Kampfkunst

Wie ich lernte, mich mit Handy und Powerbank selbst zu verteidigen

Anna Castro Kösel

Selbstverteidigung mit Schuh, Handy oder Handtuch: Von Doris Watzka und Ralf Notter kann man im Freiburger Seepark lernen, wie man sich mit Alltagsgegenständen wehrt. Anna Castro Kösel hat es ausprobiert.

Seinen Gegner mit einem Alltagsgegenstand in die Schranken weisen. Das klingt erst einmal simpel und naheliegend, denn wer hat nicht schnell Handy, einen Schuh, einen Kuli oder ein Buch zur Hand? Und doch bedarf es ein bisschen Training, damit die Verteidigung erfolgreich verläuft. Wie das geht, zeigen mir Doris Watzka und Ralf Notter vom Kampfkunst Verein Kamai e.V aus Freiburg. "Wir machen eigentlich Modern Arnis, das kann man im weitesten Sinne als Stockkampf bezeichnen. Das Spannenende ist: Alles, was man mit dem Stock macht, kann man auch auf Alltagsgegenstände übertragen. Das Prinzip ist immer das Gleiche", sagt Doris .

Ob Schuh oder Handy – alles taugt zur Selbstverteidigung

Eigentlich sollte an dem Tag meines Besuchs im Seepark ein Probetraining stattfinden – das bietet das Trainer-Duo auf Anfrage an. Da der Teilnehmende nicht kommt, bekomme ich ein Privattraining. Erst wird mir ein Stockkampf vorgeführt, der es in sich hat. "Wenn man zum Beispiel mit einem Stock angegriffen wird, und man selbst keinen hat, verteidigt man sich genauso, als wenn man auch einen hätte", sagt Ralf. Ich darf es auch einmal probieren: Erst einmal geht um das richtige Halten des Stocks.

Dann muss ich den Stock unter Kontrolle bringen und Doris, die die Angreiferin spielt, entwaffnen. Ralf zeigt mir auch, wie ich mich mit einem Handtuch verteidige. Wichtig sei es, dass das Handtuch gespannt ist, damit ich den Angreifer, der mich mit Stock, Flasche oder sonstigem angreift, mit kurzen Bewegungen zurückdrängen kann.

Selbstverteidigung empowert

Ein bisschen grinsen muss ich schon, als ich Ralfs Stockangriff mit einem Stöckelschuh abwehre. Die Sohle blockiert den Arm des Angreifers, dann wird auf den Arm des Gegners eingedroschen – der Schuh wird also zum Stock. Die Verteidigung mit Gegenständen funktioniert: Ich bin überrascht, als es mir gelingt, den erfahrenen Ralf durch sogenanntes "Stempeln" mit einer Powerbank ins Wanken zu bringen. Es ist nicht zu leugnen: Sich mit simplen Gegenständen verteidigen zu können, macht Spaß und lässt mich die innere Power fühlen, die ich im Notfall abrufen kann.
"Alles, was man mit dem Stock macht, kann man auch auf Alltagsgegenstände übertragen." Doris Watzka
Sogar mit dem Handy könne man sich selbst helfen, indem man den Gegner mit dem Gerät an sensible Punkte im Gesicht oder an bestimmten Nervenpunkten zu trifft. Das gehe auch mit dem Kuli. Je kleiner der Druckpunkt, desto größer sei der Schmerz, erklärt mir Ralf. Zu wissen, wie man sich auch als kleinere Person mit einem Gegenstand aus der Handtasche wehren kann, gibt mir ein gutes Gefühl.

Wichtig: Nicht nachtreten, aber selbstbewusst sein

"Es geht aber nicht darum, den Gegner komplett zu verletzen, sondern erstmal nur darum, aus der Situation wegzukommen", sagt Doris. Ralf fügt hinzu: "Wenn der Gegner am Boden liegt und man dann noch nachtritt, kann man in rechtliche Schwierigkeiten kommen". Auch bei Messern sei es heikel - da müsse man sehr vorsichtig sein, wenn man einen solchen Angriff abwehre, meint Doris. Viele Situationen könne man auch schon durch selbstbewusstes Auftreten entschärfen.
"Je kleiner der Druckpunkt, desto größer der Schmerz." Ralf Notter
"Selbstbewusstsein ist das Wichtigste", sagt Ralf. Im Sommer dürfen noch keine Kurse stattfinden, Probetrainings in kleinen Gruppen sind aber erlaubt. Auf der Seite des Vereins Kamai e.V oder der Website von Ralf Notter kann man sich melden, wenn man ein Probetraining wünscht. Die regulären Trainings starten, sofern es Corona zulässt, nach den Sommerferien.

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