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Wie war’s bei… der ersten Indie-Porn-Night in Freiburg

David Pister

Das Freiburger Porno-Start-Up Feuerzeug hat in Kooperation mit dem Aka-Filmclub eine Auswahl an alternativer Pornographie vorgestellt. Wie ist das, Pornos mit einem Hörsaal voller Menschen zu schauen und was kann man dabei lernen?

Die Location

Zum eigentlichen Beginn der Veranstaltung, um 20 Uhr, ist die Schlange vor dem großen Hörsaal der Biologie noch immer riesig. Bis zu den Fahrradständern bangen junge Menschen darum, noch einen Platz für die Indie-Porn-Night zu ergattern. "Wir dachten schon, dass es voll wird. Dass wir Leute nach Hause schicken müssen, damit haben wir nicht gerechnet", sagt Kira Kurz. Die Produzentin und Mitgründerin von Feuerzeug hat mit ihrem Team und in Zusammenarbeit mit dem Aka-Filmclub die erste Indie-Porn-Night in Freiburg ins Leben gerufen.

Ein Hörsaal voller aufgeregter Menschen trifft sich am Donnerstag, um zusammen "Pornorudelgucken" zu betreiben, wie es Kira Kurz treffend paraphrasiert. Bevor man den Hörsaal betritt, passiert man die erogene Zone. Das feministische Sexshopkollektiv hat den Plan, ein Geschäft in Freiburg zu eröffnen und macht mit einem Stand auf sich aufmerksam.

Fast jeder Platz des Hörsaals ist belegt. An der Tafel stehen mit Kreide Gleichungen geschrieben. Man stellt sich die Frage, ob es angemessen sei, während eines Pornos Flips oder Gummibärchen zu naschen, schaut sich um und huscht noch schnell zur Snackbar, um sich auszustatten.

Die Veranstalter

Feuerzeug ist ein Freiburger Porno-Start-Up, das 2018 von Kira Kurz und Leon Schmalstieg gegründet wurde. Das studentische Projekt hat sich zum Ziel gemacht, faire und feministische Pornographie zu produzieren und öffentliche Räume zu schaffen, um über Pornographie und Sexualität zu sprechen. Das bedeutet vor allem die Vielfältigkeit von Lust und Intimität filmisch darzustellen.

Vom Drehbuch über Regie bis zur Postproduktion sind mittlerweile etwa 15 bis 20 Personen beteiligt. Drei Filme wurden bereits produziert; der vierte ist in der Mache. Der neue Film wird von Kira Kurz so beschrieben: "Gayporn meets Romcom meets Heimatfilm". Wir bleiben gespannt.

Das Besondere

Die ganze Veranstaltung ist besonders. Pornographie wird üblicherweise allein konsumiert, vielleicht noch mit dem Partner oder der Partnerin. Aber in einem Hörsaal voller Menschen, auf einer enormen Leinwand, das ist schon schräg. Das weiß auch Kira Kurz. Mit einigen Worten führt sie das Publikum in die Veranstaltung ein. "Am Anfang wird es komisch sein, aber ihr werdet euch daran gewöhnen", sagt die Feuerzeug-Produzentin.

Außerdem spricht sie eine Trigger-Warnung aus und erklärt, dass es in Ordnung sei, die Augen zu schließen oder sich aus dem Saal zu entfernen, falls die Konfrontation mit den Filmen überfordere.

Die Filmauswahl

Feuerzeug stellen fünf Filme vor, die sie auf Porno-Festivals der letzten Jahre kennengelernt haben. Die Filme zeigen die ganze Bandbreite alternativer Pornographie. Gemeinsam ist ihnen, dass die expliziten Szenen der Filme immer auf Konsens zwischen den Performer*innen beruhen. "Wo fängt Kunst an und wo hört Porno auf?", fragt Kira Kurz anfangs. Schnell wird klar, die Übergänge sind fließend und keinesfalls einfach zu bestimmen. Der Film "Camera And I" von Shine Louise Houston erzählt von einer intimen Begegnung zwischen einer Sony-Filmkamera und der Darstellerin Jasko Fide. Mit viel Witz und nerdigen Bezügen auf Kameratechnik, wird eine ungewöhnliche Geschichte wundervoll erzählt.

Feuerzeug präsentiert auch ihren eigenen Film "2 or 3 Thing I Like About Him". Der Kurzfilm wurde schon auf mehreren Porno-Festivals gezeigt und hat dieses Jahr sogar den Film-Award: Best Porn Short 2021 auf dem Luststreifen-Festival in Basel gewonnen. Der Film kontrastiert die sehr subjektive Perspektive der Performer, gefilmt mit einem Camcorder, mit der professionellen, beobachtenden Außenperspektive in hochauflösender Qualität. Das Spiel mit den Perspektiven macht den Film zu einem experimentellen Pornographie-Erlebnis.

Die Stimmung

Vor dem Beginn der ersten Szenen scheint alles wie ein gewöhnlicher Kinobesuch im Aka-Filmclub. Vielleicht liegt aber auch eine besondere Anspannung im Hörsaal, denn es wird viel geredet und diskutiert.

Der erste Kurzfilm ist sehr explizit und man hat das Gefühl, der ganze Saal halte die Luft an. Dann endlich ein lustiger Moment im Film. Das Publikum bricht in erleichtertes Gelächter aus. Und auch während der anderen Filme hat man das Gefühl, es brauche diesen komischen Aspekt. "Wir haben absichtlich mehr Filme kuratiert, die einen humorigen Aspekt haben", sagt Kira Kurz. Fünf Filme, die alle dem Genre BDSM zuzuordnen sind, hätten vermutlich zu einer großen Überforderung bei den Zuschauenden geführt.

So konnten auch Menschen, die sich bisher wenig mit Pornographie beschäftigt haben, an das Thema herangeführt werden. Die Fragestunde am Ende beginnt zaghaft, nach und nach melden sich immer mehr Interessierte.

Das Resümee

Ein spannender Abend, der zeigt, wie vielseitig Pornographie produziert werden kann. Kira Kurz spricht am Ende den wohl wichtigsten Punkt an: So lange die Bereitschaft für Pornographie zu bezahlen gering ist, wird sich in der Branche nichts ändern. Die gute Nachricht: Es werden immer mehr alternative Pornos gedreht und der Wille, für gute und vor allem fair produzierte Filme zu zahlen, wächst.