Nachtleben

Wie war’s bei … der Kunstaktion gegen das Freiburger Clubsterben?

Jennifer Fuchs

Seit Dienstagmittag zieht eine pinkfarbenen Freiheitsstatue auf dem Kanonenplatz alle Blicke auf sich. Ein anonymes Künstlerkollektiv steckt hinter der Aktion und will damit auf die sterbende Freiburger Subkultur aufmerksam machen.

Der erste Eindruck

In der heißen Augusthitze laufe ich den steilen Schlossberg hinauf. Mein Ziel ist der Aussichtspunkt "Kanonenplatz", denn dort soll heute eine anonyme Kunstaktion gegen das Freiburger Clubsterben stattfinden. Schon fast am Kanonenplatz angekommen, springt mir eine pinkfarbene Freiheitsstatue ins Auge, die ein Plakat mit den Worten "War’s das?" hoch hält. Durch ihre knallige Farbe ist die Statue ein direkter Blickfang. Immer wieder machen Touristen und Spaziergänger Fotos von sich und dem Kunstobjekt. Im Hintergrund spielt ein älterer Herr auf seiner Harfe "Nothing else matters" von der Band Metallica.

Die Kunstaktion

Der Kanonenplatz hat eine weitreichende Aussicht auf Freiburg. Die Freiheitsstatue wurde bewusst so platziert, dass sie direkt mit dem Schild Richtung Münster und Innenstadt zeigt. So wollen die anonymen Künstlerinnen und Künstler "direkt" die Stadt Freiburg ansprechen. Auf dem hochgehaltenen Schild steht zur Stadtseite hin "War’s das?", auf der Rückseite liest man "Freiburg, was geht?". Das knallige Kunstobjekt steht auf einem grauen Podest mit einer Lesetafel mit der Überschrift "Dies ist ein Zeichen gegen das Club- und Kultursterben in Freiburg!". Weiterhin wird erklärt, was es mit der außergewöhnlichen Kunstaktion auf sich hat und was die Beweggründe dafür sind.

Die Stimmung

Ich setze mich auf eine schattige Bank und beobachte gespannt die Wirkung der farbigen Freiheitsstatue auf die Passanten. Touristen, Familien und Spaziergänger bleiben immer wieder vor ihr stehen und machen Fotos. Viele von ihnen schmunzeln über das ungewöhnliche Objekt auf der Aussichtsplattform. Eine Dame mittleren Alters lacht humorvoll zur ihrer Begleitung: "Ja, wir sind ja gar nicht mehr in Freiburg, sondern in New York!". Aber viele Passanten sind auch neugierig, was es mit der Kunstaktion auf sich hat und lesen in Ruhe die Texttafel auf dem grauen Podest.

Das Künstlerkollektiv und seine Message

Die Mitglieder des Kollektivs wollen unerkannt bleiben. In einer anonymen Email erklären mir die Künstler, um was es ihnen mit der Aktion geht. Sie haben keine Lust mehr, dem traurigen Freiburger Clubsterben tatenlos zu zusehen. Das junge Freiburg brauche Freiräume und die Subkultur-Orte, um sich zu entfalten. Dies hat leider in den letzten Jahren immer mehr abgenommen. "Zwar gibt es in den warmen Sommermonaten ein paar Freiflächen wie zum Beispiel im Dietenbachpark wo Veranstaltungen stattfinden dürfen, aber was ist in den Wintermonaten? Warum mussten viele Clubs in der Innenstadt schließen und es kamen bis heute keine neuen nach? Oft sind auch die viel zu teuren Mieten daran schuld, dass sich kein Veranstalter mehr traut einen Club zu eröffnen." Aus diesen Gründen möchte das Künstlerkollektiv ein Zeichen setzen und mit der knalligen Freiheitsstatue auf die fehlende Subkultur in Freiburg aufmerksam machen. Daher steht auch als Schlusssatz in größeren Buchstaben in dem Erklärungstext: "Geliebte Stadt Freiburg, deine Subkultur braucht mehr Raum zur Entfaltung."

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