Mit dieser App wirst Du zum intellektuellen Überflieger!

Konstantin Görlich

Du hast keine Lust, 704 Seiten Steve-Jobs-Biografie zu lesen, willst aber trotzdem schlau darüber smalltalken? Du machst dir nichts aus Gourmet-Burgern, McDonalds tut's auch? Hier ist deine App, sie heißt Blinkist:



Lesen ohne lesen, oder genauer: viel lesen, ohne viel lesen zu müssen. Das verspricht der Onlinedienst Blinkist. Über 500 Bücher, aus Bereichen wie Zeitmanagement, Börse & Geld oder Wirtschaft & Politik stehen als Ultrakurzfassungen bereit. Sie sollen dir den Inhalt der Bücher verraten, ohne dass du dich durch Hunderte von Seiten quälen musst. Die Anmeldung läuft über die E-Mailadresse, alternativ reicht auch ein Konto bei Facebook oder LinkedIn.


Der erste Eindruck

Hier geht es um Effizienz, sonst nix. Bekannte Bestseller fallen erst nach einiger Scrollerei auf. Arianna Huffington strahlt vom Cover von „Thrive“. Klick. Die Steve Jobs Biographie von Isaacson. Klick. Marx’ und Engels’ "Manifest der Kommunistischen Partei". Klick. Glenn Greenwalds 2Die globale Überwachung". Klick. Dazwischen so manch interessante Entdeckung.

Was können die Zusammenfassungen?

Die erste Seite will informieren: Worum es geht, wer diese Blinks – so heißen die Zusammenfassungen – lesen sollte, wer das Buch geschrieben hat. Die ungefähre Lesedauer steht gleich darunter. 21 Minuten werden für die Jobs-Biographie veranschlagt. Das ist sportlich. 13 Seiten mit um die 400 Wörtern.

Das Manifest soll 12 Minuten in Anspruch nehmen, kommt auf 7 Seiten plus Zusammenfassung. Die liest sich leicht und zügig, argumentiert kaum mal über mehr als drei Absätze. Das kann man verstehen, aber das verkürzt auch. Dass das Manifest in England erschien, gehört anscheinend nicht zum historischen Zusammenhang. „Heute wird das Proletariat von der Bourgeoisie unterdrückt.“ Aber wann ist ‚heute‘? Die Bourgeoisie sei besser vernetzt, also brauche das Proletariat eine globalisierte Interessenvertretung. Das versteht der Neoliberale und sinnentstellend ist es nicht. Zum Schluß hin trägt der Blink dann Züge eines Kinderbuches. "Die Kommunisten sind dafür, das private Eigentum abzuschaffen. Dafür werden sie oft kritisiert." Mehr dazu nach der nächsten Maus.

Für das Verständnis der Zusammenhänge führt am Original kein Weg vorbei. Um aber den Inhalt des Manifests kennen zu lernen und zu verstehen ist der Blink nicht nur vollkommen ausreichend, sondern vielleicht sogar besser, als das Original. Auf der letzten Seite folgt eine Zusammenfassung mit einer Kernaussage und einem Tipp zum Weiterlesen. Beim Manifest ist es ausgerechnet Hayeks "Der Weg zur Knechtschaft".

Auch als Hörbuch erhältlich

Vereinzelte Blinks gibt es als Hörbuch in bis zu 1,5-facher Geschwindigkeit. Der getestete Hörtext wurde deutlich und mit gleichbleibendem Tempo vorgelesen. Die unauffällige Betonung erinnert an die eingebaute Vorlesefunktion am Computer. Nach exakt drei mal 24 Stunden Testphase fällt die Bezahlschranke. Für 50 Euro pro Jahr gibt es alle 500 Bücher plus das Versprechen von 40 neuen Titeln pro Monat - also keine 10 Cent pro Buch. Für nochmal 30 Euro pro Jahr oben drauf gibt es die Hörbücher und eine Anbindung an Evernote und Kindle.

Fazit

Die Blinks mögen praktisch sein, aber ihnen fehlt die Wertigkeit, die man mit dem echten Buch vom echten Autor verbindet. Ein gutes Buch habe ich auf dem iPad und freue mich darüber, auch wenn ich es ewig nicht gelesen habe. Die Blinks dagegen sind Fastfood. Die McDonald’s-Version eines Gourmet-Burgers, wenn man so will. Schnell verschlungen und vergessen.

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