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Die Hausbesetzungs-Castingshow: Freiburg sucht den Supersquat

Im Vorlauf der "Stadt selber machen"-Aktionstage produzieren Aktivisten aus der Freiraumszene eine eigene Video-Castingshow im Netz. Unter dem Titel "Freiburg sucht den Supersquat" wird das nächste Objekt der Besetzerbegierde ermittelt. Wer, wie und warum? Konstantin hat nachgefragt.

Supersquatsticker

Mit rosa Schrift auf pinkem Grund stechen derzeit einige Aufkleber ganz besonders aus dem Altpapiermeer, das unsere Ampelmasten ziert, hervor. Sie werben für „Freiburg sucht den Superquat“ – eine pseudo-interaktive Freiraumcastingshow. Abgestimmt wird auf supersquat.org, aber das letzte Wort hat die Jury. Fast wie im richtigen Leben.

„Es geht darum, die bestehenden Verhältnisse auf dem Wohnungsmarkt und überall in Frage zu stellen", bringen es die Aktivisten von P.H.A.Infotainment auf den Punkt. P.H.A. erinnert kaum zufällig an die Freirauminitiative „Plätze.Häuser.Alles“. Wenn vom 13. bis 17. Juli 2011 die „Stadt-selber-machen“-Aktionstage stattfinden, geht auch das Finale von „Freiburg sucht den Supersquat“ über die Videoportale.

Doch die Show, das merkt man schon beim Betrachten der Introfolge, ist anders, als die Originale aus dem Privatfernsehen: „Bei uns geht’s nicht darum, sich als möglichst konforme Schaufenstermarionette den Erwartungen des Marktes gemäß zu verwerten. Im Gegenteil: Wir wollen, dass möglichst viele Menschen selbstbestimmt leben können und wir uns die Voraussetzungen dafür selbst schaffen.“

Bei diesen Voraussetzungen handelt es sich um Freiräume. Davon gibt es in Freiburg schon einige, beispielsweise mehrere Wagenplätze, die seit über einem Jahr besetzte Gartenstraße 19 und ein großes, etabliertes Autonomes Zentrum, die KTS.

Das reicht nach Meinung der Aktivistinnen und Aktivisten nicht aus: „Es braucht mehr Freiräume, weil die gesellschaftlichen Zustände so gestaltet sind, dass Menschen sich allzuoft nicht frei bewegen können, nicht selbstbestimmt in Erscheinung treten können und sich nicht frei entfalten können. Freiräume dienen dazu, die überall vorherrschende Verwertungslogik grundsätzlich hinterfragen zu können und andere, freiere Organisationsweisen erfahrbar zu machen.“

Dabei soll es um mehr gehen, als sich an öffentlichen Orten aufhalten zu können, ohne dabei einen Kaffee kaufen zu müssen: „Menschen wollen Räume in ihren Stadtteilen, um sich zu treffen, auszutauschen und zu organisieren. Sie wollen diese Räume auch nach ihren Ideen und Vorstellungen gestalten können. Wir wollen, dass es für alle Menschen, auch und gerade für Flüchtlinge, Obdachlose und andere sozial Ausgegrenzte, verfügbare Räume für soziale Aktivitäten gibt: Proberäume, Ausstellungsräume, Werkstätten, Cafés, etc. Und natürlich einen Platz zum Wohnen.“

Mit der Wohnraumfrage stellen sie die Frage der Gentrifizierung. Die eingedeutschte „gentrification“ aus dem englischen kommt von der „gentry“, also etwa der Klasse der Landeigentümer, und bezeichnet die Aufwertung eines Wohngebietes durch Sanierungen, die mit drastischen Mietsteigerungen und dadurch auch einer Verdrängung der ursprünglichen Bevölkerung einhergeht. Das bekannteste Beispiel dürfte der Berliner Stadtbezirk Prenzlauer Berg sein.

Aber auch in Freiburg wollen die Freiraumaktivisten diese Entwicklung schon entdeckt haben. Sie greifen Oberbürgermeister Salomon an, der – bezogen auf Gewerbeimmobilien – sagte: „Freiburg ist so teuer, weil es attraktiv ist. Sorry, das ist eben Marktwirtschaft.“ Die Supersquat-Macher haben insbesondere Wohnimmobilien im Blick: „Auch eine 'effiziente' marktwirtschaftliche Stadtpolitik, deren Interesse dem Standortmarketing und nicht den Stadtbewohnern gilt, führt systematisch zu Aufwertung und Verdrängung.“

Außerdem gebe es in Freiburg systematische Aufwertungen ganzer Wohnviertel. Als Beispiele nennen sie das Quartier „westlich der Merzhauser Straße“, das sogenannte „Heldenviertel“. Hier würden die jetzigen Bewohner in Zukunft durchschnittlich 44% ihres Einkommens allein für die Miete aufwenden müssen. „Hier kann nur weiterhin wohnen, wer seinen Lebensstandard massiv einschränkt. Diese Verdrängung aus dem Lebensstil hat hohe soziale Kosten und ist eines der Glieder im Gentrifizierungsprozess.“

Ein Weg, diese Entwicklung zu stoppen, ist nach Ansicht der Aktivisten das Besetzen. Die Supersquat-Aktivisten meinen, man könne man sich Freiräume einfach nehmen, wenn man sie findet. Und genau da setzt ihre "Castingshow" an: „Bei Hausbesetzungen geht es nicht darum, dass sich einzelne Personen etwas aneignen, sondern dass Raum aus den Zwängen des Marktes befreit und der Gesellschaft zugeführt wird und somit alle daran teilhaben können.“

Ihr Vorgehen ist für die Aktivisten mehr als ein kalkulierter Rechtsbruch; sie wollen ihr Handeln als fundamentale Systemkritik verstanden sehen: „In unseren Zusammenhängen versuchen wir, direkt und selbstbestimmt zu handeln. Anstelle derFremdbestimmung durch eine starre Rechtssprechung, die stets bestehende Macht- und Eigentumsverhältnisse festschreibt und reproduziert, geht’s uns um die Etablierung freier Vereinbarungen, die ein solidarisches Zusammenleben ermöglichen. Dass das funktioniert, sehen wir immer wieder an bestehenden Freiräumen und solidarischen Strukturen.“

Ist die Freiraumshow also ein Aufruf zu Straftaten? „Uns ist vollkommen bewusst, dass nach geltendem Recht Hausbesetzungen eine Straftat darstellen. Es könnte aber auch anders sein. Beispielsweise sind Gesetzesübertretungen als politisches Mittel bei Castortransporten, dem Protest gegen Stuttgart21, bei der Blockade von Nazi-Demonstrationen oder in anderen Bereichen schon längst gesellschaftlich etabliert. Warum also nicht auch bei Hausbesetzungen?“ Mehr dazu   




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Kommentare
Anzahl der Kommentare: 44
 

supersquat-seite ist down und der absatz, der mit "Aber auch in Freiburg haben die Freiraumaktivisten die Gentrifizierung schon entdeckt, und zwar auf zwei Ebenen." beginnt, endet mit einem abgeschnittenen satz.

äh, um inhaltlich was zu sagen bin ich gerade zu matschig.

Montag, 04.07.11 12:31
 

ich finds richtig und wichtig.

Montag, 04.07.11 12:53
 

grins. dafür.

Montag, 04.07.11 13:20
 

merci für den hinweis, phh. hab beim entfernen von doofen html-fetzen ein wort rausgeschnitten.

Montag, 04.07.11 13:21
 

(und die seite ist up.)

 

ich schwöre dass sie vorhin für mich nicht aufzurufen ging :/

Montag, 04.07.11 14:09
 

bei mir geht se au ned


Vivien hat den Kommentar am 04.07.2011 um 14:10 bearbeitet
Montag, 04.07.11 14:11
 

@ go eat a bag of burgers 1stworld swine:
"äh, um inhaltlich was zu sagen bin ich gerade zu matschig."

Liegt es vielleicht am Inhalt entsprechender Seiten und Videos?

Montag, 04.07.11 14:16
 

auch bei verständnis für den wunsch nach bezahlbarem wohnraum, wobei sich die frage stellt wo bezahlbar anfängt oder aufhört, ist die aussage zu "gesetzesübetretungen als politsiches mittel etabliert" sehr grenzwertig"

Montag, 04.07.11 14:17
 

Versteht eigentlich irgendeiner von denen, was sie da so ablassen? Und glauben sie ernsthaft der durchschnittliche Bürger versteht das auch??

"... dass nach geltendem Recht Hausbesetzungen eine Straftat darstellen. Es könnte aber auch anders sein. Beispielsweise sind Gesetzesübertretungen als politisches Mittel bei Castortransporten, dem Protest gegen Stuttgart21, bei der Blockade von Nazi-Demonstrationen oder in anderen Bereichen schon längst gesellschaftlich etabliert. Warum also nicht auch bei Hausbesetzungen?"
Schön, dass dabei Äpfel mit Birnen verglichen werden und man darauf vertraut, das merkt sowieso keiner und man so die eigene egoistischen Selbstverwirklichung auf Kosten anderer legitimiert bekommt.

Wenn einer von denen in meiner Wohnung oder der meiner Angehörigen aufkreuzt, werde ich in dem Zusammenhang "direkt und selbstbestimmt" vorgehen, meine Interessen vertreten, und ihn "nur" raus schmeißen, wenn er Glück hat ... wenn er Pech hat, nicht unbedingt aus der Tür ...

Montag, 04.07.11 14:19
 

äh, es geht doch nicht drum, bei deinen grosseltern aufm sofa ein zelt aufzuschlagen...die schlussfolgerung macht aus dem apfel ne milchtüte.

Montag, 04.07.11 14:47
 

Naja die Aktionen wie Gleise schottern oder Bauzäune umwerfen bleiben Straftaten. Mag sein, dass es ein Verständnis gibt, aber angezeigt wird das trotzdem. Da haben die Herren und Damen der PHA Kampagne wohl was mißverstanden.

Aus Unrecht wird nicht Recht, auch wenn es viele machen ...

Montag, 04.07.11 15:04
 

Habe noch ein paar weitere Links gefunden, die so unterwegs sind, könnten auch noch an den Artikel:

Supersquat auf Facebook:
https://www.facebook.com/pages/Freiburg-sucht-den-Supersquat/244745752218667

P.H.A. Infotainment:
https://identi.ca/phainfotainment oder https://twitter.com/phainfotainment

Außerdem ist auf supersquat.org eine Vollversion des ursprünglichen Interviews zu sehen, offensichtlich war das Fudder zu lang (steht da jedenfalls):
http://supersquat.org/node/12

Montag, 04.07.11 15:04
 

Mit dem Argument kriminalisiert man auch die Proteste in Wyhl damals hier in der Gegend, die Wende in der DDR, die Proteste in Nordafrika, und die Boston Tea Party - um nur ein paar Beispiele zu nennen.


christianhauck hat den Kommentar am 04.07.2011 um 15:06 bearbeitet
Montag, 04.07.11 15:10
 

"Versteht eigentlich irgendeiner von denen, was sie da so ablassen?"
Ja.

"Und glauben sie ernsthaft der durchschnittliche Bürger versteht das auch??"
Nun, das ist die entscheidende Frage: Wenn der durchschnittliche Bürger sein borniertes, auferlegtes Verständnis von Freiheit und Selbstbestimmung weiterhin pflegen mag, dann vielleicht nicht. Aber die Erfahrung zeigt: Sobald Menschen den ganzen sozialisierten Ballast abwerfen und mal wirklich nachdenken, sieht die Sache aus. Verständnis muss mensch sich erarbeiten.

"eigene egoistischen Selbstverwirklichung"
Wie kommst du darauf, dass es darum geht? Seit wann ist ein offenes Stadtteilzentrum oder Wohnraum für alle Menschen, auch und insbesondere üblicherweise ausgegrenzte soziale Gruppen, "egoistische Selbstverwirklichung"?

Es geht um die Ermöglichung eines selbstbestimmten Lebens für alle Menschen.

Und: Es geht nicht darum, irgendwelche Menschen aus ihren Wohnungen zu schmeißen. Wie du darauf kommst bleibt wohl offen. Es geht darum, Leerstand zu nutzen anstatt ihn brachliegen zu lassen. Und es geht darum, unseren öffentlichen Raum, die verfügbaren Häuser und Plätze, so einzurichten, dass sie menschlichen Bedürfnissen dienen und nicht egoistischer, individueller, letzlich strukturell notwendig definierter Gewinnmaximierung.

Ich empfehle zur Einstiegslektüre einen Text, den ich gerade auf supersquat.org gefunden habe (ist wohl das ursprüngliche Interview mit Fudder): http://supersquat.org/node/12
Da wird ausführlicher argumentiert als hier im Artikel.

Montag, 04.07.11 15:14
 

Neid der Besitzlosen (aka Nichtwohnungs/Hausbesitzer) - bissl dreist die Sache und für mich arg grenzwertig! Sehe Probleme wegen Aufruf zu Straftaten!

Aus Unrecht wird nicht Recht, auch wenn es viele machen ... sei hier mal eingeworfen.


vdp1100 hat den Kommentar am 04.07.2011 um 15:15 bearbeitet
Montag, 04.07.11 15:15
 

Bei mir geht der link auch gerade nicht. Google cache hat manche der Seiten, nicht alle von supersqat.org

 

sozialisierung hat jetzt auch den einen oder anderen vorteil, genauso wie ballast, der finde ich in der umgangssprache zu unrecht schlecht wegkommt, weil er technisch gesehen extrem wichtige stabilisierungs- und gewissermaßen erdungsfunktionen erfüllt und ohne alles ziemlich instabil wird - schiffe -, unlenkbar wird - heißluftballons - oder mit durchdrehenden reifen aus der kurve fliegt - autos :)

insofern ist deine verwendung des wortes natürlich erhellender als dir u.u. selbst klar war.

hups @pinkeaktivistin

worauf ich alles in allem hinaus will ist ich will die aktionen gut finden aber ich kann es nicht so richtig.


go eat a bag of burgers 1stworld swine hat den Kommentar am 04.07.2011 um 15:17 bearbeitet
Montag, 04.07.11 15:17
 

"Aus Unrecht wird nicht Recht, auch wenn es viele machen ..."
Haha. Als nächstes folgt dann "Was damals Recht war..."..? Ein blinder Rechtspositivismus, also der unhinterfragte Bezug auf die bestehenden, sozialisierten, blind übernommenen Regeln und Gesetze, steht Selbstbestimmung entgegen, denn diese meint ja gerade die Auseinandersetzung und Reflexion über diese uns von irgendwem auferlegten Regeln - und eventuell eben auch ihren Bruch. So funktioniert ziviler Ungehorsam (der sogar rechtlich kodifiziert ist, siehe Grundgesetz) und so funktioniert auch die Direkte Aktion als Form der Selbstermächtigung.

Die Frage ist doch: Woher kommt das Recht? Und dient es wirklich dem Ziel, Menschen ein freies und selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen? Oder ist es in seiner gesamten Struktur nicht vielmehr darauf ausgelegt, bestehende Machtverhältnisse fortzuschreiben, das sogenannte "Privateigentum" an Wohnraum, in dem der Eigentümer gar nicht wohnt, zu garantieren und damit einen Großteil der Menschen willkürlichen Marktzwängen auszusetzen, anstatt den verfügbaren Raum so einzurichten, dass sich Menschen dort frei entfalten können?

Montag, 04.07.11 15:18
 

@ pinke aktivistin: Egal, wieviel Links Du hier noch einstellen magst - immer der gleiche unverständliche Brei.

Und auch Anschauung vor Ort bringt einem nicht weiter: Selbstbestimmtes Leben zeigt sich in Müll, Dreck, Lärm, nicht nutzbaren Gehwegen etc. Kultur? Das ist allenfalls die Kultur eines Kinderzimmers, dessen Bewohner gerade in die Pubertät gekommen ist.

Montag, 04.07.11 15:20
 

@ ja/nein: Wenn ich gerade mal nicht zu hause bin, z.Z. ist gerade Urlaubszeit, dann wird meine Wohnung besetzt, weil sie "länger" leer steht ... oder wo zieht "man" da die Grenze? Das steht da leider nicht.
Gilt der Aufruf auch für Mietwohnungen, die leer stehen, weil der neue Mieter noch nicht eingezogen ist, oder man noch keinen hat? Plötzlich hockt da ein Squat drin und protestiert? Danach ist dann erstmal wieder renovieren angesagt, auf eigene Kosten selbstverständlich. Und weil sie da natürlich auch leer steht kommt gleich der nächste, na klasse.

Mit Äpfel und Birnen meine ich, ihre Beispiele sind sog. bürgerlicher Ungehorsam und Demonstrationsrecht und eigentlich vom Grundgesetz geschützt.
Zu dem was sie aufrufen, das ist Hausfriedensbruch, Einbruch und u.U. auch noch Vandalismus und Sachbeschädigung. Und das sind nunmal Straftaten.

Montag, 04.07.11 15:21
 

@pinke aktivistin,

glaubst Du eigentlich selbst an das was Du da verzapfst? Unverständlicher, langweiliger Brei den Du von Dir gibst - klingt für mich nach Gehirnwäsche und wenig eigenständigem Denken.

Ich hab noch immer ne Zweitwohnung in FR, für mich einfach wichtig und ich habe dafür bezahlt. Wenn die Wohnung nun von Deinen Gesinnungsgenossen aufgebrochen und besetzt würde? Wäre in kurzer Zeit die Polizei vor der Tür - Aufruf zu Straftaten finde ich lästig und unerhört!


vdp1100 hat den Kommentar am 04.07.2011 um 15:23 bearbeitet
Montag, 04.07.11 15:23
 

@go eat a bag...:
Natürlich erfüllt die Sozialisierung eine fundamentale Funktion: Die Schaffung einer Lebenswelt, von Sicherheit im sozialen Umgang, etc. Es geht ja auch nicht um das Umwerfen all dessen, was uns auf den Weg gegeben wurde. Vielmehr meinte ich mit "Ballast abwerfen" erstens die Erkenntnis, dass eben all diese sozialisierten Werte, Normen, Verhaltensweisen menschengeschaffen sind und damit kontingent - also dass sie eben auch ganz anders beschaffen sein könnten. Auf dem Weg zu einem selbstbestimmten Leben ist eine gewisse Instabilität sicherlich inbegriffen, die Dekonstruktion fremdbestimmter und eingegrenzter Identitäten (z.B. Heteronormativität, Mann=Brotverdiener, etc) bedroht bestehende Institutionen sicherlich in ihrer Stabilität. Kurz: Jede Veränderung heißt, im Blick auf bestehende Strukturen, Instabilität. Es geht um die Form der Veränderung, nicht um die damit einhergehende temporäre Instabilität, meiner Meinung nach. Instabilität heißt ja nicht Chaos (ein leider allzu üblicher Trugschluss).

Montag, 04.07.11 15:29
 

@vdp1100:
"glaubst Du eigentlich selbst an das was Du da verzapfst?"
Ja, sonst würde ich nix schreiben.

"Unverständlicher, langweiliger Brei den Du von Dir gibst - "
Langweilig, mhm. Wenn die Reflexion darüber, was unser Handeln bestimmen soll und was nicht (also die Frage, in wie weit "Recht&Ordnung" der Maßstab unseres Handelns sein sollte), wenn das langweilig ist, OK, dann brauchen wir uns nicht länger zu unterhalten.

Unverständlich: Kann natürlich passieren, dass Begriffe nicht ausreichend erörtert werden, insbesondere, wenn von der anderen Seite bislang keine wirkliche Gedanken darüber erfolgten. Aber daher diskutieren wir ja hier.

"klingt für mich nach Gehirnwäsche und wenig eigenständigem Denken"
Für dich. Woher kommt diese Annahme? Vielleicht liegt es an der weitverbreiteten Abneigung gegenüber jeglichem Denken, das die bestehenden Strukturen grundlegend hinterfrag: Sich also nicht nur spezifischen Symptomen widmet, sondern versucht, die entscheidenden Kernpunkte, die unser soziales Leben strukturieren, herauszufiltern und dort ansetzen.

Montag, 04.07.11 15:32
 

Das "Recht" ist nichts absolutes, sondern es wird gemacht. Und plötzlich hab ich nicht mehr das Recht mich an die Dreisam zu setzen weil da jetzt ein privates Cafe steht. Gut, ich kann ja ein paar Meter weitergehen. Aber das ist erst der Anfang, anderswo gibt es praktisch gar keinen öffentlichen Raum mehr. Ich hab nicht mehr das Recht mit Trommeln für sofortigen Atomausstieg zu demonstrieren. Ich soll nicht mehr zu jeder Zeit das recht haben im Internet jederzeit überall hinzugehen wo ich will ( virtueller Raum, anderes aber verwandtes Thema).

Genug der Beispiele.

Also - was tun wenn das Rechtssystem dazu gebraucht wird die Werte für die unsere Vorfahren gekämpft haben einzuschränken? Oder wenn neue Möglichkeiten die sich ergeben blockiert werden?


christianhauck hat den Kommentar am 04.07.2011 um 15:34 bearbeitet
Montag, 04.07.11 15:55
 

Freiburg. Stadt der langweiligen Aktivisten.
Freiburg sucht den Supersquat? For fuck's sake!

Montag, 04.07.11 16:05
 

ein instabiles haus ist zwar kein chaohaus, aber es besteht die grosse gefahr das es zusammenbricht.
da kann man nur hoffen das nicht gerade hausbesetzer oder wohnraumbeschaffer drinnen waren....

Montag, 04.07.11 16:21
 

jedes leben ist bewegung. weiterzukommen, fortschrittlich zu sein, schließt bewegung, veränderung, mit ein. wie pink schon richtig bemerkte, gibt es in jeder veränderung, in jedem lebensprozess (ännewäg ob es um ein leben im gesamten, erlbete tage oder auch die weiterentwicklung der tausendfüßler nordamerikas geht) kardinale, fixe und labile bereiche. das ist natürlich, das "gehört so", im gegnteil: ohne dies kein leben.

was an vorangegangenem unverständlich sein soll, wüßte ich gerne. ich vermute dahinter schlicht den unwillen, sich mit dingen auseinanderzusetzen, in denen gewisse, vom "otto-normalverbraucher" tabuisierte schlagworte vorkommen. das finde ich sehr schade.

vollste zustimmung gegenüber christianhauck.

Montag, 04.07.11 16:51
 

Das Wohnungen in attraktiver Lage aufgewertet werden liegt doch in der Natur der Dinge.

Wem es im Prenzl Berg zu teuer ist kann ja ins Märkische Viertel. In Freiburg haben wir Weingarten.

Montag, 04.07.11 17:10
 

Das ist nicht "Natur", das ist "Kultur", das ist gemacht und es kann / könnte auch anders sein.

Ich konstruier mal ein Beispiel: Freiburg verkauft die städtischen Wohnungen an eine amerikanische Investmentgesellschaft, die geht pleite, die Wohnungen werden weiterverkauft, Fundamentalisten aus Saudi Arabien kaufen sie und bauen die Hausordnung nach islamischem Recht um.

In dem Haus wo ich gerade bin sind keine Tiere erlaubt und Rauchen ist verboten. Besuch muss sich unten beim Wachmann in ein Buch eintragen. Und und und und und ...

Montag, 04.07.11 17:31
 

„Bei uns geht’s nicht darum, sich als möglichst konforme Schaufenstermarionette den Erwartungen des Marktes gemäß zu verwerten. Im Gegenteil: Wir wollen, dass möglichst viele Menschen selbstbestimmt leben können und wir uns die Voraussetzungen dafür selbst schaffen.“

Ach, Menno. Und ich hab mich grad auf die Ausscheidungsshow gefreut. "Tut mir Leid, Lisa, wir haben heute keine zerbrochene Bierflasche für dich."

Bei dem Gedanken an eine Castingshow für Hausbesetzer muss ich einfach erstmal lachen, weil es mich zuerst an eine Szene aus Switch-Reloaded erinnert. Ich hoffe den Veranstaltern ist klar, dass es in vielen WGs lange Diskussionsrunden darüber geben wird, welche "Challenges" es für die Bewerber geben sollte. Sonst ist es wirklich ein wenig tragisch.

Montag, 04.07.11 17:41
 

Die grundkritik mag ja auch richtig sein, gegen den kapitalismus. aber ich glaube das gerade gruppierungen wie rhino viel zu wenig rückhalt haben. durch ihre aktionen verschrecken sie den "otto-normal-bürger" anstatt ihn wachzurütteln.

ich habe ja jetzt schon einige demos mitverfolgt und oft war da der schwarze block und besoffen rumtanzende personen. was bietet so ein auftreten denn für möglichkeiten sich mit der sache zu identifizieren, wenn man selber vielleicht den zwang verspürt jeans, t-shirt tragen zu müssen??
ich kann mich mit den leuten einfach nicht identifizieren, da mögen sich noch soviele anliegen haben, die wichtig sind.

Montag, 04.07.11 17:50
 

@Silberwolf:
eigentlich hat pinke aktivistin schon alles erläutert, christianhauck hat es noch mal von der anderen seite verständlich gemacht.
es geht nicht um terror, niemand lauert hinterm briefkasten und schlüpft durch die tür, wenn du das haus mit dem koffer in richtung urlaub verlässt.
es geht um uns alle und soll FÜR uns alle sein, nicht "die kleinen" gegeneinander während "die grossen" sich vor lachen höchstens verschlucken, sonst aber in ihrer parallelgesellschaft nicht viel zu befürchten haben.

Montag, 04.07.11 17:57
 

hm. aber geht es nicht "den leuten" nicht eben genau darum, dass z b jeder sich so kleiden kann, wie er will? ich denke nicht, dass "diese Leute" dich aufgrund deiner kleidung ablehnen würden.zweites treffen mit christianhauck, äusserst konform (mit dunkelroten v-ausschnittpulli und dunkler, gerader jeans)gekleidet, hatte ich auf dem schattenparkerplatz. ich finde deine sichtweise traurig klischéeisierend. :)

@friederike: dass die bewerber aber ob-, nicht subjekte sind, hast du verstanden?


tanz^terra^pi hat den Kommentar am 04.07.2011 um 17:58 bearbeitet
Montag, 04.07.11 17:59
 

@ja/nein: aber wieso haben die leute von rhino oder pha dann so wenig anhänger? irgendwie müssen die an ihrer öffentlichkeitswirksamkeit ja auch arbeiten, aber das scheint ja nur bedingt zu glücken.
das keiner froh ist über die bänker und anderen leuten, die sich die taschen voll machen, ist ja klar, aber ich fühl mich trotzdem nicht von solchen vertreten, die häuser besetzen. oft genug wurde ja auch eigentum von kleinen leuten besetzt, sicher nur kurz und partymässig, aber damit werden die heuschrecken sicher nicht getroffen.

Montag, 04.07.11 18:00
 

was mich mal interessieren würde, es geht ja bei der ganzen aktion um bezahlbaren wohnraum.
wurde denn bisher während einer initiativnutzung eine "angemessene miete" an die besitzer entrichtet ?
und wer bitte entscheidet denn was angemessen ist ?
ausserdem würde mich mal interessieren wer von den leuten hier, wenn sie in urlaub fahren bereit ist, für ein hotel oder einen campingplatz in schöner lage, mehr zu zahlen als für einen neben der autobahn.

Montag, 04.07.11 18:05
 

ne ich verbiete den leuten ja nicht ihr aussehen und ich lebe nicht in klischees, aber wieso sollte ich mich mit leuten identifizieren, die auf ihren demos besoffen und aggressiv sind? die letzte rhino demo hat das ja gezeigt, da haben sich polizei und demonstranten mal ordentlich durch die gegend geschuckt. da will ich mich kaum dem demozug anschließen wenn es eh aufs dach gibt. Ich glaube einfach, dass die leute von rhino und pha einfach eine krasse oder auch radikale meinung vertreten, die in ihrem grundanliegen richtig ist, aber einfach nie massentauglich und damit konsensfähig sein wird.

Montag, 04.07.11 18:19
 

Es gibt viele Dinge in der Welt die werden nur über Geld geregelt. Und andere überhaupt nicht. Und andere - ein wenig.
Aber vieles ist - oft aus guten Gründen, manchmal auch aus schlechten - dem reinen Markt entzogen.

Auf vielen Gruenden, ich nenn mal zwei:

Der eine ist: es ist eine anderer Dimension, es passt einfach nicht. Beispiele: Schuld vor Gericht soll mit richtig/falsch zu tun haben, nicht mit reich/arm. Die bessere Fussballmannschaft soll gewinnen, nicht die reichere. Einen Doktortitel soll man sich erarbeiten, nicht kaufen.

Der andere Grund ist: zur Menschenwürde gehört eine Grundversorgung, und dann gibt es Extras darüberhinaus. Also dass jeder eine Bleibe hat und Essen und politischen Einfluss und noch mehr hat sollte in einer reichen fortgeschrittenen Gesellschaft wie unserer kein Thema mehr sein.
Und meine Büchersammlung und der neueste Elektronikschnickschnack und Chapagner und Kaviar und die VIP Lounge ist Luxus und mein Privatvergnügen.

Und dazwischen ist es halt spannend. Gesundheitsversorgung? Subventionierte Lebensmittel? Freier Zugang zu Bildung? Lebensraum?

Und das ist eine politische Auseinandersetzung, keine Gott- oder Naturgegebenheit.


christianhauck hat den Kommentar am 04.07.2011 um 18:20 bearbeitet
Montag, 04.07.11 18:44
 

ich war auf der rhinoparade. von anfang bis ende. mit meinem sohn im kindergartenalter. auseinandersetzung m d polizei gab es, da einzelne ausfällig (auch auf die route bezogen) wurden. nicht, weil "die parade" besoffen oder agressiv gewesen wäre. kommt es zu solchen situationen (egal ob dort, in der innenstadt oder beim fussball), ziehe ich mich als aufmerksamer bürger (mit den kindern natürlich besonders, aber auch wenn ich alleine bin) zurück.

ich bin der ansicht, dass leute, die z. b. auf einer der freiburger wagenburgen leben, vllt auch bezüglich eines squates, wahrscheinlich in höherer prozentzahl dazu bereit sind, solcherlei aktionen zu unterstützen. oder auch "durch ihren lebenswandel deutlicher auf gewisse dinge aufmerksam machen/gegen bestehende systeme, welche ja nicht durch ihr bestehen alleine gerechtfertigt sind, hinweisen " oder so ähnlich.

im umkehrschluss davon auszugehen, dass alle, die nicht aktiv an der planung und durchführung solcher aktionen beteiligt sind, zufrieden sind mit den punkten, welche in diesem fall hier von P.H.A. angeprangert werden, ist noch nicht mal als mathematische gleichung betrachtet richtig.

wenn du nicht zufrieden bist, gerne jeans und tshirt trägst (oder was eben auch immer): bist du bestimmt herzlich willkommen. veränderung, wachstum leben von diskusion, von aktion. also tue etwas. vorzugsweise etwas anderes, als nur an vorhandenem zu mäkeln. :)

Montag, 04.07.11 18:55
 

schließe mich an, die bassparade war eine schöne & friedliche, sehr lustige angelegenheit. davon ausgenommen allerdings die honks, die gegen ende noch das konzept mit ihrem ego kaputtmachen mussten. das solln die aber unter sich klären, genügend plenen gibts ja wohl @ offtopic.

Dienstag, 05.07.11 08:21
 

Ja dann sieht man sich das nächste Mal

Dienstag, 05.07.11 10:36
 

BildZeitung.online/+++Stadtmeldungen+++/05.05.2026 dcd:

Die letzte Eskalation der Gewalt in den SozialGHETTOS Freiburgs führte zu einer Isolation der Stadtbezirke Weingarten und Haslach durch die erst kürzlich verstärkte Garnison Müllheim.
Diese mittlerweile auch Kleinwarschau genannten Viertel sind seit Jahren nicht mehr polizeilich zu kontrollieren, darum beschloß der Stadtrat bereits 2020 zum Schutz der sozio-ökonomischen Stadtsphäre deren partielle Isolation.
Sozialhilfeempfängern, illegal Studierenden und Tagelöhnern wurde der Zugang zu anderen Stadtbereichen aufgrund des hohen Kriminalitätsrisikos untersagt.

Seit der Abschaffung der Sozialhilfe vor 2 Jahren jedoch greifen die Unruhen nun wieder verstärkt auf angrenzende Stadtteile über. De Zahl der Opfer der derzeit 16 Bombenattentate und weiteren Übergriffe krimineller Banden und neokommunistischer Guerrillas übersteigt die Tausend.

Der Stadtrat unterstreicht angesichts der militärischen Maßnahme die Weitsicht der damaligen räumlichen Befriedung durch Entzug der Gelder und Einzäunungsmaßnahmen.


http://www.original-freiburg.de (Delikatessen, gaaanz unten)

Dienstag, 05.07.11 10:50
 

SpitzenQuote:

Freiburg ist so teuer, weil es attraktiv ist. Sorry, das ist Marktwirtschaft.

Antwort:

Du bekommst einen Farbbeutel an den Kopp, weil Luxusgrün einfach eintönig ist. Sorry, das ist Widerstand.


Dienstag, 05.07.11 14:54
 

Es ist ja schon ein Gesetz der Natur:
Wenn grünes zu lange an einer Stelle liegt, wird es irgend wann mal schwarz.

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