Interview

Wie Freiburger Gemeinderäte das Nachtleben unterstützen wollen

Anika Maldacker

In einem offenen Brief an Oberbürgermeister Martin Horn fordert die Jupi-Fraktion im Freiburger Gemeinderat die Unterstützung des Nachtlebens. Im Interview erklärt Fraktionsvorsitzender Sergio Schmidt, was helfen kann.

Wie geht es dem Freiburger Nachtleben und der Szene derzeit?

In Freiburg hat es das Nachtleben aus verschiedenen Gründen ohnehin schon schwer. Die Gaststätten und Clubs hatten in den vergangenen Jahren nicht viel Zeit und Gelegenheit, sich ein finanzielles Polster zuzulegen. Die Clubs und Bars, also das Nachtleben, kam zuerst in den Shutdown und wird sicherlich am längsten davon betroffen sein. Das trifft Clubs und Bars natürlich hart, weil sie ja trotzdem Fixkosten haben, beispielsweise für Miete oder Personal. Die Clubs müssen also derzeit an das vermutlich eh schon enge, finanzielle Polster dran, weil sie keine anderen Mittel haben. Das wird nicht lange gut gehen. Je länger der Shutdown dauert, desto vermehrt drohen Insolvenzen. Viele Leute, die in der Gastronomie arbeiten, sind Minijobber, die nicht von der Kurzarbeit profitieren. Viele Festangestellte kriegen einen Großteil ihres Gehalts über Trinkgeld. Also Gaststätten und Angestellte aus dem Nachtleben sind durch den Lockdown besonders getroffen.

Was fordert die Jupi-Fraktion von der Stadt, damit es dem Nachtleben besser geht?

Wir fordern beispielsweise einen Härtefallfond, der Mieten übernimmt, wenn bei Läden die Insolvenz droht. Wir wünschen uns auch eine intensive Betreuung vonseiten der Stadt, wenn Clubs sich auf bestehende Fonds des Landes oder vom Bund bewerben wollen. Auch Betreuung und Beratung bei zukünftigen Hygieneregeln wäre gut. Außerdem wünschen wir uns die Stundung der Gewerbesteuer für das Jahr 2020. Auch Notfallkredite, die Betreiber dann über mehrere Jahre zurückzahlen können, fänden wir sinnvoll.
Sergio Schmidt, 24 Jahre alt, ist Vorsitzender der Jupi-Fraktion im Freiburger Gemeinderat und arbeitet im Artik.

Was haltet ihr von Fonds für die Clubszene, wie es sie in Köln und Berlin gibt?

Das fänden wir sinnvoll. Die Stadt verweist viel auf Bundes- und Landesmittel. Aber wir dürfen uns darauf nicht ausruhen. Ich befürchte vor allem Folgeschäden, wenn Privatpersonen pleite gehen, denn diese Schäden sind langlebig.

Hat die Corona-Soforthilfe nicht gereicht?

Ich denke, dass sie etwas gebracht hat. Aber wenn man mal rechnet, merkt man auch als Laie, dass es nicht wirklich reicht, um die meisten Betriebe länger als einen Monat geschlossen aufrecht zu erhalten. Aber diese Krise wird sicher länger gehen. Die Bar- und Clubbesitzer stehen vor absoluter Planungsunsicherheit. Sie wissen nicht, wie lange sie noch durchhalten können. Ich kann mir vorstellen, dass es viele Insolvenzen und viel Arbeitslosigkeit in der Szene geben wird. Es wird schwierig, sich davon wieder zu erholen. Und es wird schwierig für Anfänger, die etwas Neues eröffnen wollen. Viele geben das Geld, das sie für Renovierungen gespart haben, jetzt aus. Also vermutlich wird auch weniger saniert als sonst.

Auch wenn die Clubs und Bars geschlossen sind, sind viele ja noch aktiv. Wie nehmt ihr das wahr?

Es gibt viele kreative Ideen, die zeigen, dass Freiburg eine tolle Nachtlebenlandschaft hat. Die Leute sind nicht auf den Kopf gefallen. Es ist auch nicht so, dass wir von Jupi uns komplett auf die Stadt verlassen wollen. Wir unterstützen beispielsweise auch gerade eine Organisation, die Livestreams aus Clubs veröffentlichen will.

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