Mein Papst: So reagieren Freiburger Priesteranwärter auf das neue Panini-Papstheft

Konstantin Görlich

Die neue Illustrierte des Panini-Verlages heißt "Mein Papst". Der Name ist Programm. Zielgruppe ist die Frau ab 40. Was passiert, wenn man das Heftle angehenden Priestern in die Hand drückt? fudder-Autor Konstantin Görlich hat das im Freiburger Priesterseminar ausprobiert. Die Reaktionen:



Bekannt wurde der Panini-Verlag mit Sammelbildheftchen, in Generationen junger und alter Fußballfans Portraits ihrer Idole klebten. Beckenbauer, Götze, Jesús. Jetzt wendet sich Panini an die “Kernzielgruppe Frauen ab 40”, und zwar mit dem Heft “Mein Papst”. Es ist das erste in Deutschland, in Italien gibt es solche Hefte schon länger. 70 Seiten Papst. Kein Witz. Im ganzen Heft kein einziger Papst-Witz. Aber über 70 Papst-Fotos.


Im Panini-Angebot steht der Papst neben Comics und Collectibles, im Bahnhofskiosk zwischen Freizeitrevue und Bild der Frau, wegen der Zielgruppe. In der ersten Verkaufswoche gingen hier schon gut 20 Hefte über den Ladentisch, und zwar an ein gemischtes Publikum jenseits der dreißig. Weil das so ist, probieren wir das ganze doch einfach mal mit Leuten unter 30 aus, die hoffentlich auch irgendwie papstaffin sind: im Collegium Borromaeum, dem Freiburger Priesterseminar.



Frederik Reith (26) und Julian Donner (28) sind Theologiestudenten und angehende Priester. Natürlich hatten die Jungs schon davon gehört, dass es das neue Heft geben würde. “Ich habe zuerst an ein Sammelheft für Sticker gedacht, als ich ‘Panini’ hörte”, sagt Frederik. “Klebebildchen für den Papst, das fand ich dann doch sehr befremdlich. Dass es eine Monatszeitschrift über den Papst als Einzelperson geben soll, finde ich aber auch …” er überlegt “... zumindest ungewöhnlich.”

Zack, Heft raus, Kritik.

Frederik lacht. “Lustig! Nicht dass ich solche Hefte kennen würde, aber es sieht aus wie die Zeitschriften, die bei meiner Oma auf dem Wohnzimmertisch liegen könnten. Mit Kreuzworträtseln und  - jetzt muss ich lachen: Reisetipps - Rezepte - Gesundheit - Deko-Ideen.” Hier trifft nicht nur Wissenschaft auf Boulevard, sondern auch die Generation Facebook auf ein gedrucktes Heft.

Amüsiert blättert er los, beginnt zu lesen, sucht Inhalte zwischen den vielen bunten Bildern. “Was mich interessieren würde ist, wie tiefgründig die Texte sind. Franziskus hält ja morgens seine Ansprachen, in denen er sehr tiefgründige Sachen sagt, und auch solche, die für europäische Ohren ungewöhnlich sind, zum Beispiel wenn er vom Teufel redet. Er ist überhaupt nicht der Wohlfühlpapst, das finde ich interessant an ihm, weil er gleichzeitig diese menschliche Nähe aufbauen kann.” Die baut auch das Heft auf. Nicht weniger als 70 mal ist Papst Franziskus zu sehen.



Mitten im Heft gibt es sogar ein Papst-Poster zum Heraustrennen. Vielleicht für die Studentenbude? Frederik: “Ich hab ein kleines Papstbildchen an der Pinnwand, aber sowas großes würd’ ich mir wahrscheinlich nicht aufhängen. Hauptsächlich, weil es nicht in die Ästhetik meines Zimmers passt.” Julian lacht: “Nein! Ich hab mein kleines Franziskusbild in der Gebetsecke stehen. Ich mag und schätze Franziskus für seine Art, aber ich würde ihn mir nicht so groß übers Bett hängen. Da gehört für mich das Kreuz hin.”

Das ist im Zimmer des Papstes nicht viel anders. Seine Wohnsituation in Rom wird ausführlich beschrieben und bebildert. Nichts Neues für Frederik: “Sein Zimmer! Das ist jetzt keine Neuigkeit mehr, aber hier wird’s nochmal aufgearbeitet, ok.” Er blättert weiter, noch immer auf der Suche nach Texten mit Tiefe. Erfolglos. “Oh, hier wird’s natürlich schwierig!” Er hat die Handschriftanalyse entdeckt. “Ja gut, das passt halt in so ein Heft. Ich frage mich, ob auch noch Horoskope drin sind, oder Psychotests.” Sind sie nicht, aber Rätsel. Viele Rätsel. Die aber inhaltlich nichts mit dem Papst zu tun haben. Genauso wie die Rezepte, immerhin zu Ostern. Und die Gesundheitsseiten. “Heuschnupfen! Das hat mit dem Papst gar nix zu tun.”

Schnell ist das dünne Heft verdaut. Das Fazit fällt diplomatisch aus. “Wir finden es nicht schlimm, oder gar häretisch. Ich kann mir aber vorstellen, dass es für manche schwierig ist, weil es das Papsttum trivialisieren könnte”, sagt Frederik. “Dieser Vorwurf wird ja auch an Franziskus herangetragen. Das hängt aber natürlich auch mit Vorstellungen zusammen, wie ein Papst sein sollte. Ein Papst fürs 21. Jahrhundert sollte vielleicht genau so sein!”



Schlimm finden sie das Heft aber nicht, wenn auch merkwürdig. Julian: “Es ist ja auch eine Form der Wertschätzung, dem Papst so ein Medium zu widmen. Auf den Gedanken wäre man vor 5 oder 10 Jahren nie gekommen!” Also bleibt dieses Exemplar der Erstausgabe von ‘Mein Papst’ im Collegium Borromaeum, als Geschenk. Frederik trocken: “Danke.”

Dann müssen beide lachen, vielleicht bringen sie es in ihre Bibliothek. ”Es könnte ja auch mal als Quelle dienen”, findet Frederik. “Vielleicht schaut sich das in 50 Jahren jemand an und schaut, wie damals der Papst in den Medien wahrgenommen wurde.” Julian: “Von wegen Exkulturation der Kirche! Über uns gibt’s ein Boulevardmagazin! Das zeigt doch, dass wir in der Mitte der Gesellschaft stehen, wenn es über den Papst eine Illustrierte gibt. Das find ich gut.”

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  [Fotos: Konstantin Görlich]