Meine Meinung: Zigarettenschachteln mit Schockbild runter vom Tisch!

Konstantin Görlich

Zigarettenschachteln tragen jetzt Schockbilder. Das soll der Gesundheit der Bevölkerung förderlich sein, sät aber Zwietracht am Mittagstisch. Unser (nichtrauchender) Autor möchte das nicht sehen.

Blutiger Auswurf, ein zerfallendes Raucherbein, gut geteerte Lungenflügel: Seit Mai prangen Schockbilder auf Zigarettenschachteln, um Tabaksüchtige vor dem abgebildeten Schicksal zu bewahren – nachdem sie die reichlich besteuerte Schachtel bereits gekauft haben.


Doch nun tut sich – nach den Debatten um die Sinnhaftigkeit der Bilder – eine neue Problematik auf, denn mittlerweile sind die Altbestände ohne Bild abverkauft und die bebilderten Schachteln im Alltag angekommen. Und auf dem Mittagstisch.

Wie bisher leert der Kollege – selbst in Lokalen mit Rauchverbot – seine Taschen aus und packt iPhone, Sonnenbrille, Geldbörse und Zigarettenschachtel in der Mittagspause auf den Tisch – letztere nun allerdings mit Schockbild.

Das wirft die Frage auf: Ist das noch sozialadäquat?

Zombiefilmerfahrung hin oder her – insbesondere als nichtrauchender Mitesser möchte ich die Splatter-Screenshots nicht neben Spaghetti oder Spanferkel auf dem Tisch sehen. Aber wie man die beidseitig illustrierte Schachtel auch dreht und wendet, ein Bild ist immer zu sehen. iPhone auf die Schachtel legen? Funktioniert, aber nur für ein paar Minuten. So wird ständig hantiert – und das gefährliche Genussmittel bekommt mehr Aufmerksamkeit als dem Gesundheitsminister lieb sein dürfte.

Also bitte, lieber Qualmkollege – wenn Du schon nicht mit dem Rauchen aufhörst, bevor Du selbst zum Schockbildmotiv wirst – pack doch wenigstens die Schachtel bei Seite. Wir können uns selbst vor dem Tabaktod retten.