Rassismus

Wie Sinti und Roma in Freiburg Diskriminierung erfahren

Manuel Fritsch

Das Freiburger Roma-Büro hat den Diskriminierungsbericht für 2019 vorgelegt. Darin geht es um konkrete Diskriminierungserfahrung – aber auch um Strategien, mit Vorurteilen umzugehen.

Das Roma-Büro hat seinen zweiten Diskriminierungsbericht veröffentlicht. Darin sind Erlebnisse von Sinti und Roma aus Freiburg versammelt, die mit Diskriminierung zu tun haben – der Bericht zeigt aber auch Strategien seitens der Roma, auf Diskriminierung zu reagieren.

"Dies ist deutschlandweit die einzige Studie, die von der existentiellen Innensicht der Roma ausgeht", ist im Vorwort zu lesen. Andere Berichte, die sich mit der Situation der Sinti und Roma befassen, würden meist von Wissenschaftlern erstellt, die selbst nicht der Minderheit angehören, sagt Tomas Wald vom Roma-Büro: "Damit behalten sie die Deutungshoheit und zementieren die Situation." Der Freiburger Bericht verfährt anders.

Eine sehr subjektive Sammlung von Erlebnissen

Wann immer ein diskriminierender Vorfall bekannt geworden ist, ermutigten die Studienautoren die Betroffenen, ihn aufzuschreiben. Als Autoren wirkte "ein Netz von Sinti- und Roma Aktivisten aus der hiesigen Community", wie es im Bericht heißt. Dadurch versammelt der Bericht sehr subjektive Erfahrungen. Er entgeht damit aber auch der Gefahr, die Erlebnisse zu verändern, damit sie in ein analytische Raster passen. Die Fälle gruppieren sich um Themen wie Öffentlichkeit, Verwaltung, Schule oder Gesundheit.

Berichtet wird von Beleidigungen auf offener Straße, aber auch vom Übersehenwerden im öffentlichen Raum, vom Gefühl des Nicht-Dazugehörens, das täglich vermittelt werde. Teils beschreibt der Bericht diffusen Rassismus, teils Hass, der sich konkret gegen Sinti und Roma richtet. Das kann auf der Straße sein, im Privaten oder in der Arbeit. "Alle anderen, die ich kenne, sagen, dass sie Türke, Kroate oder Italiener sind", erzählt eine junge Roma aus ihrer Arbeit: "Das ist immer noch besser als Zigeuner." Auch die Mehrfachbelastung durch Rassismus, unsicheren Aufenthaltsstatus, Armut oder Geschlecht taucht immer wieder auf. Ein Rom berichtet: "Ich bin 20 und habe Magengeschwüre. Ständig unsicher und Angst... und morgen vielleicht wieder weg."

Strategien, mit Diskriminierung umzugehen

Aber auch positive Fälle werden beschrieben. Eine Roma berichtet aus der Schule, ein schwarzer Mitschüler werde regelmäßig schlecht von einer Lehrerin behandelt. Nach einem Protestbrief der Klasse an die Schulleitung habe die Lehrerin ihr Verhalten geändert. Ein weiterer berichtet, dass er auf die Feststellung von anderen, er spreche aber gut Deutsch, stets antworte: "Na, Sie aber auch", und damit die Lacher und so auch die Sympathie auf seine Seite ziehe.

Der Bericht kritisiert in der Auswertung der Fälle auch die Reaktion der Mehrheitsgesellschaft auf die Situation von Roma und Sinti. Viele Jugendliche etwa sanktioniere die Gesellschaft wegen abweichenden Verhaltens, anstatt es als Hilferuf zu begreifen. Schlechtes Deutsch werde bemängelt, die Mehrsprachigkeit aber nicht als Chance gesehen. Durch das Betonen von Fähigkeiten, so der Bericht, könnten Roma viel mehr als aktiv Handelnde begriffen und gestärkt werden, statt sie – wie es meist geschehe – als passive Opfer zu behandeln.
Der Bericht kann auf der Webseite des Romabüros heruntergeladen werden. Das Büro bietet auch Workshops zum Thema an. Infos unter roma.buero.freiburg@t-online.de

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