Traditionswurst

Die "Lange Rote" in Freiburg wird teurer – zumindest an zwei Ständen

Joachim Röderer

Sie ist begehrt, bekannt und beliebt bei Stammkunden wie bei Touristen: die Lange Rote vom Münsterplatz. An zwei Ständen kostet die Münsterplatzwurst jetzt 2,80 Euro, an drei anderen weiter 2,50 Euro.

Die Traditionsbrätereien Hassler und Meier haben den Preis für die Freiburger Spezialität um 12 Prozent auf 2,80 Euro erhöht. Der Wurststand Licht bleibt bei der klassischen Langen Roten im Weckle bei den bisherigen 2,50 Euro, hat aber andere Wurstspezialitäten auf 2,80 erhöht. Die Anbieter Schuler und Brunner wiederum halten den alten Preis.


"2,80 Euro – das ist nicht unverschämt." Metzgermeister Wolfgang Hassler
Metzgermeister Wolfgang Hassler, der seine Würste selbst herstellt, verweist auf die allgemeinen Preissteigerungen: Das Schweinefleisch sei deutlich teurer geworden, der Bäcker habe zuletzt zwei Mal beim Preis aufgeschlagen, Gewürze und andere Rohstoffe würden ihn mehr kosten. "2,80 Euro – das ist nicht unverschämt", findet er. 97 Prozent der Kundschaft fänden den Preis okay, so Hassler, dessen Familie seit 1964 auf dem Münsterplatz am Grill steht. Jan Meier von Meiers Wurststand winkt gleich ab: "Es gibt doch wichtigere Themen in der Stadt."

Höhere Kosten für Rohstoffe und Personal

Am Wurststand von Dirk Licht kostet die normale Lange Rote im Weckle weiter 2,50 Euro. "Das wird auch so bleiben, den Bürgern zuliebe", sagt der Metzgermeister. Er hat aber die Preise für die Rindswurst und die Bratwurst auf 2,80 Euro hochgesetzt. Die Lange Rote im französischen Baguette bleibt bei 3 Euro. Auch Dirk Licht spricht von gestiegenen Kosten, unter anderem fürs Personal.

Erst seit April ist der Wurststand Brunner auf dem Münsterplatz mit dabei. Betreiber Daniel Brunner ist zufrieden mit dem Geschäft, auch wenn natürlich die etablierten Kollegen alle ihre Stammkunden hätten. "Das braucht Zeit", so Brunner. Er bleibt denn auch weiter bei den 2,50 Euro – so habe man von Anfang kalkuliert und zuletzt hätten seine Lieferanten die Preise auch gehalten. Auch am Stand der Metzgerei Schuler auf der Südseite zahlt die Kundschaft weiter den bisherigen Preis.



Die Freiburger Wirtschaft Touristik und Messe (FWTM) hält die Erhöhung aufgrund der gestiegenen Personal- und Rohstoffkosten für vertretbar. So sei ein Fortbestehen der regionalen Qualität gewährleistet, sagt FWTM-Sprecherin Annika Reinke. Zuletzt waren die Preise im August 2014 (von 2,20 auf 2,50 Euro) und davor im Jahr 2010 (von 2 auf 2,20 Euro) angehoben worden.

"2,80 Euro – das geht schon in Ordnung", sagt der Freiburger Gastronom Michael Matzkeit, der gerade an einem der Stände sein Mittagessen gekauft hat. Zwei Männer, die nach eigener Angabe aber nur drei Mal im Jahr zum Wurstessen auf den Münsterplatz kommen, stört die Preiserhöhung ebenfalls nicht. Sie kämen jedes Jahr einmal nach Freiburg, die Lange Rote sei Pflicht, sagt ein Ehepaar aus dem Sauerland: "Wir sind im Urlaub, der Preis ist uns wurstegal."

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