Rassismus in der Deutschen Burschenschaft: Was ein Freiburger Teutone dazu sagt

Konstantin Görlich

In der vergangenen Woche sorgte die Deutsche Burschenschaft für Schlagzeilen: Ein rassistischer Ausschlußantrag gegen eine Burschenschaft mit einem chinesischstämmigen Mitglied brachte den Verband an den Rand einer Spaltung. Jetzt nimmt eine Freiburger DB-Burschenschaft zu den Vorgängen Stellung.


Eine Spaltung der Deutschen Burschenschaft (DB), dem Dachverband von über 120 Burschenschaften, ist vorerst abgewendet: Der Ausschlußantrag gegen eine Burschenschaft mit einem Mitglied nichtdeutscher Abstammung wurde zwar nicht abgelehnt, aber zumindest zurückgezogen. Gleichzeitig gilt aber ein neues Rechtsgutachten, nach dem männliche Studenten Burschenschafter werden können, die deutscher Abstammung sind oder über die deutsche Staatsangehörigkeit verfügen.

Rolf Piechowicz
ist Vorsitzender der Altherrenschaft der Freiburger Burschenschaft Teutonia und war schockiert über den Ausschlußantrag. „Ich glaube, daß sich die Antragsteller einfach keine Gedanken gemacht haben, wozu das führt, und den Antrag dann nach scharfem Protest zurückgezogen haben. Viele, wahrscheinlich die Mehrheit, hat das an den Ariernachweis erinnert."


Alles Nazis? „Die DB ist ein sehr heterogener Verband, in dem einzelne Burschenschaften dem eher rechten Spektrum zuzuordnen sind. Diese erscheinen dann als Mehrheit, sprechen aber bei weitem nicht für alle.“ Die Freiburger Burschenschaft Teutonia gehöre jedoch nicht zu diesem rechten Spektrum: „Auf einem Schaubild des demokratischen politischen Spektrums würde ich sie mit fester Überzeugung in der Mitte verorten!“ sagt Piechowicz und erläutert weiter: „Unter den Mitgliedern sind im demokratischen Spektrum von Mitte rechts bis zum linken sozialdemokratischen Gedankengut alle Richtungen vertreten. Außerdem gibt es auch viele Unpolitische.“

Inwiefern wäre die Teutonia von einem solchen Rechtsruck betroffen gewesen? „Ich gehe davon aus, daß es auch bei uns Mitglieder gibt, die nach der fraglichen Regelung nicht hätten aufgenommen werden dürfen. Hätte der Burschentag diese rassistischen und unsinnigen Regelungen, die nicht mit unseren Werten übereinstimmen und von denen wir uns mit Nachdruck distanzieren beschlossen, so wäre auch ein Austritt der Teutonia aus der DB in Frage gekommen, jedoch nur als ultima ratio, als letztes Mittel.“

Man muss sich vor Augen führen: Der Antrag wurde zurückgezogen, nicht abgelehnt. Damit dürfte es fraglich sein, ob sich an den offen rassistischen Positionen innerhalb der DB etwas geändert hat. Schließlich kommt der Rassismus in der DB nicht von außen. Der Verfassungsschutz vermutet denn auch rechtsextremistische Positionen in bis zu einem Drittel der Verbände.

Piechowicz glaubt dennoch, das Burschenschaften wie die Teutonia da noch etwas ausrichten können: „Mit der jetzt gültigen Regelung ist zwar der "Rechtsfrieden" im Dachverband wieder hergestellt. Wir Freiburger Teutonen sind uns aber bewusst, dass wir mit Blick auf die kontrovers geführte Diskussion zwischen den einzelnen Mitgliedsbünden unsere eigene Position im Verband nochmals gründlich überdenken müssen. Mut macht uns dabei die eigene Aussage des chinesisch-stämmigen Verbandsbruders aus Mannheim, der dafür wirbt, nicht den wenigen Mitgliedsbünden mit extremen Positionen das Feld zu überlassen.“

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[Bild: dpa/Burschentag 2011]