Musik

Zwischen Empowerment und Straßenrap: Das Rap-Duo Palas

Lisa Discher

Das Rap-Duo Palas kommt aus Freiburg und Berlin und macht düsteren Rap mit sexy Touch. Ihre Musik nennen Tina Turnup und Babylit "Witch-Trap". Vor kurzem erschien ihre erste Single "Giftig".

Palas – das sind Tina Turnup und Babylit. Zusammen bilden sie das Rap-Duo Palas, das in Freiburg und Berlin Musik produziert. "Wir machen Mucke in Richtung Trap und Cloud-Rap und das ist ein ganz eigener Style", sagt Babylit. Sie wohnt in Berlin, ist aber oft in Freiburg, weil genau dort der andere Teil des Duos wohnt: Tina Turnup. Kennengelernt haben sie sich in Freiburg, im Jazz-Studium. "Wir hatten damals im Studium schon so ein kleines Rap-Projekt gestartet, mit einem Song. Und dann bin ich nach Berlin gezogen, dann war das Ganze erstmal auf Eis gelegt", sagt Babylit. Tina Turnup sei dann immer öfter nach Berlin gekommen und so habe sich dann irgendwann "PALAS" gebildet.

Fußfassen in einer Männerdomäne

Das Besondere an Palas? Ihre Musik ist unkonventionell, düster "Und trotzdem sexy," merken die beiden schmunzelnd an. Die zwei Musikerinnen fassen in einer von Männer dominierten Szene, unter einem All-Female-Label, Fuß – nicht ohne Erfolg, denn auf Spotify haben sie 32.000 monatliche Hörerinnen und Hörer und auch auf Instagram interessieren sich mehr als 4000 Menschen für sie. Zudem ist ihre Musik ein Novum, das sie "Witch-Trap" getauft haben. Den Begriff haben sie quasi neugeschöpft. Er impliziert das Starke der Frau, das Wirkungsmächtige, Spirituelle und Selbstbewusste der Künstlerinnen in ihrer Musik: Palas liefert Gegenwind zu frauenverachtenden Rap-Zitaten.

"Giftig" von Palas


Seit einigen Jahren arbeiten Babylit und Tina Turnup schon auf den Erfolg hin und haben einen langen Weg voller verschiedener Erfahrungen zusammen bestritten. Babylit ist jetzt Sängerin und Rapperin, schon immer wollte sie genau das werden. "Ich hatte immer wieder ein paar Pausen dazwischen, weil ich dachte, dass das eh nichts wird", meint sie. "Ich dachte, ich muss irgendwie 'nen richtigen Job machen". Nur aus Jux haben sie dann erste Songs geschrieben, Freestyle-Rap im Park geübt und dabei gemerkt, wie viel Spaß ihnen das Musikmachen zusammen macht. Irgendwann haben die beiden entschieden, dass sie mit ihrem Rap-Duo auch professionell erfolgreich sein wollten. Ein Label wurde durch Kontakte schließlich auf sie aufmerksam. Das All-Female-Label glaubte von Anfang an, an das Potenzial der Musikerinnen.

"Obwohl wir keine Antwort erwartet hatten und zu dem Zeitpunkt auch gar nicht auf der Suche nach einem Label waren", meint Babylit. Wieso Palas trotz der Freiburg-Berlin-Fernbeziehung so gut funktioniere? "Wir haben die gleichen Träume, die gleichen Ziele und wir haben gemerkt, dass es einfach Spaß macht zu zweit Musik zu machen", sagt Tina Turnup. Vor allem, dass man die Wege gemeinsam bestreiten könne, sei sehr schön.

Palas ballert

Hinter dem Begriff Palas verberge sich in Analogie zu 'Palast', das Erhabene und Göttliche, von dem die beiden überzeugt sind, dass das jeder und jede in sich trage. "Auf der anderen Seite, mögen wir halt auch das Harte am Klang von 'Palas'", das passe nicht nur charakterlich, sondern auch musikalisch zu den beiden, sagt Tina Turnup. "Palas ballert," schmettert Babylit ergänzend in ihr Mikrofon. Palas habe etwas Hartes und gleichzeitig etwas Edles, daher passe es perfekt. "Wir sind beide sehr spirituell, das ist für uns eigentlich die Grundlage unseres Seins. Wir sehen uns als die Creators unseres eigenen Lebens, als Witches. Was so viel heißt wie: Wir haben unser Leben in der Hand", sagt Babylit. Das 'Witch' in Witch-Trap stehe für das Mächtige der Frau, die mit der Natur verbunden ist. Tina Turnup sagt aber auch, dass Hexen historisch gesehen angsteinflößend waren, hysterisch und wild. Damals habe man es schon nicht gern gehabt, wenn Frauen stark und selbstbewusst aufgetreten sind. Palas wollte das jedoch umdrehen und zeigen, dass Freigeistigkeit und Selbstbewusstsein etwas Gutes seien. "Wir sagen, hey, das ist cool, was wir als Frauen für Kraft haben. Diese Spiritualität und Verbundenheit hat uns dahin gebracht, wo wir heute sind - Wir sind bossy." 'Bossy', das ist übrigens auch der Name der nächsten Single.

Rat an junge Musikerinnen?

"Ich würde dazu raten, dass man sich eine Routine aufbaut und sich und seine Skills immer wieder verbessert", sagt Babylit. Tina Turnup rät dazu, nicht zu sehr zu verkopfen. "Man sollte echt nicht zu viel darüber nachdenken, ob man gut genug ist", sagt sie. "Einfach machen" ist ihre Devise.

Dass ihre Musik nicht wie alles andere klingt, muss so sein "Wir haben natürlich schon oft an uns gezweifelt. Oft dachten wir, dass es doch so viele, extrem gute Musik gibt und ich mich gefragt habe, wie wir da reinpassen sollen", meint Babylit. "Und irgendwann schien es dann so, als hätten die Leute nur darauf gewartet, dass Musik mal anders, dass sie geil klingt." Mehr zum Thema: