15 Gründe, warum Straßenbahnfahren in Freiburg nervt

Konstantin Görlich

Seit über 113 Jahren gibt es nun schon Straßenbahnen in Freiburg, und noch immer haben es einige nicht gelernt, sie ohne Ärgernisse zu benutzen. Hier sind 15 Dinge, die fudder-Autor Konstantin Görlich beim Bahnfahren aufregen:



1. Der Ausstiegsnahkampf

Dieser internationale Nahverkehrsklassiker funktioniert auch in Freiburg hervorragend. Du willst aussteigen, jemand will einsteigen. Er wartet genau vor der Tür. Ihr guckt Euch kurz an, Auge in Auge. You shall not pass! Dann gibt er den Weg frei. Du nimmst dir vor, es beim nächsten Mal auf eine Frontalkollision ankommen zu lassen.

2. Das Niederflurabteil

Kinderwagen, Rollstuhl, schweres Gepäck: Es gibt genug Gründe, auf das Niederflur-Mittelteil einiger älterer Bahnen angewiesen zu sein. Dort stehen allerdings auch immer genug Leute rum, die das nicht sind, sich aber trotzdem erst die Treppe hoch bequemen, wenn es gar nicht mehr anders geht.

3. Der Döner

"Wir bitten Sie, auf das Konsumieren von Speisen und Getränken in unseren Fahrzeugen zu verzichten", schalmeit es aus den Lautsprechern. Also futterst du deinen halben Rest-Yufka quer, drei Happen, weg ist er. Börps. Wegen dieser Eile hinterlässt du dabei einen Knoblauchsoßenfleck. Tja, ohne Essverbot wäre das nicht passiert.

4. Der Döner der Anderen

Hungrig fährst du in die Stadt. Du hattest keine Zeit für ein ordentliches Frühstück, und jetzt ist es schon fast Mittag. Da steigt dieser Typ mit dem Döner ein. Dessen Geruch durchströmt die ganze Bahn, erreicht deine Nase, du möchtest ihm die Teigtasche entreißen und verschlingen. "Wir bitten Sie, auf das Konsumieren von Speisen und Getränken in unseren Fahrzeugen zu verzichten." Echt mal!

5. Die Doppelhaltestelle

Du wartest am vorderen Bahnsteig, dort steht eine 5. Du willst aber in die 3, die danach kommt. Die 5 rollt an, die 3 rollt ein und hält kurz dahinter. Du gehst langsam in Richtung hinterer Bahnsteig, alle anderen auch. Die 3 fährt wieder an. Also doch vorderer Bahnsteig! Alle kommen Dir wieder entgegen. Wärst Du doch bloß gleich vorne geblieben. Was fehlt: Eine Anzeige, wo die Bahn halten wird. Oder eine Geste des Fahrers, irgendeine Regung.

6. Die Kurzstrecke

Du warst kurz im Eschholzpark einkaufen und willst zurück in die StuSie. Plötzlich regnet es, Du hast kein Semesterticket. Aber 2,20 Euro für die zwei Haltestellen? Ein Kurzstreckenticket gibt es nicht, angeblich würde das die Verkaufszahlen der Zeitkarten torpedieren. Also fährst Du schwarz. Kontrolliert wird eh kaum.

7. Die Unicard

Es wird zwar kaum kontrolliert, aber Dich trifft es trotzdem. Du zückst Semesterticket und Unicard, die Du sorgsam in den Untiefen Deines Geldbeutels aufbewahrst. Dumm nur: Der Aufdruck auf der Unicard ist nicht zu lesen. Für VAG und RVF muss er das aber sein, und so bist du formell erstmal ein Schwarzfahrer. Na toll!



8. Der Junge mit Gitarre

Der Typ sitzt in der Bahn, wie man im Sommer halt so Bahn fährt: oberkörperfrei. Auf seinem Schoss liegt die Gitarre, er blickt ganz konzentriert drein, klar, jetzt ja nicht die falsche Saite erwischen, soll ja ein schönes Lied werden. Dumm nur: Sein Geklimper klingt, als würde jemand zum ersten Mal überhaupt eine Gitarre stimmen. Die ganze Fahrt über. Ob den irgendein Kopfhörer-Hersteller hier hingesetzt hat – zur Promo?

9. Der Ruck

Die Türen schließen, du schnappst Dir eine Haltestange, gleich geht’s los. Die Person neben Dir rechnet damit nicht. Der Ruck beim Anfahren haut sie fast um und in dich rein. So eine Überraschung! Gut, dass sie sich nicht an deinem Bart festgehalten hat.

10. Der Durchgang

"Bitte benutzen Sie auch die anderen Türen, der Zug ist innen hohl!", soll einst an einem Bahnsteig durchgesagt worden sein. Dieser technische Fakt hält allerdings auch in der Straßenbahn viele nicht davon ab, sich in Türnähe zu versammeln. Stets Ausstiegsbereit, für den Fall einer Zombieapokalypse, man weiß ja nie. Wer durch will oder zum Durchgehen auffordert, erntet jedenfalls keine Sympathiepunkte.

11. Die Anzeige

Viele Bahnsteige haben sie schon, manche aus unerfindlichen Gründen nicht: Die digitalen Anzeigetafeln, die so tun, als wüssten sie, wann genau die nächste Bahn kommt. Bei genauerer Betrachtung fällt jedoch auf, daß einige Minuten - vor allem die letzten - schneller vergehen als andere, manche gar nicht. Von der Reihenfolge der Linien ganz zu schweigen.

12. Die Handylautsprecherkids

Nein, Jungs, Haftbefehl aus dem blechernen Samsung-Speaker ist nicht cool. Egal wie laut.

13. Die dynamische Haltestelle

Sie heißt so, weil ihr Bahnsteig als Fahrbahn fungiert, wenn grad keine Bahn hält. Ebenso dynamisch ist der unvermeidliche einzelne Kampfradler, der dich beim Ausstieg fast umsenst. Na klar über rot!

14. Die Sitzplatzfreigabe

Du hast einen der Einzelsitze bei der Tür ergattert, er ist für Menschen mit eingeschränkter Mobilität freizugeben. Eine ältere Dame steigt ein, Du bietest ihr selbstverständlich den Platz an, sie lehnt ab. Prompt echauffiert sich das Paar hinter Dir laut genug, dass du es hören kannst, über deine Unhöflichkeit und die der Jugend im Allgemeinen. Du ziehst kurz in Erwägung, beim Aussteigen auffällig zu humpeln.

15. Der Betriebsschluss

Du warst abends noch kurz weg, nur ein kleines Bier nach dem Vortrag am Mittwoch. Jetzt ist es Donnerstag, kurz vor eins. Die letzte Bahn ist weg und dir fällt ein, dass die badische Rund-um-die-Uhr-Großstadtlösung nur am Wochenende gilt.

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[Fotos: Manuel Lorenz, Daniel Laufer]