fudder-Interview

Tierschützerin: "Wir vermitteln nicht mehr Tiere als vor der Pandemie"

Jennifer Fuchs

Hat Corona einen Einfluss auf die Arbeit der Tierschutzorganisation "Griechische Straßenhunde suchen ein Zuhause"? Tierschützerin Silvia Gerstenberg erzählt im Interview, dass es viele Anfragen gibt, diese aber gut geprüft werden.

Gefühlt schaffen sich zur Zeit viele Menschen einen Hund an. Wie macht sich die Pandemie bei eurer Tierschutzorganisation bemerkbar?

Silvia Gerstenberg: Grundsätzlich gibt es seit Corona viel mehr Anfragen für die Hunde. Allerdings vermitteln wir nicht mehr Tiere als vor der Pandemie. Das liegt daran, dass wir bei der Prüfung der Interessenten leider oft feststellen müssen, dass sie sich nicht ausreichend um die Hunde kümmern können beziehungsweise nach der Pandemie genug Zeit haben. Viele Menschen sind aktuell in Kurzarbeit oder im Homeoffice. Wir haben die Vermutung, dass sie nach dieser Zeit die Hunde wieder an uns zurückgeben werden, weil sie einen Hund mit ihrem normalen Alltag nicht vereinbaren können. Das wollen wir den Tieren ersparen.
"Uns ist das Wohl der Tiere sehr wichtig, daher prüfen wir auch genau, wohin wir die Hunde vermitteln."

Wie seid ihr dazu gekommen, eine Tierschutzorganisation für Straßenhunde zu gründen?

Angefangen hat alles 2016. Da wurde ich von Mina angeschrieben, die unsere Facebookgruppe "Griechische Straßenhunde suchen ein Zuhause" gegründet hat. Inzwischen besteht unsere Organisation aus fünf deutschen und griechischen Tierschützern, die sich mit vollem Herzen ehrenamtlich für bedürftige Streunerhunde in der Nähe von Athen einsetzen. Gerade haben wir auch einen Antrag gestellt, um ein eingetragener Verein zu werden.

Da ich aus der Nähe von Freiburg komme, bin ich für die Vermittlung der Hunde in diesem Umkreis zuständig. Die restlichen Organisatoren sind in ganz Deutschland verteilt. In Griechenland haben wir zwei Shelter für die geretteten Straßenhunde und ihre Welpen wo sich jeweils die griechischen Tierschützer vor Ort kümmern. Die Shelter sind zwei eingezäunte Privatgrundstücke mit viel Auslauf und überdachten Schlafmöglichkeiten für die Tiere. Pro Shelter können wir zehn bis 20 Hunde versorgen und versuchen auch mit Hilfe unserer Facebookseite die Tiere an ein liebevolles Zuhause nach Deutschland zu vermitteln.

Wie läuft eine solche Vermittlung den ab?

Wir posten auf Facebook Fotos sowie einen kurzen Text über die Hunde und werden dann von Interessenten angeschrieben. Uns ist das Wohl der Tiere sehr wichtig, daher prüfen wir auch genau, wohin wir die Hunde vermitteln. So erfolgt zuerst ein telefonisches Gespräch und wir erklären ausgiebig unsere Bedingungen. Als Nächstes bekommen die Interessenten einen Fragebogen zugeschickt, der ausgefüllt werden muss. Der letzte Punkt ist dann eine persönliche Vorkontrolle über das neue Zuhause des Hundes. Uns ist es wie gesagt eine Herzensangelegenheit, dass die Tiere ein schönes, liebevolles Heim finden, daher diese strenge Bedingungen. Wenn es dann zu einer Vermittlung kommt, erheben wir eine Schutzgebühr, die den Flugtransfer aus Griechenland, sowie den Vollbluttest, Impfungen und weitere medizinische Versorgungen beim Tierarzt abdeckt. Die Kontrollen am Zoll sind sehr streng und uns ist es ein wichtiges Anliegen, dass die Tiere komplett gesund und mit allen wichtigen Impfungen nach Deutschland einreisen. Pro Monat dürfen fünf Hunde von unserer Organisation einfliegen und schließlich von ihren neuen Besitzern abgeholt werden.

"In Griechenland gibt es sehr viele bedürftige Streuner und das Tierleid ist sehr groß."

Woran erkennt man eigentlich eine seriöse Organisation, die Hunde vermittelt?

Ein wichtiger Punkt ist meiner Meinung nach, wenn das Tier per Flugtransfer einreist. Wie schon erwähnt sind die Zollkontrollen am Flughafen sehr streng und die Hunde müssen daher komplett gesund und geimpft sein. Leider gibt es immer häufiger "Hundezüchter", die Welpen im Kofferraum über die Grenze schmuggeln. Dies ist reine Tierquälerei. Die Kleinen werden oft schon viel zu früh von der Mutter getrennt und sind meist weder geimpft noch kastriert. Einige sterben schon während der Fahrt oder innerhalb weniger Wochen, wenn sie in Deutschland sind. Diesen Hundevermittler ist es egal, wer den Hund bekommt und was mit ihnen letztendlich passiert. Hauptsache, sie bekommen ihr Geld. Die Tiere sind für sie Ware - mehr nicht. Auch die Muttertiere werden behandelt wie eine Gebärmaschine und leben meist unter schrecklichen Bedingungen. Von solchen Hundezüchtern rate ich als Tierschützerin mehr als ab!

Ihr sucht für die geretteten Hunde aber nicht nur ein neues Herrchen oder Frauchen, sondern auch Pflegestellen?

Ja, genau. In Griechenland gibt es sehr viele bedürftige Streuner und das Tierleid ist sehr groß. Da wir nur zwei Shelter zur Verfügung haben und somit auch nur geringen Platz, suchen wir auch immer wieder Pflegestellen für die Hunde in Deutschland, wo sie bis zu ihrer endgültigen Vermittlung herzlich aufgenommen werden. Außerdem besteht noch die Möglichkeit, sich als Futter- oder Impfpatefür einen Hund zu engagieren. Auf unserer Facebookseite gibt es noch mehr Informationen dazu.
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