Tim Bendzko im Zirkuszelt: Ein Fest für die ganze Familie

Martin Honecker & Jule Markwald

Lange ausverkauft war das Zirkuszelt-Konzert von Tim Bendzko am Samstagabend. Und der Schmusesänger wurde von seinem Publikum gefeiert - ganze fünf Zugaben lang. Wie's sonst so war? Fudder-Autor Martin war dabei:



110 Dezibel. Lauter wird es heute nicht. Aber das reicht auch. Eigentlich sind 110 Dezibel schon zu viel, hart an der Schmerzgrenze. Im Lautstärkebereich eines Presslufthammers bewegt sich der Lärm, den das Publikum macht, als Tim Bendzko und Band gerade die Bühne verlassen wollen. Dass sie gleich zu einer Zugabe wiederkommen müssen, ist ihnen auch schon vorher klar. Die Stimmung ist nicht die schlechteste.

Aufgebaut hat diese Stimmung Chima mit seiner Band. Pünktlich um acht Uhr kommen die Musiker auf die Bühne und fangen an, ihre Lieder zu spielen. Da sind noch gar nicht alle drin, das Publikum strömt immer noch rein. So lange, bis es dann wirklich voll ist. Ausverkauft ist das Zirkuszelt für heute Abend schon seit Wochen. „Ich habe heute die Aufgabe für Tim hier einzuheizen“, sagt Chima. „Also müssen wir dieses Zelt hier in 20 Minuten zu einem Hexenkessel machen. Helft Ihr mir dabei?“, bittet er sein Publikum. Das jubelt zustimmend. Chima scheint ein grundsympathischer und freundlicher Typ zu sein. „Tim ist immer obernett. Er inspiriert mich irgendwie“, lobt er Bendzko, dem er seinen Auftritt heute zu verdanken hat. Mit 27 Jahre ist Bendzko zwölf Jahre jünger als er. Und trotzdem ist Chima nur Vorprogramm und Bendzko der Höhepunkt des Abends.

Vor nicht ganz zwei Wochen war Chima im Morgenmagazin der ARD zu sehen mit seiner Single „Morgen“, die er auch heute spielt. Damit hat er es in die Top 30 der Charts geschafft. Im Publikum können einige sein Lied schon auswendig mitsingen. Dass Chima Tim Bendzko unterstützt, liegt vielleicht auch daran, dass beide beim selben Manager sind. Der kommt übrigens aus Freiburg.

Um kurz vor halb neun verlassen Chima und Band die Bühne wieder; das Publikum ist gut gelaunt. Die folgende Umbauphase zieht sich ganze 27 Minuten hin. Währenddessen werden Instrumente umgeräumt, einer stimmt das Cello, ein anderer macht einen Soundcheck an Bass, Schlagzeug und Mikros. Als einer der Bühnenarbeiter auf die Bühne kommt, fangen schon die ersten an zu kreischen. Ein bisschen sieht er schon aus wie Tim Bendzko. Später läuft zur Überbrückung der Zeit noch Musik über die Lautsprecher. „All you need is love“ von den Beatles ist da zu hören, viele können mitsingen. Man merkt, dass hier nicht nur Teenager dabei sind.

Wenig später ist Tim Bendzko mit seiner Band dann endlich auf der Bühne. „Wir waren vor nicht allzu langer Zeit in Freiburg“, erzählt Bendzko nach einem der ersten Lieder und meint damit seinen Auftritt im Jazzhaus im Februar. Als er das sagt, kreischen einige im Publikum. „Guck mal, drei sind wieder gekommen“, stellt er zufrieden fest. „Sind denn heute auch Männer da?“ Vereinzelt hört man ein paar Rufe, verteilt auf das ganze Zirkuszelt. Das sei ja eine Steigerung von 800 Prozent, scherzt Bendzko. „Sind denn auch Männer ohne weibliche Begleitung da?“ Ein Vater mit seinem Sohn, nicht älter als 12 Jahre, schreien laut. Blitzschnell ist das Licht der Scheinwerfer auf sie gerichtet. Sie scheinen die Einzigen zu sein. „Also doch alles wie immer“, meint Bendzko und klingt dabei irgendwie ein bisschen erleichtert.

Nach den Mädchen hat er gar nicht erst gefragt. Dass von ihnen heute viele da sind, weiß er wohl auch so. Das war nicht anders zu erwarten. Wenn Jungs dabei sind, sind es meistens die Freunde in Begleitung. Aber neben den Mädchen gibt es hier noch eine stark vertretene Gruppe: die Erwachsenen. Unglaublich viele Frauen sind hier zu sehen, nicht selten mit ihren Männern. Gar nicht so unwahrscheinlich, dass viele von ihnen die Eltern sind von den Mädchen, die weiter vorne stehen. Einige haben sogar die jüngeren Kinder und Oma oder Opa mitgenommen. Ein echtes Familienfest also. Nur eben die jugendlichen Jungs sind nicht ohne Freundin aufgetaucht.

Während den Songs tanzen Bendzko und seine Bandmitstreiter auf der Bühne hin und her.  Manchmal springen sie am Ende des Liedes zusammen von irgendeiner Stufe oder einfach synchron in die Luft. Das Publikum lässt sich von alldem ziemlich mitreißen und ist generell ziemlich textsicher. Und das gilt eben für alle Anwesenden und nicht nur die Mädchen. Wenn Bendzko während eines Liedes mit seinen Armen schwenkt, gehen auch im Publikum alle Arme hoch. Die seichte Popmusik mag nicht jedermanns Geschmack sein. Dem Publikum macht sie heute einfach Spaß.

„Das nächste Lied ist ziemlich unbekannt. Ich kenn's selbst kaum. Ich hab es auch erst zweimal gesungen“, lügt Bendzko. Wahrscheinlich hängt es ihm in Wirklichkeit mittlerweile zum Hals raus, weil er es fast jeden Tag singen muss. In Südamerika nennt man so etwas „ein Lied tot singen.“ Er lässt sich das nicht anmerken und stimmt das Lied an, das ihn richtig bekannt gemacht hat. Bei „Nur mal kurz die Welt retten“ gehen nicht wenige Handykameras an. Als das Publikum alleine singen soll, hört man den Mädchenchor klar raus. Als Bendzko dann „nur die Mädchen“ ruft, ändert sich eigentlich nichts. „Nur die Männer“ singen dagegen deutlich leiser und stimmlich irgendwie auch etwas unsicherer.

Neben den Klassikern präsentiert Bendzko seinen Fans auch neue Lieder. „Am seidenen Faden“ wird wahrscheinlich der Titeltrack zum neuen Album. „Wenn ihr das Lied gut findet, dann kommt es auf das neue Album. Wenn nicht, dann spielen wir es heute zum letzten Mal“, verspricht Bendzko lachend vor jedem neuen Lied. Allerdings hätte aus dem Mund von Tim Bendzko heute wahrscheinlich jedes Lied krachenden Zuspruch erhalten. „Wir kommen noch zum Thema mutig sein und sich etwas trauen“, sagt Bendzko dann. Früher habe er sich nicht auf so große Bühnen getraut. „Und jetzt stehe ich hier, vor 25.000 Freiburgern.“ Das kann er nicht ganz ernst meinen, auch wenn das Zirkuszelt groß ist. Das Lied „Sag einfach ja“ soll eine Hommage an das Heiraten sein und ist Benzkos neue Single, die in einer Woche rauskommen wird. Ein nett gemeintes und  gelungenes Lied, auch wenn er damit mit Sicherheit nicht an den Erfolg von „Nur noch kurz die Welt retten“ anschließen kann.

Um zwanzig vor elf haben Bendzko und Band eine Stunde und fünfzig Minuten hinter sich. Die insgesamt fünfte Zugabe ist gespielt. Der Applaus ist immer noch tosend. 110 Dezibel laut.

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