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Die Stadt Freiburg will die Pokéstops hinter dem Münster löschen lassen

Konstantin Görlich

Schlechte Nachrichten für Freiburgs PokémonGo-Spieler: Weil sie die Verkehrssicherheit gefährdet sieht, hat die Stadtverwaltung beantragt, dass die Pokéstops hinter dem Münster gelöscht werden.

Diese Szenerie kann tagtäglich beobachtet werden: Zeitweise weit über 100 PokémonGo-Spieler hocken in der Herrenstraße hinter dem Münster, und sammeln in friedlicher Eintracht massenweise Minimonster ein. Sie sitzen auf Bänken, Mauern und Brunnen, viele haben die Füße im Bächle. Im fudder-Dauertest haben wir beobachtet, dass an dieser Stelle praktisch immer Lockmodule im Einsatz sind. Nur hier haben die Spieler vier Pokéstops gleichzeitig in Reichweite.




Damit könnte es schon bald vorbei sein und Bewegung in die Spieler kommen, denn die massenhafte Jagd auf virtuelle Monster hinter dem Münster hat realweltliche Auswirkungen. Dieser Platz ist stadtweit der einzige, an dem es wegen des Spiels jemals Beschwerden aus der Bevölkerung gab: Zwei Stück gingen bei der Stadt ein, drei Mal wurde die Polizei gerufen.

Stadt will Pokémon-Hotspot löschen lassen

Polizeilich relevant ist das Spiel in Freiburg kaum: "In Freiburg haben wir derzeit nur ganz vereinzelt und wenige Einsätze wegen PokémonGo", sagt Dominik Hank vom Polizeipräsidium Freiburg. Eine Ruhestörung hier, eine verdächtige Person dort – die sich als Pokémon-Jäger entpuppt. "Deswegen spielt PokémonGo auch keine wirkliche Rolle im polizeilichen Alltag."

Die Stadtverwaltung sieht das offenbar etwas strenger – und hat beim Spieleentwickler Niantic die Löschung der Pokéstops im Bereich hinter dem Münster beantragt. "Der Vorschlag kam vom für Finanzen und Sicherheit zuständigen Dezernat IV. Grund waren aber nicht allein die beiden offiziellen Beschwerden", sagt Eva Amann vom Pressereferat der Stadtverwaltung.

Verkehrssicherheit als Argument

"Die Spieler treffen an der Stelle auch auf den Zulieferverkehr des Münstermarkts, da wird es für alle Seiten eng und die Verkehrssicherheit leidet. Es gab auch einige Fast-Zusammenstöße von Radlern mit ins Spiel versunkenen Spielern", sagt Amann. Spielverderber wolle man nicht sein – aber man müsse etwas für die Sicherheit aller Beteiligten tun.

Ob und wann hinter dem Münster wirklich Schluss ist mit der gemütlichen Pokémon-Jagd, kann die Stadtverwaltung nicht sagen – und auch nicht, ob die Pokéstops komplett gelöscht oder nur verlegt werden. Noch weiß niemand, wie lange Niantic für die Bearbeitung der gewiss zahlreichen Änderungs- und Löschanträge aus aller Welt benötigt. Bei Löschanträgen gegen Pokéstops in KZ-Gedenkstätten hatte Niantic innerhalb weniger Tage nach dem Deutschlandstart gehandelt.

Alternative in Laufweite

Unser Vorschlag für den nächsten Pokémon-Hotspot ist hingegen schon klar: der Colombipark. Hier gibt es immerhin drei Pokéstops auf ein Mal und weitere in direkter Nähe – und eine Wiese mit Brunnen! Rund um den herum, also auf der Wiese, hat man alle drei Pokéstops in Reichweite, wie ein fudder-Test ergab.

Wohin würden sich die Spieler begeben, sollten die Herrenstraße demnächst als Jagdrevier ausfallen? "Wahrscheinlich in den Colombipark", sagt der 23-jährige Julian Brunner. Er gehört zu den unzähligen Spielern, die mehrmals pro Woche hinter dem Münster spielen. Auch im Seepark gebe es Stellen, an denen man drei Pokéstops in Reichweite hat.

Lockmodule sieht man im Colombipark bisher fast nie. Warum gibt es hier nicht solche Spielermassen wie hinter dem Münster? "Der Colombipark ist einfach verrufen und es rennen abends viele Alkis und Drogendealer rum. Da haben viele Angst, ich zumindest", schreibt eine Spielerin in der Freiburger PokémonGo-Facebookgruppe.

Kann man da nichts machen?

Auch der Park rund um den Schwanenteich direkt am Leipziger Hauptbahnhof ist für seine Drogenszene stadtbekannt. Aber dann kam PokémonGo – und unzählige Spieler, die den Park bevölkern. Drei Pokéstops gibt es hier – und seither merklich weniger Drogendealer, wie die Leipziger Polizei örtlichen Medien gegenüber bestätigte.

Kann das auch in Freiburg funktionieren? "Uns liegen keine Erkenntnisse darüber vor, ob und wie sich das PokémonGo-Spielen in Freiburg auf die Drogenszene auswirkt", sagt Eva Amann. Auch die Polizei hat in Freiburg keine Verdrängungseffekte durch PokémonGo bemerkt, wie Dominik Hank bestätigt.

Aber was nicht ist, kann ja noch werden.