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So war die Premiere der Immoralisten-Doku im Livestream

fudder-Redaktion

Etwa 120 Interessierte haben am Sonntagabend auf Youtube die Premiere des Films "Irgendwas bleibt doch" angesehen. Darin geht es um das Freiburger Theater der Immoralisten. Im Anschluss gab es einen Live-Talk.

Was treibt sie an? Wie entsteht ein Stück? Wie arbeiten und denken die "Immoralisten"? Mit diesen Fragen im Gepäck haben sich die Regisseurinnen Meike Gasser und Marie Hopermann im September 2019 auf eine Reise begeben: Mehrere Wochen lang begleiteten sie die Theatermacher im Stühlinger. Sie filmten, wie Theaterleiter Florian Wetter zuhause an dem Stück "1919 - Die Vier" arbeitet, wie Schauspieler Markus Schlüter sich vor der Probe stretcht, wie Regisseur Manuel Kreitmeier ausrastet, weil in der Garderobe Chaos herrscht – und wie das Stück schließlich Premiere feiert. Die Immoralisten spielen seit zehn Jahren im eigenen Theater im Stühlinger, "Irgendwas bleibt doch" ist die erste Dokumentation ihrer Arbeit.


Ihren ersten gemeinsamen Film stellten die beiden Freiburgerinnen Gasser und Hopermann am Sonntag vor. Nicht auf großer Leinwand, sondern aufgrund der aktuellen Regelungen und Bestimmungen auf Youtube. "Der Film ist ein Herzensprojekt", sagt Meike Gasser im anschließenden Gespräch mit fudder-Redakteurin Gina Kutkat. Sie und ihre Kollegin Marie Hopermann kannten die Immoralisten bereits durch Workshops und Aufführungen – und wollten irgendwann mal hinter die Kulissen blicken. "Wir waren wirklich die ganze Zeit dabei und wurden irgendwann in die Immoralisten-Familie mit aufgenommen", sagt Marie Hopermann. Im Film spürt man die Nähe zu den Protagonisten: Sie filmen die konzentrierten Theaterleiter Florian Wetter und Manuel Kreitmeier in ihrer Privatwohnung, den Zuschauerraum und die aufgeregten Schauspieler in der Maske.



"Ich habe irgendwann gar nicht mehr gemerkt, dass ich gefilmt wurde", sagt Schauspieler Markus Schlüter im Live-Talk. "Als ich jetzt einzelne Szenen gesehen habe, konnte ich mich gar nicht mehr daran erinnern." So groß sei das Vertrauen in die Filmemacherinnen gewesen – und so gut hätten sich auch alle Beteiligten verstanden. Das glaubt man sofort, wenn man die knapp 50-minütige Doku anschaut, die klug erzählt wird und nichts zu verschönen versucht. "Den Beiden ist es wirklich gelungen, jeden einzelnen Charakter, aber auch die Immoralisten als Ganzes zu zeichnen", sagt Regisseur und Theaterleiter Manuel Kreitmeier. "Wir planen noch weitere gemeinsame Projekte."
fudder-Porträt: Das sind die Immoralisten

"Natürlich wäre es schöner gewesen, den Film auf großer Leinwand zu zeigen", sagt Meike Gasser. Aber erstens könne man das im Sommer nachholen – und zweitens sei es eben eine besondere Zeit, in der besondere Formate entstünden. "Das Timing ist gut", sagt auch Florian Wetter. Denn so können die Immoralisten ein Lebenszeichen von sich geben, in einer für alle schwierigen Zeit, in der noch niemand weiß, wann es wieder normal zugeht. "Wir hätten gerne trotz Beschränkungen ’Herr & Knecht’ weitergespielt", sagt Manuel Kreitmeier. "Das war unser Beitrag zur Corona-Krise."

Dafür gibt’s jetzt den Film, der zeigt, wie normal alles noch im Jahr 2019 war. 120 Leute waren live bei der Premiere von "Irgendwas bleibt doch" dabei, aktuell hat das Video knapp 700 Klicks. Das wären mehrere Ausverkauft-Abende im Theater im Stühlinger gewesen.

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