Nachbericht

Wie war’s bei … StageFried im Literaturhaus?

Eyüp Ertan

Die studentische Theatergruppe StageFried hat am Samstagabend Premiere gefeiert. Dabei führte die Gruppe das Stück "In den Augen eines Fremden" von Wolfgang Maria Bauer auf – mit Erfolg.

Die Schauspielerinnen und Schauspieler

Das Stück besteht aus Gesprächen, es ist dialogisch aufgebaut. Auf der Bühne gibt’s also keine Gruppenszene, sondern stets Unterhaltungen zwischen je zwei Figuren. Doch das Werk lebt gerade durch das, was die anderen auf der Bühne befindlichen Darstellerinnen und Darsteller machen. Denn auch, wenn sie sich im Halbdunkel abseits des Rampenlichts befinden, bleiben sie in der Szene, füllen ihre Rollen weiter mit Leben. Die Figur des Portiers, der seine Tischlampe säubert, die Figur "Daniel", die zur Musik seines Mp3-Players nickt, sowie die Figur "Schröder", der sich auf die Pulsadern klopft – solche Kleinigkeiten sorgen dafür, dass sich die Figuren weiterentwickeln können.

Das Publikum

"Was sie da tun, gehört sich nicht! Sie setzen sich in die Dunkelheit und – starren!" In ihrem ersten Auftritt spricht Vera direkt zum Publikum. Eine bunte Mischung hat sich am Samstagabend im Literaturhaus eingefunden, vom Uni-Professor bis hin zu einer Gruppe von Schülerinnen und Schüler ist viel Diverses vertreten. Publikum und Theatergruppe scheinen sich gefunden zu haben: Die Zuschauerinnen und Zuschauer lachen, wenn das Stück humorvolle Pointen bietet, hält den Atem an, wenn es spannend auf der Bühne wird. Einen Wermutstropfen hielt der Abend aber aus Publikumsperspektive bereit – eine Handvoll Gäste verorteten das Ende des Stücks eine Szene zu früh, und fingen dementsprechend zu früh an, zu klatschen.

Die Physalis

Physalis kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie "Hülle" oder "Blase" – Schutz, Sicherheit und Trost gehören zu den Charakteristika, die der Beere auf symbolischer Ebene nachgesagt werden. Im Stück spielt die Physalis eine prägende Rolle, denn in jeder Szene war sie entweder auf der Bühne verteilt, oder in diversen Körbchen Bestandteil der Dialoge. Interpretatorisch gerade deshalb naheliegend, verkörpert sie doch das Gegenteil dessen, was das Stück hinsichtlich sozialer Rollen und Figurenkonstellationen zu bieten hatte: Dialoge zwischen Menschen, die auf der Suche nach etwas sind, ohne zu wissen, wie sie es erreichen können und dabei eine innere Unruhe und Unzufriedenheit ausstrahlen.

Fazit

Die Art und Weise, wie das Stück gestaltet ist – dialogisch, ohne Gruppenszenen – macht den Reiz des Ganzen aus. Figurenkonstellationen können auf diese Art und Weise verstanden, gleichzeitig Bögen zu anderen Figuren geschlagen und Zusammenhänge hineininterpretiert werden. StageFried ist ein ansehnliches Stück gelungen, sowohl hinsichtlich der Regie – bei StageFried wird die Regie stets von Theatermitgliedern übernommen – als auch mit Blick auf die schauspielerische Leistung.
  • Was: "In den Augen eines Fremden" von StageFried
  • Wann: Montag, 20. Januar, Samstag, 25. Januar, jeweils 20 Uhr
  • Wo: Literaturhaus Freiburg
  • Eintritt: 6 Euro / 4 Euro ermäßigt an der Abendkasse