Online-Petition gegen Pokéstop-Löschung: Stadt Freiburg bleibt hart

Konstantin Görlich

Gegen die Löschung der Pokéstops hinter dem Münster, die die Stadtverwaltung beantragt hatte, regt sich Widerstand: Eine Spielerin hat eine Onlinepetition gestartet. Ob die Verwaltung darauf eingeht?

Die Nachricht, dass die Freiburger Stadtverwaltung die Pokéstops in der Herrenstraße hinter dem Münster löschen lassen will, ist in der PokémonGo-Szene mit Schrecken und Unverständnis aufgenommen worden. In der über 1400 Mitglieder zählenden Facebookgruppe wurde der entsprechende fudder-Artikel intensiv diskutiert.


24 Stunden später gab es bereits eine Online-Petition, die den Erhalt der Pokéstops fordert. Sie fand 323 Unterstützer – bislang. Erstellt hat sie Janina Voigt. Die 19-Jährige wohnt in Hinterzarten und hat in Freiburg, wo sie eine Ausbildung zur Tourismuskauffrau absolviert, durch PokémonGo einige neue Freunde gefunden. Mit Level 27 zählt sie zu den erfahreneren Spielern, ist beinahe täglich vor Ort oder in der Stadt unterwegs.

"Das Argument, dass die Verkehrssicherheit gefährdet sei, kam mir erstmal total bescheuert vor. Das ist ja eine Fußgängerzone", sagt sie.

Freiburger Fahrradfahrer

Die von der Stadtverwaltung als Argument herangezogenen Beinahe-Kollisionen mit Radfahrern hat auch Janina schon beobachtet. "Einige von denen sind einfach rücksichtslos." Was sie an Erlebnissen beschreibt, kann gemeinhin als Kampfradelei bezeichnet werden: Überhöhte Geschwindigkeit, Nötigung, Beleidigung. "Das kann überall passieren, da hat PokémonGo nichts mit zu tun."

Das sieht die Stadtverwaltung anders: "Da es vorher hier keine Ansammlung von Menschen gab, wie nach dem Beginn des Spieles, geht die Verwaltung davon aus, dass die Vorkommnisse, die es gab, überwiegend durch Spielende verursacht wurden," sagt die städtische Pressesprecherin Edith Lamersdorf.

Die Herrenstraße gehört tatsächlich komplett zur Fußgängerzone, Anlieger-, Liefer- und Fahrradverkehr sind zwar erlaubt, aber Fußgänger haben stets Vorrang. "Die Lenker von Fahrzeugen [...] dürfen nur mit Schrittgeschwindigkeit fahren", heißt es in der Straßenverkehrsordnung, § 76 a. Und weiter: "Fußgänger dürfen in Fußgängerzonen auch die Fahrbahn benützen. Sie dürfen dabei aber den erlaubten Fahrzeugverkehr nicht mutwillig behindern."

Nach Beobachtungen von fudder hält sich tatsächlich fast niemand an die gebotene Schrittgeschwindigkeit. Aber auch die Stadt hat hingeguckt: "Einige Menschen, die in der Verwaltung arbeiten, haben sich die Situation vor Ort auch angeguckt und berichteten, dass die sowieso schon enge Situation noch schwieriger geworden ist. Es passieren täglich Beinah-Unfälle, von denen weder die Stadt noch die Polizei erfährt. Aber die Stadt kennt die Gefahrenpunkte oder Engstellen. Hier vorsorgend tätig zu sein ist auch eine Aufgabe der Stadt."

Mehrere Ruhestörungen

Das zweite Argument für die Löschung: Ruhestörungen. Es gab seit Mitte Juli zwei Beschwerden bei der Stadt und drei Polizeieinsätze. Laut Lamersdorf seien eine erhebliche Lautstärke während der Nachtruhe sowie Autofahrer, die mit laufendem Motor halten, moniert worden. "Polizei und Gemeindevollzugsdienst waren im Rahmen ihrer Möglichkeiten vor Ort und haben versucht, das Geschehen in geregelte Bahnen zu lenken. Das reicht aber nicht aus, denn die Spielenden wechseln häufig und sind auch nachts vor Ort."

Auch Janina Voigt hätte gerne eine andere Lösung: "Wir haben ja schon viel versucht. Es wurden Plakate aufgehängt, die die Leute zur Ruhe auffordern und dazu, ihren Müll mitzunehmen – und trotzdem liegt Müll rum und es werden Leute ermahnt, weil sie zu laut sind. Solche Leute sollte man dann auch wirklich des Platzes verweisen."

Wenn es darum geht, das Einhalten von Regeln einzufordern, herrscht auf beiden Seiten Einigkeit. Trotzdem setzte die Stadt direkt auf die Löschung: "Um mit jemanden in den Dialog zu treten, braucht es konkrete Ansprechpartner, mit denen Absprachen getroffen werden können. Außerdem wollte die Stadt schnell und unkompliziert agieren."

Gibt es doch noch einen Dialog?

Wenn die Stadt einen Ansprechpartner suchen würde, könnte Janina Voigt sich vorstellen, die Spieler gegenüber der Stadt zu vertreten. "Vielleicht mit ein paar anderen zusammen." Allerdings, so Lamersdorf, sei ein Dialog seitens der Stadt nicht vorgesehen – momentan.

Als Reaktion auf die Petition, von der sich Janina Voigt mindestens 1000 Unterschriften erhofft, "wünsche ich mir wenigstens eine Stellungnahme. Sie verlagern das Problem doch nur. Wenn wir in den Colombipark gehen, beschweren sich dort die Hotels über Ruhestörung. Außerdem ist dort die Verkehrssicherheit noch mehr gefährdet, denn dort sind große Straßen – und die sind keine Fußgängerzone."

Die Antwort der Stadtverwaltung auf die Frage, ob sie überhaupt auf die Petition reagieren wird, fällt jedoch denkbar knapp aus: "Nein." Auch könne man sich nicht vorstellen, die Löschanträge zurückzuziehen.