Leben auf Rädern

Wie eine Studentin im selbstgebauten Tiny House lebt

Clara Müller

Der Beginn des Studiums ist für viele der Zeitpunkt, aus dem Elternhaus auszuziehen. Auch die junge Freiburgerin Maya hat dies getan. Doch anstatt sich eine WG oder eine kleine Wohnung zu suchen, hat sie sich einfach ihr eigenes mobiles Tiny House gebaut.

"Hier ist das Sofa, da geht’s ins Bad, die Küche ist da drüben und oben drüber in der zweiten Etage ist das Schlafzimmer." Wenn Maya durch ihr Zuhause führt, klingt das erstmal nicht ungewöhnlich. Doch das ist es. Seit letztem Sommer lebt sie gemeinsam mit ihrem Freund Jonathan in ihrem eigenem Tiny House, einem kleinen, mobilen Haus auf Rädern.
Die junge Freiburgerin hat zum Studieren ihre Heimatstadt verlassen und ist nach Tübingen gezogen. Mitgenommen hat sie ihr selbstgebautes Haus: Gerade mal knappe 3 Meter breit und 7,25 Meter lang ist es, ausgebaut mit hellem Holz und ausgestattet mit allem, was man zum Leben braucht.

Vom losen Gedanken zur Umsetzung – durch Corona

Die Idee, ein eigenes Haus zu bauen hatte Maya schon länger. Nach dem Abi 2019 ist sie gemeinsam mit Jonathan ein Jahr durch Europa geradelt.
"Schon während unserer Radtour, haben wir uns gedacht, dass es schon cool wäre, ein Haus zu bauen! Wir haben aber relativ schnell gemerkt, dass das zu teuer ist und wir keine Zeit dafür haben."
Doch durch die Corona-Pandemie mussten die beiden vier Monate früher als geplant ihre Europatour beenden. Die neue freie Zeit wollten sie nutzen, so Maya, "und dann kam der Gedanke mit dem Haus wieder auf, jetzt hatten wir Zeit dafür".

Gemeinsam recherchierten sie, schauten sich verschiedene Grundrisse von den kleinen Häusern an und erstellten einen Grundriss für ihr eigenes Tiny House. Handwerkliche Erfahrungen hatten beide noch nicht, trotzdem bauten sie es ganz alleine. Nur bei der Erstellung des finalen 3D-Modells am Computer haben sie sich Unterstützung geholt.
Doch ganz ohne Hilfe ein Tiny House zu bauen erfordert auch Kraft und Ausdauer: "Wenn man die Wände baut sieht man das sofort, bei den Kleinigkeiten ist das nicht so, aber die müssen eben auch gemacht werden. Das dauert und kann manchmal echt anstrengend sein", sagt Maya.

"Das Schwierigste war für mich, mir das Ganze zu Beginn überhaupt zuzutrauen. Mir zuzutrauen, dass wir das schaffen", sagt die 20-jährige.
Nun genießt sie es, ständig etwas in ihren vier Wänden verändern zu können: "Es ist die Freiheit im eigenen Haus. Alles haben wir eigens durchdacht und selbst gebaut. Es fühlt sich für mich mehr wie ’Zuhause’ an wie in eine Mietwohnung."

Konsumverzicht durch kleinen Wohnraum

Doch auf so kleinem Raum zu leben, bedeutet auch, sich zu beschränken. Die Studentin sieht das als großen Vorteil. "Man hat hier alles, was man braucht, aber nicht zu viel". Es sammele sich weniger Zeug an und unnötiger Konsum werde automatisch vermieden, so Mayas Beobachtungen.


Überhaupt sind in ihrem Haus nur Dinge, die wirklich benötigt werden. Aber alles, was man zum Leben braucht: Ein Bad mit Toilette und Dusche, einen Ofen zum Heizen und eine vollausgestattete Küche. An den Tisch in der Küche passen gerade mal zwei Leute. Aber am anderen Ende des Hauses steht ein Sofa, dort kann Maya einen Schreibtisch ausfahren. Oben, in der "zweiten Etage" wie Maya es nennt, ist ein Bett.

Größte Schwierigkeit: einen Stellplatz finden

Doch das Leben im Tiny House bringt auch kleinere Haken mit sich. So muss beispielsweise mehr geheizt werden, zu dünn sind die Außenwände, um richtig isolieren zu können.

Die größte Herausforderung ist jedoch die Stellplatzsuche. Es gibt kaum Plätze, an denen man mit einem Tiny House stehen darf. Deshalb sind Maya und Jonathan mit ihrem mobilen Haus gerade auf einem Campingplatz in der Nähe von Tübingen.

Auch im Raum Freiburg werden Tiny House Besitzer vor die Herausforderung der Stellplatzsuche gestellt. Johannes Mager ist Gründer der Tiny Home Factory aus Kirchzarten und stellt seit 2017 Tiny Houses her. "Bei der Stellplatzsuche tut sich hier in Freiburg gar nichts", so der gelernte Schreiner. Es sei schwer, eine Baugenehmigung zu bekommen, doch diese brauche es, um das Tiny House abstellen zu dürfen.
Trotzdem sei ein Aufschwung des Tiny House spürbar, die Nachfrage wächst. Die kleinen Häuser würden immer mehr als weitere Wohnmöglichkeit angesehen werden, so Johannes. "Es gibt immer mehr Menschen, die das als Wohnform akzeptieren und annehmen."

"Und uns hat es auch Spaß macht das selber zu bauen!" Maya
Sich das Tiny House bauen zu lassen, kam für Maya und Jonathan nicht in Frage: "Der entscheidende Punkt war der Kostenfaktor. Es ist deutlich teurer, es herstellen zu lassen." Die Preisspanne für ein Tiny House ist groß, das hängt von verschiedenen Komponenten wie dem Material und der Ausstattung ab. Aber wenn man es sich komplett bauen lässt, dann ist man schnell mal bei 40.000 Euro schätzt Maya. Und teurer geht immer.

"Und uns hat es auch Spaß macht das selber zu bauen! Ich weiß aber auch, ich werde nicht mein ganzes Leben hier drin wohnen. Aber jetzt gerade ist es so perfekt!", fügt Maya lachend hinzu.