Reißende Stromschnellen

Suche an der Dreisam: Polizei stellt Suche nach junger Frau ein

Joachim Röderer, Manfred Frietsch & Simone Lutz

Eine junge Frau soll nahe der Freiburger Ochsenbrücke in die Hochwasser führende Dreisam gefallen sein. Am Samstag teilte die Polizei mit, die Suche eingestellt zu haben.

Update Samstag, 14 Uhr:
Die junge Frau, die am Freitagmorgen bei der Ochsenbrücke vom gesperrten Radweg ins Wasser gefallen sein soll, ist nicht gefunden worden. Das teilte der Direktionsdienst der Feuerwehr am Samstag auf Anfrage mit. Am Freitag waren Retterinnen und Retter mit einem Großaufgebot von mehr als 200 Leuten ausgerückt – vergeblich.

Einsatz an der Dreisam: Eine Zeugin hat der Integrierten Leitstelle am Freitagmorgen gegen 9.15 Uhr einen Notfall gemeldet. Eine junge Frau, die mit einem Fahrrad unterwegs gewesen sei, sei in die wegen Hochwassers reißende Dreisam gefallen und klammere sich an eine Begrenzungsmauer.

Der Vorfall soll sich unterhalb der Fahrradrampe der Ochsenbrücke im Stadtteil Stühlinger in Freiburg ereignet haben – auf der Südseite Richtung Haslach. Der Dreisamuferweg ist derzeit wegen Hochwassers gesperrt – allerdings stehen an der Stelle nur Warnschilder und keine Schranken. Rund 200 Rettungskräfte waren im Einsatz. Gegen Mittag wurden die Suchmaßnahmen beendet – ohne Ergebnis.

Nun gibt es neue Hinweise: Im Laufe des Tages hat sich bei der Polizei eine weitere Zeugin gemeldet. Diese gab an, dass sie gegen 9.15 Uhr – noch vor dem Eintreffen der Rettungskräfte – einen Mann mit roter Jacke im Bereich der Ochsenbrücke beobachtet habe. Dieser habe eine junge Frau mit weißer Mütze und weißem Schal aus dem Wasser gezogen. Dieser Mann wird nun von der Polizei als wichtiger Zeuge gesucht. Der Mann und mögliche weitere Zeugen werden gebeten, sich unter Tel. 0761/882-2880 zu melden. Schon am Morgen hatte die Polizei an die junge Frau appelliert, dass diese, falls sie gerettet wurde, selbst meldet. Sie habe dadurch keine Nachteile, Kosten für den Einsatz würden für sie nicht anfallen.

Feuerwehr und DLRG waren im Einsatz

Die Feuerwehr hatte am Morgen nach der Alarmierung gemeinsam mit der DLRG und dem THW eine Wasserrettung gestartet. Auch der Rettungshubschrauber war im Einsatz, der die Dreisam absuchte, so Polizeisprecher Schorr am Morgen.

Allein die Feuerwehr Freiburg war mit 85 Wehrleuten im Einsatz. Alarmiert wurde auch die Rettungstauchergruppe "Pinguin".

Schon gegen 11.45 Uhr hatte die Feuerwehr im Bereich Ochsenbrücke den Einsatz beendet. "Wir haben alles drei bis vier Mal abgesucht", sagte Philipp Golecki, der stellvertretende Leiter des Amtes für Brand- und Katastrophenschutz der BZ. Während des Einsatzes hatte es noch einen zweiten Alarm gegeben und den Verdacht, es könnte sich eine zweite Person in der Dreisam befinden. Es habe sich aber um Kleider von Obdachlosen gehandelt, die durch das Hochwasser im Fluss trieben.

Feuerwehren bauen Posten in der March auf

Der Rettungseinsatz hat sich rasch flussabwärts verlagert. Die Feuerwehren March, Umkirch und Eichstetten haben in March drei Posten aufgebaut an der alten Straßenbrücke bei Hugstetten, an der Brücke bei Buchheim und die Feuerwehr Eichstetten an der Brücke Neuershausen. "Wir rechneten damit, dass die Person kurz vor 10 Uhr die Brücke bei Buchheim erreichen könnte, wegen der Fließgeschwindigkeit der Dreisam, die bei etwa 9 Kilometer in der Stunde liegt" , erklärte Marchs Feuerwehrkommandant Patrick Gutmann. Zusätzlich wurde auch bei Lehen und unterhalb der Autobahn die Flussufer abgesucht. Als um 10.30 Uhr erwogen wurde, den Einsatz abzubrechen, sei aus Freiburg gemeldet worden, dass bei der Schnewlinbrücke eine Person im Fluss gesehen worden sei. Darum sie man weiter vor Ort geblieben und habe auch den Kontrollpunkt an der Hugstetter Brücke durch die Feuerwehr Umkirch eingerichtet, erklärte Gutmann weiter.

Die DLRG war bei Neuershausen, Buchheim und unterhalb der Autobahnbrücke vor Ort. Auch das Technische Hilfswerk (THW) aus Breisach war vor Ort. In Buchheim waren an beiden Ufern der Dreisam Rettungsschwimmer bereits angeleint postiert, die bei Bedarf sofort in den Fluss hätten einsteigen können. Bei Buchheim hat das THW auch ein Boot parat, um es bei Bedarf einzusetzen.

Eine weitere Kontrollstelle wurde im Rahmen der Suchaktion auch nach der Autobahnbrücke bei Umkirch eingerichtet . Die Rettungskräfte setzen auch Drohnen ein.

Bereits um 10.24 Uhr wurde auch die Feuerwehrleitstelle in Emmendingen verständigt, um weitere Sucheinsätze am Unterlauf der Dreisam zu starten, die bei Riegel sich mit der Elz vereinigt. Kurz nach halb zwölf Uhr entschied man sich, den ergebnislosen Einsatz in March zu beenden, erklärt Gutmann. Zu diesem Zeitpunkt wusste man, dass es keine zweite Person im Fluss gab.

Reißende Stromschnellen

Wegen der teils starken Regenfälle und der Schneeschmelze im Schwarzwald steigt der Pegel der Dreisam seit Tagen stetig an. Am Freitag überschritt er die 150-Zentimeter-Marke – ab 110 Zentimetern wird der Dreisamuferradweg gesperrt. Dies geschieht mit Schildern und teilweise auch mit Schranken. Die Stromschnellen sind aktuell äußerst stark. Die Stadt warnt auf ihrer Internetseite davor, selbst bei leichter Überflutung den Weg zu benutzen. Hindernisse oder eine Unterspülung seien oft nicht sichtbar.

Sogar über die App des Katastrophenschutzes NINA war am Freitagvormittag vor Lebensgefahr an der Dreisam gewarnt worden. Einsatzkräfte vor Ort meldeten, dass sich immer noch Menschen auf den Fuß- und Radwegen entlang der Dreisam bewegten – trotz der Absperrungen.

Während der Einsatz lief, kam ein Wassersportler mit Surfboard unter dem Arm und wollte auf die Dreisam. Die Rettungskräfte hätten ihn weggeschickt – und einigermaßen fassungslos die Köpfe geschüttelt, heißt es. Auch Vizeamtsleiter Golecki richtete noch einmal den dringenden Appell an alle: "Bitte von der Dreisam wegbleiben, es ist wirklich lebensgefährlich."

Bei Hochwasser ist der Radweg gefährlich – und gesperrt

Im Dezember 2010 stürzte ein Radler bei der Schwabentorbrücke in den Fluss und wurde nie gefunden. Knapp drei Jahre darauf, im Februar 2013, stürzte ein 48-jähriger Radler in die Dreisam und ertrank, seine Leiche wurde einen Tag später im Leopoldskanal in der 34 Kilometer entfernten Gemeinde Rheinhausen gefunden.