Innovatives Unternehmen

Zwei junge Freiburger wollen das Image der Putz-Branche retten

Holger Schindler

Ausbeutung und stupide Arbeit: Die jungen Chefs der Freiburger Gebäudereinigungsfirma Büba kennen die Klischees über ihre Branche – und wollen sie nicht länger hinnehmen.

Das Image der Putz-Branche ist nicht gut: Ausbeutung, hoher Migrantenanteil, stupide Tätigkeiten. Gegen solche Klischees wollen die Geschwister Christine (31) und Christoph Ernst (28) angehen. Mit Erfolg: Ihr Gebäudereinigungsunternehmen Büba mit 380 Beschäftigten ist zum zweiten Mal in Folge beim Innovationswettbewerb Top-100 ausgezeichnet worden – unter anderem für die gelebte Vielfalt, die ein Vorteil sei.


Sie beseitigen Flecken und Flusen, Schmutz und Schlieren, Staub und störende Gerüche – trotzdem werden Gebäudereiniger kaum wahrgenommen. Lena Lederer hat Hauswirtschaft gelernt und sich zur Betriebsleiterin weiterqualifiziert. Seit fünf Jahren arbeitet die 28-Jährige aus Unterfranken bei Büba in der Gebäudereinigung. Beim Umzug nach Freiburg vor gut fünf Jahren hat sie sich einfach beworben. Putzen und Reinigen habe sie schließlich gelernt. "Und es hat mir immer Spaß gemacht."

Rund 90 Prozent der Angestellten haben Migrationshintergrund

Bei Büba ist Lederer heute in der Sonderreinigung tätig. Dabei geht es um spezielle Reinigungsvorhaben, etwa die Fassadenreinigung, das Auffrischen von Teppichböden oder die Marmor-Kristallisation, die Steinoberflächen widerstandsfähiger und schmutzabweisender macht. Die Unterhaltsreinigung hingegen umfasst oft täglich wiederkehrende Arbeiten, zum Beispiel in Büros, vom Leeren der Mülleimer bis zum Abwischen von Oberflächen.

"Ich arbeite seit drei Jahren eng mit einem Kollegen aus Pakistan zusammen", berichtet Lederer. In der Branche ist der Anteil der Beschäftigten mit Migrationshintergrund hoch – auch bei Büba: rund 90 Prozent. "Die Zusammenarbeit klappt insgesamt sehr gut", sagt Lederer. Sprachprobleme im Team könne man mit Englisch sowie mit Händen und Füßen überbrücken.

Sprachprobleme im Team lassen sich überbrücken

"Wir geben bewusst Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Prägungen und beruflichem Werdegang eine Chance", erklärt Christine Ernst. "Die Vielfalt hilft uns." Klare Richtlinien für die Zusammenarbeit sorgten dafür, dass Konflikte sich nicht aufschaukelten. Zur Belegschaft gehörten ehemalige Polizisten ebenso wie etwa Bauarbeiter. "Ein früherer Schreiner hat für eine spezielle Reinigungsaufgabe bei einem unserer Kunden eigens eine spezielle Holzhalterung für einen Staubsauger konzipiert und gebaut", berichtet Christoph Ernst.

Diese generelle Offenheit und insbesondere die Bereitschaft, die eigenen Leistungen und Prozesse immer wieder zu verbessern, hat der Firma erneut eine Platzierung unter den Top-100-Innovatoren eingebracht. Der bundesweite Wettbewerb der Überlinger Agentur Compamedia wird wissenschaftlich begleitet von Nikolaus Franke, Vorstand des Instituts für Entrepreneurship und Innovation der Wirtschaftsuniversität Wien. "Derzeit digitalisieren wir alle unsere Abläufe", erklärt Christoph Ernst. Vom Rechnungsversand bis zur Protokollierung der Arbeiten beim Kunden per Tablet-PC.

"Höher qualifizierte Kräfte, speziell in der Sonderreinigung, verdienen 2800 bis 3100 Euro pro Monat." Christoph Ernst


Falsch sei das Vorurteil, die Branche beute die Mitarbeiter aus, betont Christine Ernst und verweist auf den Branchentarifvertrag. In der untersten Lohngruppe liege der Stundenlohn bei 10,80 Euro – deutlich über dem aktuellen Mindestlohn von 9,35 Euro. "Höher qualifizierte Kräfte, speziell in der Sonderreinigung, verdienen 2800 bis 3100 Euro pro Monat." Die unteren Lohngruppen seien vorwiegend in der Unterhaltsreinigung tätig. Viele von ihnen arbeiteten in Teilzeit oder auf Minijob-Basis. "Sie bessern ihr Gehalt aus einem anderen Job oder das Familieneinkommen auf", erklärt die Chefin. 70 Prozent der Belegschaft arbeite in Teilzeit.

Die Firma Büba mit Sitz in der Bötzinger Straße 13 im Gewerbegebiet Haid besteht seit 1967. Seit 2012 wird sie allein von der Familie Ernst geführt. Die beiden Juniorchefs erhalten in strategischen Fragen Unterstützung von Vater Klaus Ernst. Der Jahresumsatz lag zuletzt bei rund 4,5 Millionen Euro. Der Tätigkeitsbereich erstreckt sich von Lörrach bis Karlsruhe und in den Schwarzwald hinein.

Außer Büba hat es dieses Jahr noch ein weiteres Freiburger Unternehmen unter die Top-100-Innovatoren geschafft: das Ingenieurbüro ITP.
Die Branche
Die Gebäudereinigung zählt zum Handwerk und ist laut Bundesinnungsverband mit bundesweit rund 700 000 Mitarbeitern in etwa 25 000 Betrieben das beschäftigungsstärkste aller Gewerke. Der Beruf des Gebäudereinigers lässt sich auf dem Weg einer dualen Ausbildung mit Gesellenprüfung erlernen. Eine Qualifizierung zum Meister ist möglich. Viele Mitarbeiter sind allerdings Quereinsteiger, die angelernt und später geschult werden.