Nach Gruppenvergewaltigung

400 AfD-Anhänger und 2000 Gegendemonstranten ziehen durch Freiburg

Auch für das demonstrationsgewohnte Freiburg war es ein besonderer Abend: Bei gleich drei Demos standen sich nach Schätzungen der Polizei gut 400 Anhänger der AfD und insgesamt rund 2000 Gegendemonstranten gegenüber. Die Polizei hielt beiden Lager auseinander.

Auslöser war die Vergewaltigung einer jungen Frau vor rund zwei Wochen durch mutmaßlich acht Täter, davon sieben aus Syrien. Die Polizei leitete die Demonstrationszüge möglichst reibungslos aneinander vorbei, bis auf ein paar Rangeleien verlief der Abend friedlich.


Gegen 18.30 Uhr ist auf dem Bertoldsbrunnen kein Durchkommen mehr. Rund 1500 Menschen, darunter auffallend viele junge, stehen dicht an dicht, halten Plakate in die Höhe, warten. Die Initiative "Aufstehen gegen Rechts" hat mobilisiert. Die, auf die sie warten, sind bereits abgebogen: Statt die Kajo entlang geht der Demonstrationszug der AfD mit etwa 400 Teilnehmern durch die Gerberau über die Herren- und Wasserstraße zum Rathaus. Die Polizei hält die Demonstranten mit vielen Beamten auseinander, auch mit berittenen.


Derweil läuft auf dem Platz der Alten Synagoge eine Kundgebung, zu der der ehemalige Stadtrat Sebastian Müller aufgerufen hat. Auch OB Martin Horn redet vor 300 bis 400 Menschen bei strömendem Regen: "Wir wollen hier ein klares Zeichen setzen gegen jede Form von sexualisierter Gewalt gegen Frauen, egal welcher Herkunft die Täter sind." Die Straftaten dürften nicht instrumentalisiert werden, egal von welcher Seite.

Die Frauenbeauftragte der Stadt, Simone Thomas, sagt, Gewalt gegen Frauen sei ein weltweites Problem und natürlich auch eines in Freiburg. Und Gewalt gegen Frauen sei kein Flüchtlings-, sondern ein Männerproblem. Natürlich gebe es unter den Tätern auch geflüchtete Männer, die aus patriarchalen Gesellschaften kommen und ein anderes Frauenbild hätten. "Und diese Männer müssen sofort lernen, dass Frauen in einer gleichberechtigten Gesellschaft genauso viel wert sind wie Männer und genauso viel Respekt verdienten. Jeder Mensch hat das Recht auf körperliche Unversehrtheit." Zustimmender Applaus.

Die AfD sieht das völlig anders. Der Landtagsabgeordnete Stefan Räpple, der zur Demo aufgerufen hatte, ruft auf dem Rathausplatz: "Wir müssen unser Land, unsere Freiheit und unsere Frauen schützen. Wir brauchen Sicherheit in Freiburg". "Merkel muss weg", gellt es auf dem Rathausplatz, und "abschieben, abschieben", skandieren seine Zuhörer, einige schwenken Deutschlandfahnen.


Der Polizei gelingt es, ein Aufeinandertreffen der Gruppen zu verhindern. In der Merianstraße kommt es zu Rangeleien, die Polizisten drängen Demonstranten zurück. Trotz anders lautender Meldungen in den sozialen Medien: Niemand ist verletzt, sagt die Polizei. Gegen 20.30 Uhr lösen sich die Demos auf. Die Stimmung unter den Gegendemonstranten ist ausgelassen: Statt "Hejo, spann’ den Wagen an" singen sie "Hejo, leistet Widerstand".

Nachtrag: Die Freiburger Polizei meldete noch in der Nacht zum Montag, dass nach neuestem Stand drei Polizeibeamte – ohne Einwirkung Dritter – leichte Verletzungen erlitten hätten. Von vier Personen seien wegen des Verdachts von Verstößen gegen das Versammlungsgesetz und "anderer Straftaten" die Identität festgestellt worden. Zwei Personen haben laut Angaben der Polizei "Verletzungen aufgrund polizeilicher Maßnahmen" gemeldet.
Kommentar: Schon wieder in Freiburg, schon wieder Demonstrationen aus einem Anlass, der die Stadt erschüttert. Die Freiburger Stadtgemeinschaft reagiert besonnen – und stellt sich gegen sexualisierte Gewalt und Rassismus.