UWC-College Freiburg

US-Wahl: Wir haben zwei junge Amerikanerinnen gefragt, wie es ihnen geht

Gina Kutkat

Das Wahldrama in den USA erschüttert die ganze Welt. Doch niemand kann nachempfinden, wie sich US-Amerikaner gerade fühlen. Deshalb hat fudder bei Claire Espinosa und Una Fonte nachgefragt, die gerade in Freiburg studieren.

Während in den USA gerade die letzten Stimmen ausgezählt werden und sich alle Blicke auf Nevada und Pennsylvania richten, können in Freiburg zwei junge Frauen nicht mehr schlafen. Claire Espinosa und Una Fonte, beide 17 Jahre alt, sind Studentinnen am UWC Robert Bosch College und seit zwei Monaten in Freiburg. "Ich bin erschöpft, aufgeregt und besorgt zugleich", sagt Claire Espinosa aus Kalifornien. Mehrmals täglich checken sie und Una Newsseiten wie CNN, um die aktuellen Ergebnisse in ihrer Heimat zu verfolgen.


Disclaimer: Als dieser Artikel veröffentlicht wurde, lag ein offizielles Wahlergebnis aus den USA noch nicht vor. Ein Sieg für Joe Biden wurde aber immer wahrscheinlicher.

Sie sprechen viel über Politik: Untereinander, mit ihren Kommilitonen – und mit ihren Familien und Freunden in den USA. "Ich wünschte, ich könnte abschalten. Aber man kann sich dieser Wahl nicht entziehen", sagt Claire. "Für einige Menschen mag das eine unterhaltende Show sein, aber für uns hat alles, was gerade passiert, eine große Bedeutung. Das ist sehr belastend." Denn für eine 17-Jährige, die irgendwann wieder in ihr Land zurück möchte, hätte ein Sieg Trumps gravierende Auswirkungen. "Alles, was gerade in den USA passiert, hängt zusammen: Die Demokratie unseres Landes, Corona, Rassismus, Umwelt, Gesundheitswesen, Klassenunterschiede."

Keine Freudensprünge

Auch Una Fonte ist gerade nervös. Das bisherige Wahlergebnis überrascht sie, da sie sich schon auf vier weitere Jahre Trump eingestellt hatte. "Ich habe meine Erwartungen komplett runtergeschraubt, um nicht enttäuscht zu werden", sagt Una, die in Vermont aufgewachsen ist – ein Staat, der demokratisch gewählt hat. "Wenn Biden jetzt gewinnt, ist das natürlich sehr gut". Freudensprünge werden sie und Claire deshalb aber trotzdem nicht machen. "Ich habe große Zweifel, dass Donald Trump die Wahl anerkennen wird. Deswegen glaube ich nicht, dass bis zur Amtseinführung im Januar alles glatt läuft." Positiv ist für sie, dass viele junge Leute durch die Trump-Ära Interesse an Politik gefunden hätten. "Ganz viele junge Wähler haben für Biden gestimmt."

"Alles, was gerade in den USA passiert, hängt zusammen: Corona, Rassismus, Umwelt, Gesundheitswesen, Klassenunterschiede." Claire Espinosa
Dass die beiden jungen Studentinnen Tausende Kilometer von ihrer Heimat, ihren Freunden und der Familie entfernt sind, macht ihre Situation nicht leichter. "Ich höre von Freunden, dass sie sich auf Gewaltausbrüche vorbereiten, Ladenbesitzer ihre Fenster verbarrikadieren und das ganze Land in Aufruhr ist. Klar, dass ich mich abgeschirmt von allem fühle", sagt Claire. Sie und Una können nur aus der Ferne zittern und zusammen die ungewisse Zeit durchstehen. "Das einzige, was gerade hilft, sind Spaziergänge", sagt Una. "Sonst können wir ja gerade nichts machen."

Und es wird noch einige Zeit dauern, bis sie wieder in ihre Heimat zurückkann. Aufgrund der Corona-Krise wird es den beiden Amerikanerinnen vielleicht nicht möglich sein, über Weihnachten nach Hause zu fliegen.

Mehr zum Thema: