Die Studierenden von heute und die UB von morgen

Konstantin Görlich

Die neue UB der Uni Freiburg ist mitten im Umbau, die alte UB schon fast in Vergessenheit geraten. Trotz nur weniger Jahre Bauzeit ergibt sich für die Studierenden ein Generationenproblem: Sie müssen die Interessen der zukünftigen UB-Nutzer schon heute vertreten.



Ob es nun vier oder fünf Jahre dauert, sie ist gewissermaßen trotzdem ein Generationenprojekt: Die neue alte Universitätsbibliothek am Rotteckring wird seit September 2008 so weit zurückgebaut, daß aus und auf den dann noch übrigen Gebäudeteilen wieder eine der modernsten Bibliotheken der Welt entstehen kann. Die Uni Freiburg mal wieder auf gefühltem Weltniveau - obwohl auch in Zukunft wohl kaum ausreichend Lernplätze zur Verfügung stehen werden.


Bachelorstudierende des Jahrgangs 2008 werden weder die alte noch die neue Universitätsbibliothek während ihres Studiums benutzt haben. Sie kennen nur das Provisorium in der Stadthalle, welche von jüngeren Studierenden tatsächlich als „UB“ bezeichnet wird - was bei „alten Hasen“ anfangs Verwirrung auslöste, war „die UB“ doch schon längst eine Baustelle. Betreten verboten.

Erlebnisräume erfolgreicher und vergeblicher Lernanstrengungen hinter Bretterzäunen verborgen, das Inventar einst mehr oder weniger lebendiger Seminarräume verschrottet, die braunen Teppichböden der Lesesäle samt der klapprigen Lüftungsgitter an den Fenstern wahrscheinlich als Sondermüll entsorgt.

Nicht immer erschloß sich der Sinn einiger Einrichtungsmerkmale der "alten" UB auf Anhieb...


Quelle: YouTube

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Wenn es in nächster Zeit darum geht, die Flexibilität des Gebäudes, das ohne tragende Zwischenwände auskommt, mit Nutzungsmöglichkeiten und damit Leben zu füllen, dürfen die Studierenden den Informationsfluß und die Beteiligungsmöglichkeiten nicht bei einem einzelnen Vertreter im Bibliotheksausschuß versanden lassen.

Vielmehr müssen, da man die zukünftigen Studierenden logischer Weise nicht fragen kann, sich die heutigen Fachschaften einmischen, denn jeder Fachbereich hat teils erhebliche, teils ähnliche Anforderungen an eine Universitätsbibliothek, die ja für alle da ist: Jurastudierende sind die wahrscheinlich ruhebedürftigste Spezies, während in den seminarreichen Geisteswissenschaften Gruppenarbeitsmöglichkeiten wahrscheinlich eher gefragt sind und Mediziner nach allem was man so hört besonders vor Physikum und Staatsexamen auf eine ununterbrochene Kaffeeversorgung angewiesen sind.

Alle drei Bibliotheken - die „alte“ UB aus den siebziger Jahren, das Provisorium in der Stadthalle und die „neue“ UB Modell 2013 - werden nur ganz wenige Studierende zwischen Immatrikulation und Abschlußfeier benutzt haben können. Dafür muss man schon promovieren, oder einen letzten Jahrgang der auslaufenden Magisterstudiengänge erwischt haben. So werden nicht nur drei Rektoren sondern auch drei Büchertempel erlebbar. Lernoasen im Vergleich.

Genau dieser Vergleich fehlt in der Regel aber und kann auch durch Informationen über das, was da kommt und schon als Eisklotz oder notgelandetes Ufo bezeichnet wurde, kaum ersetzt werden. Es ist nunmal ein Generationenprojekt im Zeitraffer, kritisch begleitet von einer Studierenden(vertreter)generation, die am Tag der Eröffnung höchstens noch als vergilbtes Wahlplakat durch die Archive des u-asta geistert.

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