Wiehre nicht fertig besprühen darf

Johannes Tran

Aus einer tristen Hausfassade im Freiburger Stadtteil Wiehre sollte ein Kunstwerk werden. Doch jetzt wird das Graffito von Tom Brane komplett übermalt – aus Denkmalschutzgründen.

Es ist der blanke Frust, der da in Form eines Schriftzugs am Fuß der bunten Wand prangt: "Künstlerische Arbeiten durch das Baurechtsamt eingestellt. Danke an einen Nachbarn!" Jeder Passant, der dieser Tage die Kirchstraße entlanggeht, spürt die Wut, die Graffiti-Künstler Tom Brane in die unfreiwillig letzten Züge seines Kunstwerks gelegt hat (Fotos bei fudder).


Kunst statt Schmiererei

Hier an der Ecke zur Konradstraße entstand in den vergangenen zwei Wochen ein riesiges Gemälde – eine ganze Hausfassade strahlt in grünen, blau, weißen Naturmotiven. Ein wahrer Blumenteppich mit Wildtieren, Blüten, Farnen und darüber ein strahlend blauer Himmel.

Doch diesen Anblick wird es nicht mehr lange geben: Das Graffito muss entfernt und die Hauswand neu übermalt werden. Verantwortlich dafür sei eine Entscheidung des Baurechtsamts, erzählt Brane entnervt. Das Amt habe diese Anweisung mit dem Denkmalschutz begründet, unter dem das Haus teilweise stehe. Eigentlicher Auslöser aber sei ein anonymer Einspruch eines Anwohners gewesen, der zuvor beim Amt eingegangen sei. Die Pressestelle der Stadtverwaltung kannte den Fall am Dienstag nicht und wollte dem nachgehen.

"Alle haben sich drauf gefreut. Es geht doch darum, unser Stadtbild zeitgemäß zu gestalten." Tom Brane
Der Graffiti-Künstler jedenfalls musste seine Arbeit unverzüglich einstellen. Das Graffito soll noch in den nächsten Tagen übertüncht werden – mit einer vom Baurechtsamt gewählten Farbe, wie Brane sagt. Der Künstler kann die Entscheidung nicht nachvollziehen: "Alle haben sich drauf gefreut. Es geht doch darum, unser Stadtbild zeitgemäß zu gestalten", meint er. Denkmalschutz habe in den letzten 15 Jahren niemanden interessiert, als das Haus, von Schmierereien verunstaltet, "total traurig ausgesehen" habe.

Manche Anwohner würden das Bild gerne erhalten

Auch viele Anwohner sind entsetzt. Vor dem Baugerüst an der Kirchstraße versammelten sich am Dienstag etliche Leute, lasen die Botschaft des Künstlers ("Danke an den Besitzer für den künstlerischen Mut, die Straße zu verschönern") und diskutierten erregt. Klaus Rückauer möchte eine Unterschriftensammlung organisieren: "Es ist eine Katastrophe", sagt er und verweist wie Brane auf die Vergangenheit: Das Haus sei "nur noch hässlich" gewesen, er habe sich gefreut, "dass hier Farbe reinkommt".

Zahlreiche Nachbarn befürchten nun, dass die Schmierereien von vorne beginnen könnten. Anwohner Thomas Niehaus fühlt sich durch den Abbruch des Verschönerungsprojekts betrogen: "Nur wegen eines Einzigen hier werden jetzt alle enttäuscht."



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